Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Katerstimmung bei Blau-Weiß

Lärmschutzstreit in Hohen Neuendorf Katerstimmung bei Blau-Weiß

Beim Sportverein Blau-Weiß Hohen Neuendorf kocht die Stimmung hoch: Obgleich die Stadt die geforderten Lärmschutzmaßnahmen für den Fußballplatz in der Niederheide pünktlich realisiert hat, kann der für den Trainingsbetrieb so wichtige Kunstrasenplatz nicht voll genutzt werden. Beim Bau der Lärmschutzwände kam es offenbar zu Standortabweichungen.

Voriger Artikel
Johanniskirche wird buddhistischer Tempel
Nächster Artikel
Munition jeglichen Kalibers

Die Lärmschutzwand steht, die zeitweise Nutzungsuntersagung auch.

Quelle: Foto: Robert Roeske

Hohen Neuendorf. Die Hoffnungen waren groß, die Aussichten blendend – und doch herrscht dieser Tage Katerstimmung beim Sportverein Blau-Weiß Hohen Neuendorf. Der Grund: Trotz der pünktlichen Fertigstellung der Lärmschutzwand gilt die zeitweise Nutzungsuntersagung für den wichtigen Kunstrasenplatz über den Saisonstart hinaus. Grund: Beim Bau der Lärmschutzwände kam es offenbar zu Standortabweichungen.

Anfang dieses Monats war die 3,5 bis 5 Meter hohe und in der Summe ihrer Abschnitte insgesamt 300 Meter lange Lärmschutzwand bei einem Pressetermin präsentiert worden. Insgesamt rund 550 000 Euro hat Hohen Neuendorf in das Projekt investiert.

So gebaut, dass Vorgaben eingehalten werden

Die Stadt Hohen Neuendorf habe die Lärmschutzanlagen am Sportplatz Niederheide auf der Basis einer Baugenehmigung des Landkreises Oberhavel gebaut, sagt Fachbereichsleiterin Ariane Fäscher: „Die Anlagen sind so geplant und errichtet worden, dass ein regulärer Trainings- und Spielbetrieb bei Einhaltung der Immissionsrichtwerte der Sportanlagenlärmschutzverordnung nach den vorgegebenen Nutzungszeiten möglich ist.“ Ohne diese Lärmschutzmaßnahmen hätten „eine generelle Untersagung des Trainings- und Spielbetriebes auf dem Kunstrasenplatz und weitere Nutzungseinschränkungen“ gedroht, so Ariane Fäscher auf Nachfrage.

Nach der Fertigstellung der Lärmschutzanlage erfolge nun noch einmal eine Prüfung der Einhaltung der Immissionsrichtwerte unter Zugrundelegung der tatsächlichen Lage und Höhe der Lärmschutzwände, der möglichen Nutzung der Sportanlage und erforderlichenfalls eine Überarbeitung des Schallschutzgutachtens, informierte die Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit. Die Bauordnungsbehörde lege dann im Zuge dieser Kontrolle entsprechend der Gesetzeslage abschließend fest, wie die Nutzung der Anlage zu erfolgen hat. Ariane Fäscher: „Dem ist dann allseits Folge zu leisten.“ In diesem Zusammenhang werde man sich auch mit der Vereinsspitze zusammensetzen, kündigte sie an.

Nutzungsuntersagung vom Landkreis (noch) nicht aufgehoben

„Bei der Bauausführung kam es zu – wenn auch geringfügigen – Standortabweichungen von der Baugenehmigung, sagte Kreissprecher Ronny Wappler. Die Stadt sei deshalb am 3. August aufgefordert worden, die Einmessungsbescheinigung bis zum 31.  August und den Nachtragsantrag inklusive Aktualisierung oder Ergänzung zum Schallschutzgutachten bis zum 14. September 2015 vorzulegen. Wappler: „Die Nutzungsuntersagung kann daher derzeit (noch) nicht für gegenstandslos erklärt werden.“ Danach ist es untersagt, den Kunstrasenplatz zu folgenden Zeiten zu nutzen: werktags von 20 bis 7 Uhr sowie sonn- und feiertags von 0 bis 24 Uhr (ganztägig).

Beschränkungen trotz des Lärmschutzes festgeschrieben

Sofern der Kreisbehörde alle notwendigen Unterlagen übermittelt wurden und die vorgeschriebenen Emissionswerte nachweislich erzielt werden, gelten gemäß der Baugenehmigung folgende Regelungen: An Werktagen ist dafür Sorge zu tragen, dass auf dem Parkplatz südlich des Sportfunktionsgebäudes keine Kfz-Fahrten mehr nach 22 Uhr statt finden. Dies müsse eventuell mit Hilfe einer Schranke im Einfahrtsbereich der Friedrich-Engels-Straße geregelt werden, so Wappler. An Sonntagen ist darüber hinaus während der Mittagsruhe (13 bis 15 Uhr) auf allen Plätzen der offizielle Spielbetrieb ausgeschlossen. Spiele müssten entsprechend verlegt werden.

Blau-Weiß nimmt zu diesen Auflagen juristische Beratung in Anspruch, sagte Vereinsvorsitzender Lutz Kiehne: „Warum sollen wir schlechter gestellt sein, als es die Bundesimmissionschutzverordnung zulässt?“ Der Gesetzgeber lasse pro Jahr mehr als ein Dutzend Ausnahmen von der Mittagsruhe am Sonntag zu, wenn die Spiele von öffentlichem Interesse seien. Für die Bundesligaspiele der Frauenmannschaft treffe das zu.

Mittlere Katastrophe

Seit mehr als 14 Jahren kämpfen Anwohner der Sportanlage um einen besseren Lärmschutz. Anfeuerungsrufe, Trommelgedröhn – stundenlang gehe es so, klagen die Bürger. 26 von ihnen unterzeichneten deshalb 2012 eine Petition.

Für den Kunstrasenplatz und die Flutlichtanlage, vor gut 15 Jahren gebaut, gab es keine Baugenehmigung. Das Bauordnungsamt in Oranienburg gab die Regeln vor, um den Fehler nachträglich zu heilen, inklusive Lärmschutzauflagen und Nutzungsuntersagung. Letztere ist eine Katastrophe für die zuletzt 20 Nachwuchs- und sechs Erwachsenenmannschaften vom SV Blau-Weiß Hohen Neuendorf.

Ein Gutachten hatte im Sommer 2014 nachgewiesen, dass die in der Sportanlagenlärmschutzverordnung festgelegten Werte auf dem Platz beinahe zu jeder Zeit überschritten werden.

Von Helge Treichel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg