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Keine aussichtslosen Ziele

Anke Domscheit-Berg las in Fürstenberg aus "Mauern einreißen!" Keine aussichtslosen Ziele

Die Autorin Anke Domscheit-Berg, überzeugte Fürstenbergerin seit drei Jahren ("die bisher glücklichsten meines Lebens"), las am Sonntag in der "Alten Reederei" in Fürstenberg aus ihrem Buch "Mauern einreißen! Weil ich glaube, dass wir die Welt verändern können".

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Anke Domscheit ließt aus ihrem Buch "Mauern einreißen! Weil ich glaube, dass wir die Welt verändern können".

Quelle: Anke Dworek

Fürstenberg. Anke Domscheits Buch "Mauern einreißen! Weil ich glaube, dass wir die Welt verändern können" sei von allem ein bisschen: Autobiografie, Manifest, Weiberbuch. Das Interesse an ihr und ihren Ansichten war so groß, dass Gastgeber Michael Wittke für mehr Stühle sorgen musste.

Geschrieben hat die Vorsitzende der Brandenburger Piraten das Buch während der monatelangen Bahnstreckensperrung 2012/13. Dadurch war ihre Mobilität eingeschränkt, aber andererseits hatte sie nun Muße, sich dem Schreiben zu widmen.

Anke Domscheit-Berg ist in ihrem Leben schon an viele Mauern gestoßen. In der DDR geboren, teilte sie mit 16 Millionen Menschen das Schicksal, eingesperrt zu sein. Am 11.11.1989 stand sie mit ihrer Mutter auf der Mauer hinter dem Brandenburger Tor. "Die Erinnerung an diesen Abend kann ich inzwischen jederzeit wiederbeleben. Ich brauche diese Erinnerung als Energiequelle, wenn ich scheinbar aussichtslose Ziele verfolge. Es ist das Kostbarste, was ich aus der Zeit der DDR mitgenommen habe: die Erkenntnis, dass es aussichtslose Ziele nicht gibt", heißt es im Kapitel "Die erste Mauer fällt".

Eine andere Mauer ist die "gläserne Decke". Eine unsichtbare Barriere, die Frauen auf ihren Karrierewegen behindert. Anke Domscheit-Berg hat Karriere gemacht, unter anderem bei Microsoft Deutschland. "Es war ein hartes Brot in den Großunternehmen, besonders für eine alleinerziehende Mutter. Für mich endete das mit Burn-out", sagt sie. In dieser Zeit hat sie auch erfahren, dass uralte Stereotype im 21. Jahrhundert noch sehr gegenwärtig sind. "Erfolgreiche Frauen machen Männern regelrecht Angst. Weibliche Singles auf Partnersuche reden ihren beruflichen Status klein, damit es nicht beim ersten Date bleibt. Ehefrauen, die mehr als ihr Mann verdienen, tricksen mit dem Geld, damit der Gatte ja keine Minderwertigkeitskomplexe bekommt. Ich habe etliche solcher Fälle erlebt", erzählte sie den Zuhörern.

Wirkliche Geschlechtergerechtigkeit gab es weder in der DDR noch in der früheren BRD, und auch im wiedervereinigten Deutschland existiert nach wie vor eine massive Ungleichbehandlung. Anke Domscheit-Berg findet dennoch, dass die DDR weiter gewesen sei in puncto Gleichberechtigung. Gudrun Lomas aus Klein-Mutz merkte an, dass dies ökonomisch bedingt gewesen sei. Die DDR habe es sich einfach nicht leisten können, auf die Arbeitskraft der Frauen zu verzichten, und die Familien wären mit nur einem Verdiener nicht zurechtgekommen. Eine positive Folge der Berufstätigkeit der Ostfrauen - da waren sich beide einig - ist das Selbstbewusstsein, das sie daraus entwickelten.

Breiten Raum nimmt im Buch die Frage der Gewaltenteilung ein. Anke Domscheit-Berg stellt sich Demokratie anders vor als das, was sie täglich erlebt. Ein aktuelles Beispiel ist das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP), das ohne demokratische Kontrolle verhandelt wird. Dass der Öffentlichkeit Teile der Positionspapiere der EU und der deutschen Verhandlungsführer bekannt wurden, ist Menschen mit Rückgrat zu verdanken, die diese Informationen ins Internet gestellt hatten. Wenn das TTIP unterzeichnet wird, können beispielsweise Umwelt- und Gesundheitsstandards in den einzelnen Mitgliedsstaaten untergraben werden. "Es gibt noch ein Möglichkeitsfenster, dies zu verhindern", sagte Daniel Domscheit-Berg. Massive internationale Proteste seien notwendig.

Vom Großen zum Kleinen: Die Lesung endete mit einer spontanen Unterstützung der für den 7. Mai um 18 Uhr geplanten Demo im Rheinsberger Ortsteil Linow. Dort fordern die Menschen den Bau einer neuen Ortsdurchfahrt. Die Fürstenberger Bürgerinitiative "B96 raus!" stellt sich an ihre Seite.

Von Anke Dworek

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