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Katja Ebstein über Trump und Theater

Oranienburg Katja Ebstein über Trump und Theater

In der kommenden Woche wird Katja Ebstein 72 Jahre alt. Zuvor tritt sie Sonntag in der Oranienburger Orangerie auf. Im MAZ-Gespräch redet die politisch engagierte Sängerin über „Wunder“, Donald Trump und dass sie noch nie ein Talent dafür hatte, in die Opferrolle zu schlüpfen.

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Katja Ebstein will in Oranienburg den Bogen spannen zwischen Evergreens, Musicalnummern und politisch-literarischen Texten.

Quelle: dpa

Oranienburg. Ausverkauft. Das hören nur wenige Künstler. Katja Ebstein (71) muss daran gewöhnt sein. Die engagierte Sängerin tritt am Sonntag in der Oranienburger Orangerie auf. Wir sprachen im Vorfeld mit ihr über Oranienburg, ­Donald Trump, den ESC und Wunder.

Frau Ebstein, ihr Konzert in der Orangerie am Sonntag ist seit Wochen ausverkauft. Kennen Sie eigentlich Oranienburg, wie ist Ihre Beziehung zur Stadt?

Nicht sehr intensiv, muss ich sagen. Bei Konzerten bleibt selten Zeit für Sightseeing. Aber wir haben hier einmal für die Serie „Unterwegs“ gedreht. Das ist einige Jahre her.

Was können Konzertbesucher am Sonntag erwarten?

Einen Querschnitt durch alle Musikrichtungen sowie gesellschaftspolitische Texte, wie man es von mir gewohnt ist. Ich bin keine reine Unterhalterin, ich betrachte die Welt gemeinsam mit meinem Publikum. Der Abend wird wie im Theater: Von Drama bis Komödie ist alles dabei.

Sie sind eine sehr politische und sozial engagierte Person. Hat sich Ihr Engagement in den letzten Jahren verändert?

Es ist wie immer. Aber je älter man wird, desto mehr Verantwortung trägt man. Aufhören ist die dümmste Option.

Das Internet macht Hetze und auch Widerstand einfacher.

Die Dinge sind so verworren heutzutage. Auch im Internet gibt es sehr viele Unwahrheiten. Aber es sorgt auch dafür, dass Menschen die Wahrheit schneller und leichter finden. Sie sind dadurch nicht mehr so leicht zu manipulieren wie früher.

Nehmen Fans Ihnen politische Aussagen eigentlich übel?

Nein. Und wenn, ist es mir eigentlich auch egal. Ich bin wie ich bin. Wenn ich mich auf Konzerten politisch äußere, fühlen sich die Menschen als denkende Bürger wahrgenommen.

Allzu pessimistisch wird es nicht ...

Nein, ich entlasse das Publikum immer mit einer leisen Hoffnung auf Veränderung und Lösung. Die Menschen wollen das, sie wollen zivilen Ungehorsam, wollen aktiv werden, politischer.

Donald Trump haben Sie auf einem Ihrer letzten Konzerte als „zweiten Hitler“ bezeichnet.

Ja. Wenn Donald Trump einen Sinn hat, dann den, dass die Menschen aus ihren bequemen Sesseln hochkommen. Die braune Soße ist doch gruselig. Man muss einfach etwas machen, man muss den Mund aufmachen.

So wie Sie seit Jahren.

Ich hatte noch nie ein Talent dafür, Opfer zu sein.

Abrupter Themenwechsel: Eurovision Song Contest. Dreimal landeten Sie in den Top 3. Verfolgen Sie den Wettbewerb noch?

Wenn ich Zeit habe, gucke ich mal rein. Aber es ist nicht mehr wie früher, wo es noch um Texte und Lieder ging.

Was ist heute anders?

Es macht einfach keinen Spaß mehr, wenn ich die Seilschaften sehe, die sich gegenseitig bedienen. Gute Gewinner setzen sich zwar oft durch, aber die Show als solche ist anstrengend geworden. Früher war es nicht so übertechnisiert, es zählte die Musik, ehrliche Gefühle. Heute ist alles sehr künstlich, nicht mehr handgemacht.

Aber der ESC hat auch gute Seiten.

Nun ja, vor lauter Flickern und Flackern und Technik kann man ja oft kaum die Sänger wahrnehmen. Es ist verrückt. Dennoch ist es natürlich immer noch ein friedlicher Ort der Begegnung.

Warum zieht es Sie so selten ins Rampenlicht?

Auf dem roten Teppich bin ich selten, das ist nicht mein Leben. Meine Entwicklung hat sich in der Stille abgespielt, du kannst keine Kraft aus der Öffentlichkeit ziehen.

Sie werden in wenigen Tagen 72 Jahre alt, scheinen aber kaum zu altern.

Jugend kommt vom Geist, von dem, was dich im Kopf bewegt. Du musst neugierig bleiben, interessiert. Fältchen kommen einfach, aber die Augen zeigen, wie wach du im Geiste bist. Ich bin der Mensch, der ich schon mit 16 Jahren war, nur jetzt mit einer langen Lebenserfahrung.

Was würden sie abseits ihrer literarischen Karriere als den Song ihres Lebens bezeichnen?

Ich bin sehr sprachaffin, liebe Heinrich Heine seit ich 12 Jahre alt war. Ich möchte Geschichten erzählen und habe immer versucht, mehr Intensität in meine Lieder zu bringen. Die einfacheren wurden oft Hits.

Wie „Theater“ und „Wunder“ ...

„Wunder“ ist eine gute Nummer, ein Tröster für viele. „Wunder gibt es immer wieder.“ Die Zeile haben viele immer wieder im Mund. Ich singe ihn oft mit dem Publikum zusammen. Viele haben Erinnerungen an den Song. Aber auf Konzerten gibt es nicht nur „Wunder“ und „Theater“, sondern auch Literarisches, Musicalnummern, Chansons. Schlager nur da, wo ich will, dass es passt.


Von Marco Winkler

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