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Keine Hebamme? Ärztin widerspricht

Krankenhaus Oranienburg (Oberhavel) Keine Hebamme? Ärztin widerspricht

Ein werdender Vater aus Oranienburg hatte sich beschwert, dass seine schwangere Frau mit Wehen von der Klinik Oranienburg nach Berlin wechseln sollte. Die Klinik weist alle Vorwürfe zurück. Darüber hinaus will die diensthabende Ärztin Strafanzeige wegen Verleumdung, Bedrohung und Beleidigung stellen.

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Die diensthabende Ärztin hatte der Familie Mäcker geraten, zur Verlegung nach Berlin einen Rettungswagen zu nutzen.

Quelle: dpa

Oranienburg, Oranienburg. Der MAZ-Bericht „In den Wehen, keine Hebamme: Maja muss Kreißsaal wechseln“ (MAZ, 8. Juni), der auch online erschien, schlägt Wellen in der Kreisstadt. Der Oranienburger Carol Mäcker hatte sich beschwert, dass seine schwangere Frau mit Wehen den Kreißsaal der Klinik Oranienburg nach Berlin wechseln musste, weil keine Hebamme vor Ort war. Die Klink wies alle Vorwürfe zurück. Nun will die diensthabende Ärztin Strafanzeige wegen Verleumdung, Bedrohung und Beleidigung gegen Mäcker stellen.

Sie schildert die Ereignisse so: „Familie Mäcker wurde bereits in der Morgenvisite um 9 Uhr mitgeteilt, dass der Kreißsaal abends aufgrund von Personalmangel geschlossen sein würde und bei zunehmender Wehentätigkeit die Verlegung anstünde. Gegen 15 Uhr stellte ich mich als diensthabende Ärztin erstmalig der Familie vor und erklärte, dass nun bei Zunahme der Wehen die Verlegung anstünde. Dies führte zu erstmaligen verbalen Attacken von Herrn Mäcker gegen mich.“

Die Ärztin berichtet der MAZ, dass nach vergeblichen Versuchen in zwei Berliner Kliniken die Verlegung ins Humboldt-Krankenhaus am Nordgraben in Berlin festgelegt worden wäre. Sie hätte dort mit der diensthabenden Ärztin telefoniert. Die Kollegin habe sich die Personalien und die Krankengeschichte der Patientin notiert und in Rücksprache mit ihrem Oberarzt und den Hebammen der Verlegung zugestimmt. „Familie Mäcker wurde informiert, dass sie im Humboldt-Klinikum in Berlin erwartet würde. Ein Adresszettel wurde der Patientin zusammen mit den Verlegungspapieren ausgehändigt. Ich habe dringend die Verlegung mit dem Rettungswagen angeraten, dies lehnte Herr Mäcker jedoch ab.“ Er hätte die Ärztin im Beisein der Hebamme und Krankenschwestern der Station beschimpft und gedroht, „ich solle mir schon einmal gut seinen Namen merken“. Dann hätte der Mann schreiend mit seiner Frau die Station verlassen.

„Zu keiner Zeit“, so die Ärztin, „war die Familie vor die Tür gesetzt worden, und es war der Familie wohl bekannt, dass sie im Humboldt-Klinikum erwartet wird. Zudem wussten sie, dass eine Verlegung im Rettungswagen dringend empfohlen worden war. Ich verwehre mich entschieden gegen die Darstellung von Herrn Mäcker.“

Beitrag der MAZ vom 8. Juni „“In den Wehen, keine Hebamme: Maja muss Kreißsaal wechseln“:

Liam bekam gestern Nachmittag noch einen dicken Kuss vom Papa. Danach ging es endlich nach Hause. Ende gut, alles gut – könnte man sagen und die letzten Tage vergessen. Doch so einfach geht das nicht. Maja und Carol Mäcker sind seit dem frühen Morgen des Pfingstmontags Eltern eines gesunden Jungen. Doch die dramatischen Umstände der Geburt werden beide wohl immer im Kopf haben.

Das Kind sollte eigentlich in der Klinik Oranienburg zur Welt kommen. Denn Carol Mäcker ist Oranienburger, lebt mit seiner Frau aber in Berlin. Doch für ihn kam nur die heimische Klinik in Frage.

Weil es sich aus seiner Sicht um eine Risikoschwangerschaft handelte – seine Frau nimmt Cortison und Betablocker – meldete er sicherheitshalber ein Familienzimmer in der Klinik Oranienburg an, er wollte bei der Geburt dabei sein. Man versicherte ihm, er brauche sich keine Sorgen zu machen, es seien immer zwei Hebammen da.

Am Pfingstsonntag erschien er mit Maja, die schon alle sechs Minuten Wehen hatte, um sechs Uhr morgens auf der Entbindungsstation der Oranienburger Klinik. Um 11 Uhr kündigte man seiner Frau an, sie müsse verlegt werden, es gäbe „technische Schwierigkeiten“. Erst am Nachmittag im Kreißsaal hieß es dann, die Nacht-Hebamme sei erkrankt und falle aus. Die diensthabende Ärztin teilte mit, sie rufe jetzt in Berliner Kliniken an. Zu diesem Zeitpunkt kamen die Wehen schon alle vier Minuten, berichtet Carol Mäcker. Er war schockiert und machte sich Sorgen um seine Frau und das ungeborene Kind. Die Anrufe der Ärztin hätten ergeben, dass es weder in den Kliniken Berlin-Buch, noch in Spandau Kapazitäten für eine Entbindung gab. Vielleicht im Humboldt-Klinikum Am Nordgraben in Berlin-Tegel, habe die Ärztin gemeint. Sie wolle einen Krankenwagen bestellen.

Den lehnte der aufgebrachte Ehemann aber ab, setzte seine Frau ins eigene Auto und fuhr nach Berlin, um eine Klinik zu suchen. Er stoppte in seiner Not einen Polizeiwagen, der ihn mit Blaulicht begleitete. Nach Absage in der Klinik Tegel wurde Maja Mäcker letztlich im Virchow-Klinikum in Berlin-Wedding aufgenommen.

Die Klinik Oranienburg betont, dass wegen Ausfall der Hebamme eine Verlegung notwendig gewesen sei. Maja sei „zu keiner Minute in Gefahr gewesen, während sie bei uns war“, die Familie „verließ die Klinik gegen ärztliche Empfehlung“. Der Kindesvater dazu: „Das stimmt nicht, man setzte uns vor die Tür. Die Ärztin war unfähig, zeitnah ein anderes Krankenhaus zu organisieren und hat nicht mit offenen Karten gespielt.“

Von MAZonline

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