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Keine Pokémon in Sachsenhausen

Oranienburg Keine Pokémon in Sachsenhausen

Selbst vor der historischen Gedenkstätte in Oranienburg machte das Handyspiel „Pokémon GO“ nicht halt: Nun hat die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten die kleinen Monster erfolgreich vom ehemaligen KZ-Gelände verbannt.

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Pokémon-Jäger sind in der Gedenkstätte Sachsenhausen nicht erwünscht.

Quelle: Foto: Nadim Baker

Oranienburg. Seit 6. Juli wird die Welt von kleinen Monstern aus einer Smartphone-App bevölkert. Spieler rund um den Globus wollen die Pokémon per Handykamera einfangen. Seit drei Wochen sind auch in Oranienburg Monster-Jäger zu beobachten. Das Spiel „Pokémon GO“ wechselt zwischen der echten und der virtuellen Welt. Dabei setzt die App auf den GPS-Sensor des Smartphones, um den Standort des Spielers zu ermitteln und schickt ihn vor die Haustür – denn um möglichst viele der über 100 verschiedenen Pokémon zu fangen, müssen die Spieler diverse Orte aufsuchen.

Viele Schauplätze des Spiels basieren auf Orten in der realen Welt und die Entwickler nutzen weltweit Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen zur Gestaltung der virtuellen Spielwelt von „Pokémon GO“. Dieser Umstand hat in den vergangenen Wochen bundesweit zu Irritationen geführt - auch in Oranienburg. Denn selbst vor der historischen Gedenkstätte Sachsenhausen machte das Spielsystem nicht halt: Auch auf dem ehemaligen KZ-Gelände konnten Spieler die ­Pokémon fangen und bekämpfen.

Virtuelle Monster „geschmack – und würdelos“

Doch virtuelle Internet-Monster passen nicht in ein früheres Konzentrationslager, fanden die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und ihr Geschäftsstellenleiter Günter Morsch; und haben deshalb schnell reagiert. Noch am Erscheinungstag verfasste der Direktor eine Nachricht an die Entwickler, in dem er die Platzierung der Spielinhalte auf seinem Gelände als geschmack- und würdelos verurteilt. Die Suche nach einem Adressaten für das Schreiben erwies jedoch sich als kompliziert, denn das kalifornische Start-Up Niantic benennt in seinem Internetauftritt keinerlei Kontaktpersonen, an die man sich wenden könnte. „Nach Rücksprache mit Kollegen aus der KZ-Gedenkstätte in Auschwitz, die sich mit der gleichen Problematik konfrontiert sahen, konnten wir die Nachricht letztlich einer namentlichen und von dem Unternehmen beschäftigten Person überbringen“, so der Sprecher der Gedenkstätte, Horst Seferens. Daraufhin wurden innerhalb eines Wochenendes sämtliche Spielinhalte im Bereich der Gedenkstätte kommentarlos gelöscht; auf eine offizielle Stellungnahme wartet die Stiftung bis heute.

Katholische Kirche schaltet Anwalt ein

Sachsenhausen ist bundesweit nur einer von vielen Fällen, in denen sich „Pokémon GO“ in sensible Bereiche der Gesellschaft drängt. Die katholische Kirche hat einen Anwalt eingeschaltet, um zu verhindern, dass der Kölner Dom als virtuelle Pokémon-Arena genutzt wird. Auch das Bundesverteidigungsministerium befindet sich mit den Produzenten im Gespräch. Perspektivisch ist von den Betreibern bislang nicht zu erwarten, dass Spielinhalte an ungeeigneten Orten unaufgefordert gelöscht werden.

Von Nadim Baker

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