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Keine Rettung für Karlchen
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Fürstenberger Kater stirbt nach Angriff eines Schwans Keine Rettung für Karlchen

Tagelang liegt Kater Karlchen schwer verletzt am Seeufer in Fürstenberg (Oberhavel). Er stirbt, weil  ihm niemand hilft - obwohl das Tierschutzgesetz dazu verpflichtet. Karlchens trauerndes Herrchen schreibt nun einen rührenden Abschiedsbrief.

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Nachdem ein Schan ihn attackierte, starb Kater Karlchen, dessen Fell pechschwarz war wie bei diesem Tier.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Fürstenberg. Kater Karlchen hatte es gut getroffen, als sich ein Mann für den im Tierheim Tornow lebenden Vierbeiner interessierte. Schließlich hatte er schon einige Jahre auf dem Katzenbuckel, und außerdem war sein Fell pechschwarz. Gerade auf dem Land sind die Leute oft abergläubisch und trauen einer schwarzen Katze nicht über den Weg. Deshalb waren die Mitarbeiter im Tierheim sehr froh, dass ein netter Fürstenberger Karlchen unbedingt haben wollte. Sie hatten ihn bis dahin „Big Boss“ genannt, aber nun war er eben „Karlchen“ und zog in die Wasserstadt.

Genau dies – das Wasser – wurde dem Kater zum Verhängnis. Denn dort gibt es Vögel, einige davon sogar viel größer als er selbst, zum Beispiel Schwäne. Die sind manchmal recht zahm, lassen sich füttern. Karlchen sahen sie nicht so gern, besonders dann nicht, wenn der Vogelnachwuchs dabei war. So kam es, wie es kommen musste. Der Schwan meinte, die Jungen verteidigen zu müssen und griff den Kater an. Wie sein Herrchen später erfuhr, war Karlchen aber nicht gleich tot. Er lag sehr lange schwer verletzt am Seeufer, konnte sich nicht bewegen. Tagelang wartete sein Halter auf Karlchen und suchte auch nach ihm. Da war Karlchen schon längst tot. Niemand hat dem Kater geholfen.

Vielleicht würde Karlchen noch leben, wenn sein Herrchen die Chance gehabt hätte, ihn schnell zum Tierarzt zu bringen.

Sie waren nicht lange beisammen, der Mann und der schwarze Kater, aber schon sehr gute Freunde geworden. Um seine Trauer um den Gefährten ein wenig zu mildern und die Menschen zu sensibilisieren, hat der Tierfreund einen Brief aus Karlchens Sicht geschrieben. Er schildert die letzten Wochen im Leben des Katers, dem nur sechs Wochen in Familie und Freiheit vergönnt gewesen waren.

„Ich bin das kleine Karlchen und schreibe heute aus dem Katzenhimmel. Ich wurde acht Jahre alt. Trotz guter Manieren und einem freundlichen Wesen habe ich die größte Zeit meines Lebens im Tierheim zugebracht. Daher freute ich mich sehr, als sich vor sechs Wochen ein neues Herrchen für mich interessierte und ich dorthin vermittelt wurde. Es gab eine schöne große Wohnung, frisches Wasser und gutes Essen – und Freigang. Und damit begannen auch die Probleme. Gänse und Schwäne sind eine Herausforderung, der ich nicht widerstehen kann. Mit den Jungen, das ist natürlich nicht so gut, aber es entspricht meiner Natur. Durch den Flügelschlag eines großen Tieres wurde ich schwer verletzt, ich war gelähmt und hing an einem Ast auf dem Boden fest.

Mein Herrchen hörte ich nach Hause kommen, ich hörte die Futterdose rappeln und freute mich auf mein Essen. Doch konnte ich mich ja nicht bewegen. Auch mein Herrchen ahnte nichts davon, dass ich nur 20 Meter entfernt auf dem Boden kauerte. In dieser kalten Nacht starb ich. Mein Todeskampf dauerte ganz schön lange. Woran ich mich noch erinnern kann, ist, dass Passanten und Anwohner mich sahen, aber nicht halfen oder bei Nachbarn klingelten, um zu erfahren, zu wem ich gehöre. Am Morgengrauen plumpste ich dann noch ins Wasser und wurde fortgetrieben, was ich besonders würdelos fand. Jetzt treibe ich irgendwo im Röblinsee, mein Herrchen konnte mich noch nicht mal beerdigen. Mein Wunsch an die Zweibeiner ist: Wenn Sie ein Haustier sehen, das sich nicht mehr bewegen kann, fragen Sie in der Nachbarschaft, wohin es gehört, lassen Sie es nicht einfach liegen. Und vielleicht ist auch das Füttern der Schwäne und Gänse nicht so gut. So betrug meine Lebenszeit nach den Jahren im Tierheim nur sechs Wochen. Eine schöne Zeit, von der ich aber gerne mehr gehabt hätte. Euer Karlchen“.

Auf der Homepage des Tierschutzvereins ist dieser Brief auch zu lesen – mit einer Anmerkung, denn die 1. Vorsitzende des Vereins, Ellen Schütze, hat unter anderem den rechtlichen Hintergrund dieser traurigen Geschichte beleuchtet. „Es ist für uns hier nicht nachvollziehbar, dass es nach wie vor Menschen gibt, die meinen, sich um ein verletztes Tier nicht kümmern zu müssen. Zum einen ist man aus ethischen und moralischen Gründen dazu verpflichtet und zum anderen auch nach den gesetzlichen Bestimmungen. Das gilt im Übrigen auch für Autofahrer, die ein Tier an- oder überfahren haben und dann einfach weiterrollen. Das ist nicht nur Unfallflucht, sondern auch ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.“ Ellen Schütze ruft alle Tierfreunde dazu auf, in solchen Fällen die Autokennzeichen zu notieren und die Vorfälle bei der Polizei zur Anzeige zu. (Von Anke Dworek)

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