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Kampf für faire Entlohnung

Demo der Lebensretter in Oranienburg Kampf für faire Entlohnung

Das Berufsbild der Rettungsdienstmitarbeiter verändert sich gerade drastisch. Die neuen Notfallsanitäter müssen die medizinische Erstversorgung übernehmen, bis der Notarzt eintrifft. Eine sehr verantwortliche Aufgabe, die auch gerecht bezahlt werden soll. Doch die Verhandlungen mit den Arbeitgebern sind festgefahren.

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Eine faire Bezahlung für eine große Verantwortung – das fordern am Donnerstag die Rettungsdienstmitarbeiter in Oranienburg.

Quelle: Andrea Kathert

Oranienburg. „Wir streiken nicht, wir demonstrieren“, wurden am Donnerstag vor dem Landratsamt in Oranienburg die Passanten aufgeklärt. Die 70 Mitarbeiter der Rettungsdienste wollten weder die Arbeit niederlegen, noch einen Rettungswagen lahmlegen. Aber auf ihre Situation wollten sie sehr wohl aufmerksam machen. Denn für das neue Berufsbild, das gerade im Rettungsdienst entsteht, fühlen sie sich nicht angemessen bezahlt.

Betroffen sind Mitarbeiter im gesamten Land Brandenburg. Deshalb waren am Donnerstag auch Angestellte aus verschiedenen Landkreisen angereist, und zwar in ihrer Freizeit. Manche kamen aus der Uckermark, einige aus der Prignitz, die meisten aber aus Oberhavel.

Der Hintergrund ist eine Bundesgesetzgebung, wonach die Rettungswachen künftig mit Notfallsanitätern arbeiten. Die bisherigen Mitarbeiter sind Rettungssanitäter, die mehr unterstützend auf den RTWs mitfahren, oder Rettungsassistenten. Nun sollen peu a peu die Mitarbeiter zu Notfallsanitätern umgeschult werden. Nach dieser Weiterbildung müssen die Mitarbeiter die Erstversorgung der Patienten übernehmen bis der Notarzt eintrifft_ eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Zumal auch in Oberhavel die Notärzte immer länger brauchen, bis sie vor Ort sind.

Drei Fragen an ...

... Bert Paschke, Mitarbeiter der Rettungswache in Oranienburg und bereits Notfallsanitäter.

Letztendlich führen wir ärztliche Arbeiten aus. Das ist eine große emotionale und körperliche Herausforderung. Man weiß nie, was einen erwartet. Da schießt einem das Adrenalin in den Kopf. Früher hatten wir immer den Notarzt im Hintergrund. Jetzt muss ich alles selbst entscheiden_ welche Medikamente, wie viel Milligramm gebe ich. Es gibt bis zu 35 Notfallmedikamente, die ich verabreichen kann. Ich muss etwa zwei Dutzend EKG-Bilder auswerten können. Wir haben jetzt viel mehr Verantwortung.

Je nach Dienstzugehörigkeit dauert die Ausbildung bis zu 960 Stunden und endet mit einem medizinischen Staatsexamen. Als Berufseinsteiger dauert die Ausbildung drei Jahre. Ab Oktober oder November werden Notfallsanitäter auch in Oranienburg ausgebildet.

Bei mir waren es 80 Stunden, weil ich bereits 25 Jahre dabei bin. Die Ausbildung lief in Bad Saarow, alles in der Freizeit. Ohne meine Familie hätte ich das nicht geschafft.

Bert Paschke weiß, was das bedeutet. Der Mitarbeiter der Rettungswache in Oranienburg hat die Weiterbildung schon hinter sich. „Letztendlich führen wir ärztlich invasive Arbeiten aus“, sagt Paschke. Innerhalb von kürzester Zeit muss er entscheiden, welches von 35 Medikamenten in welcher Dosierung er verabreichen muss. Notfallsanitäter sollen mehr als 20 verschiedene EKG_Bilder auswerten können, Infusionen legen und Sauerstoff verabreichen.

Zwischen der Arbeit des Rettungssanitäters und des neuen Notfallsanitäters besteht ein himmelweiter Unterschied. Und das sollte honoriert werden, finden die Demonstranten. „Aber es geht auch um alle Mitarbeiter“, sagt Bert Paschke, der gleichzeitig der Betriebsratsvorsitzende der Rettungsdienst Oberhavel GmbH ist. Denn die Belastung für alle Rettungsdienstmitarbeiter wird immer größer.

„Der Rettungsdienst gehört einfach zur Daseinsfürsorge, doch die Bezahlung stimmt noch nicht“, sagte Sebastian Wiegandt, der Verhandlungsführer des dbb in der laufenden Tarifrunde. Der Beamtenbund betreut 43 Mitgliedsgewerkschaften im öffentlichen Dienst, hauptsächlich in der Komba sind die meisten Rettungsdienstmitarbeiter organisiert. „Wir verhandeln seit Ende vorigen Jahres, mehr oder weniger erfolgreich“, sagte Wiegandt. „Wir fordern praktisch die Entgeldgruppe 9“. Das sind etwa 550 Euro monatlich mehr zum bisherigen Gehalt des Rettungssanitäters.

Die Verhandlungen in Oberhavel sind die ersten im Land Brandenburg. Bis 2021 sollen im Landkreis etwa 85 Notfallsanitäter arbeiten. Bisher gibt es 20 neuausgebildete Mitarbeiter, zehn befinden sich gerade noch in der Ausbildung. In den zwölf Rettungswachen in Oberhavel sind derzeit etwa 185 Mitarbeiter beschäftigt.

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Die Mitarbeiter der Rettungsdienste aus verschiedenen Landkreisen demonstrieren am Donnerstagmittag vor dem Landratsamt in Oranienburg. Die fordern eine faire Bezahlung für ihre verantwortungsvolle Arbeit.

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Von Andrea Kathert

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