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Karlinchen wird abgewiesen

Gymnasiasten spielten für Erst- und Zweitklässler ein Theaterstück zum Thema Flucht Karlinchen wird abgewiesen

Gymnasiasten der siebten und elften Klassen des Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium führten für Erst- und Zweitklässler der Waldschule Oranienburg ein Theaterstück auf zum Thema Flucht. Denn die Waldschule ist Schwerpunktschule für Flüchtlingskinder. Mit dem Projekt soll bei den Schülern Offenheit gegenüber Flüchtlingskindern erreicht werden.

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Diese drei Erst- und Zweitklässler malen die Figur eines Flüchtlingskindes aus und schreiben ihre Wünsche für das Kind auf..

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Abdaljawwad ist neun Jahre alt und mit seinen Eltern aus Syrien geflohen. Er lebt im Asylbewerberheim in Lehnitz und besucht seit Januar eine Flexklasse an der Waldschule in Oranienburg. Gestern schaute der Junge gebannt auf die Bühne der Aula im Louise-Henriette-Gymnasium. Die Worte verstand er sicher nicht alle, doch die Situation sehr wohl. Denn da versteckte sich das Mädchen Karlinchen vor Kriegslärm, vor explodierenden Geschossen. Dann, angekommen in einem stillen Land, bittet das Mädchen um etwas zu essen und ein Bett. Doch jede Gruppe, die sie trifft, weist sie ab. Ruft nach der Polizei. Das Mädchen erkennt: „Sie mögen mich nicht, nur weil ich anders bin.“ Schließlich trifft Karlinchen die Familie „Kunterbunt“. Deren zwei Kinder bringen sie zu sich nach Hause. Die Eltern geben Karlinchen Brot und nehmen sie bei sich in der Familie auf.

Diese Geschichte eines Flüchtlingskindes spielten gestern Siebtklässler des Louise-Henriette-Gymnasiums für Erst- und Zweitklässler der Waldschule Oranienburg. Entstanden war dieses Kooperationsprojekt zwischen zwei Schulen, nachdem Waldschulleiter Torsten Lattke beim Gymnasium angefragt hatte. Er wusste, dass es dort eine sehr rege Arbeitsgruppe für Toleranz gibt. Und er wollte als Schwerpunktschule für die Aufnahme von Flüchtlingskindern etwas tun, was die Schüler erreicht. Lattke: „Wir wollten nicht nur Zettel an die Eltern schicken und darum bitten, ihre Kinder wohlwollend auf die Begegnung mit Flüchtlingskindern vorzubereiten. Wir wollten an die Schüler ran.“

Schon während des Theaterstücks strecken viele Kinder die Hände vor, weil sie dem umherirrenden Karlinchen helfen wollen. Lennja (6) sagt nach der Vorstellung: „Das war eine traurige Geschichte, denn das Haus ist abgebrannt, Karlinchen hat die Eltern verloren. Und dann wollte keiner sie haben.“

Auch im anschließenden Workshop bringen die Kinder ihre Gedanken zum Theaterstück zum Ausdruck. „Was wünscht sich Karlinchen?“, fragt Lehrerin Juliane Reinert die Erst- und Zweitklässler. Sie hat das Theaterstück mit den Siebtklässlern und mit Unterstützung von Elftklässlern einstudiert. Die jungen Schüler überlegen und nennen Essen und ein Bett. Doch dann fügen sie hinzu: „Karlinchen möchte Freunde und eine Familie haben. Denn immer wieder hat sie nach ihrer Mama gerufen.“

Deutsch als Zweitsprache

Lehrerin Sandra Paschen ist an der Waldschule Oranienburg angestellt. Sie unterrichtet ausländische Kinder in Deutsch als Zweitsprache und tut dies an mehreren Schulen.

Welche Kinder kommen in den Genuss ihres Unterrichts?

Sandra Paschen An der Waldschule sind es drei Kinder von Asylbewerbern sowie ein Kind aus Spanien und eines aus Rumänien. Ich nehme die Kinder zum Beispiel aus den Deutschstunden heraus und vertiefe ihre Kenntnisse der deutschen Sprache, damit sie irgendwann dem Unterricht besser folgen können.

Wie lange dauert es, bis ein Kind für die deutsche Schule fit ist?

Paschen: Es braucht ein Jahr, bis die Kinder sich unterhalten und zwei Jahre, bis sie dem Fachunterricht zum Beispiel in Geografie folgen können.

Wie finden sie dieses Theaterprojekt?

Paschen: Das ist ganz wichtig, damit die deutschen Kinder ausländische Kinder positiv begegnen.

Wie wurden die Asylbewerberkinder in der Waldschule aufgenommen?

Paschen: Sehr gut, wirklich, das hat uns sehr gefreut.

An einem Tisch wird ein Kreuzworträtsel mit Fragen zum Theaterstück geraten, am Nachbartisch werden Freundschaftsbänder geflochten und Bilder zum Stück gemalt. Auch der Abdaljawwad ist dabei. Seine Nachbarin Linda (8) hilft ihm und erklärt ihm langsam sprechend, was er malen soll.

Waldschullehrerin Magitta Hirschfelder findet das Theaterprojekt auch wichtig für die deutschen Kinder. Diese „nehmen vieles für selbstverständlich und wissen oft nicht, was in anderen Ländern los ist“. Dass Gymnasiasten etwas für junge Schüler tun, findet Hirschfelder toll: „Damit entsteht eine andere Beziehung, die Kinder sind ernsthafter bei der Sache.“

Von Marion Bergsdorf

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