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Oberhavel Kaspar Eichel erzählt von „Berlin um die Ecke“
Lokales Oberhavel Kaspar Eichel erzählt von „Berlin um die Ecke“
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02:15 17.02.2016
Auf der Berlinale ist der Defa-Film „Berlin um die Ecke“ mit Erwin Geschonneck, Dieter Mann und dem Staffelder Schauspieler Kaspar Eichel zu sehen. Quelle: dpa
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Staffelde

Es sollte 35 Jahre dauern, bis Kaspar Eichel den Film „Berlin um die Ecke“ zum ersten Mal sehen durfte. 1965 hatte der Staffelder eine der Hauptrollen in dem Defa-Film gespielt. „Der war noch gar nicht richtig fertig, als er schon in den Giftschrank kam“, erinnert sich der Schauspieler, der bei der späten Premiere im Mai 1990 im Berliner Kino „International“ dabei war. Nun wird „Berlin um die Ecke“ während der 66. Berlinale erneut groß präsentiert. Gleich drei Vorstellungen sind ab Montag während der Internationalen Filmfestspiele geplant.

Der Spielfilm wurde ausgewählt für die Berlinale-Retrospektive, die diesmal dem Filmjahr 1966 in Ost und West gewidmet ist. „Damals herrscht Aufbruchstimmung: Im Westen stellen sich Autorenfilmer den Widersprüchen der Wirtschaftswunderzeit, im Osten hinterfragen junge Regisseure den sozialistischen Alltag“, erklärt Rainer Rother, der Künstlerische Direktor der Deutschen Kinemathek und Leiter der Retrospektive der Berlinale, die Idee zu dieser Gegenüberstellung des Filmschaffens in der BRD und der DDR Mitte der 1960er-Jahre. Derweil die jungen Filmemacher in der Bundesrepublik international Aufmerksamkeit erregen, wird in der DDR ambitioniertes Filmschaffen blockiert - etwa die Hälfte der Defa-Filme, die in der DDR 1966 in die Kinos kommen sollten, wurde nach dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED im Dezember 1965 verboten. „Bis dahin hatten wir uns erhofft, dass die Kultupolitik offener würde“, sagt Eichel heute.

Wolfgang Kohlhaase hatte damals das Drehbuch für „Berlin um die Ecke“ verfasst, Gerhard Klein führte Regie. Die beiden hatten 1957 mit „Berlin Ecke Schönhauser“ einen der bis heute bekanntesten Defa-Filme geschaffen, der wie kaum ein anderer Atmosphäre und Gefühl der jungen Leute in jener Zeit in der DDR transportiert. Das gelang auch knapp zehn Jahre später mit „Berlin um die Ecke“, nur durfte das eben damals keiner sehen: Als genau und berührend wurde die Darstellung des Alltags der beiden jungen Männer Olaf und Horst Jahre später gerühmt.

Die beiden sind unzufrieden mit den Missständen im Betrieb. Veraltete Maschinen, kaum Material. Sie sind gute Arbeiter, aber unangepasst, fallen außerdem auf mit ihrem Faible für Motorräder. Das erregt die Gemüter, ein Generationenkonflikt bahnt sich an. Nur einer der alten Arbeiter zeigt Verständnis für die zwei. Doch dann stirbt der alte Paul. Und Olaf bemüht sich lange vergeblich um Sängerin Karin, die eigentlich in einer Großküche arbeitet.

Olaf und Horst, das sind Dieter Mann und Kaspar Eichel. „Wir hatten ganz zauberhafte Rollen“, sagt Eichel über jene rebellischen jungen Burschen. „Wir spielten mit großen Barden“, erinnert er sich an den Dreh, den er „eine sehr erfrischende Arbeit“ nennt. Denn jener alte Arbeiter Paul wurde von Erwin Geschonneck verkörpert.

Eigentlich musste Kaspar Eichel damals seine Armeezeit absolvieren. Doch er war 1965 bereits für die Dreharbeiten zu „Tiefe Furchen“ freigestellt worden. Der Dreh von „Berlin um die Ecke“ sei dann einfach mit rangehängt worden, um jene Freistellung auszunutzen, erinnert er sich. Allerdings: Gab es längere Drehpausen, musste er zurück in die Kaserne. Seine Stubenkameraden waren von dem Hin und Her des Schauspielers wenig angetan, erzählt Eichel.

Wegen seiner „pessimistischen und subjektivistischen Grundhaltung“, so der damalige Vorwurf, musste die Produktion des Films im Frühjahr 1966 mitten im Rohschnitt eingestellt werden, tatsächlich konnte „Berlin um die Ecke“ erst 1990 endgültig fertiggestellt werden. Bereits in jenem Jahr wurde er schon einmal auf der Berlinale vorgeführt, in einer Sonderreihe zu einst verbotenen DDR-Filmen.

Der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase wird bei der Berlinale-Vorführung am Donnerstag um 19 Uhr im „Cinemaxx“ am Potsdamer Platz in Berlin auch dabei sein und von seiner gemeinsamen Arbeit mit Regisseur Gerhard Klein berichten. Kaspar Eichel selbst wird sich keine der drei Vorführungen ansehen können; zu kurzfristig kam für ihn die Einladung zur Berlinale, er ist beruflich verhindert. Denn trotz seiner mittlerweile 73 Jahre ist er viel beschäftigt, vor allem als Synchronsprecher. Gerade hat er mal wieder Robert Redford synchronisiert. Er war auch schon die Stimme von Dennis Hopper oder Anthony Hopkins, als „markant“, „dynamisch“, „facettenreich“ wird seine Stimme beschrieben.

In Staffelde wohnt er seit 1974, seine Frau und er hatten rund um Berlin nach einem Haus gesucht und dann jenes damals total heruntergekommene Gebäude in Staffelde entdeckt. Zu der Zeit gehörte der 1942 in Berlin geborene Schauspieler schon zu den bekannten Darstellern in der DDR, er spielte am Deutschen Theater in Berlin, am Gorki-Theater, war im Fernsehen präsent und blieb das auch erfolgreich nach der Wende. Er etablierte sich als beliebter Charakter in populären Fernsehserien wie „Hallo Robbie!“, gehörte viele Jahre zur Darstellerriege des Berliner Kriminal-Theaters.

Kürzlich wurde er gefeiert für seine Darstellung im Dokudrama „Erich Mielke – Meister der Angst“, der zunächst in den Kinos zu sehen war und nun im Frühjahr auch im Fernsehen ausgestrahlt wird. Er spiele den Stasi-Chef Mielke mit „großer, geradezu schauderhafter Präsenz“ wurde Eichel für diese außergewöhnliche Rolle gelobt. Mehr als fünf Jahre ist für diesen Film von Jens Becker und Maarten van der Duin recherchiert worden. Ein wichtiges Hilfsmittel zur Vorbereitung auf die Rolle wurden für Kaspar Eichel Tonbandaufzeichnungen und die wenigen existierenden Filmaufnahmen. Die sind auch in dem Film zu sehen, der durch Spielszenen erweitert wurde, die Mielke während seiner Untersuchungshaft in Berlin-Moabit zeigen.

Kürzlich lieh er außerdem „Raumschiff Enterprise“-Captain-Darsteller Patrick Stewart seine Stimme für dessen Hauptrolle in der britischen Comedy-Serie „Blunt Talk“. Ans Kürzertreten denkt Kaspar Eichel noch längst nicht: „Ich mache, solange Knochen und Stimme mich tragen.“

Von Karen Grunow

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