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Keiner will mehr Tischler werden

Innung mit Nachwuchssorgen Keiner will mehr Tischler werden

Die Auftragsbücher der Firmen in Oberhavel sind gut gefüllt, es fehlt an Tischlern. Das macht der Innung Sorgen. Es fehlt an Azubis, die den Beruf lieben und ausfüllen. Zur Gesellenprüfung am Sonnabend in Kremmen traten nur 13 Lehrlinge an, einige von ihnen kamen aus der Prignitz.

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Die drei Mitglieder des Prüfungsausschusses (l.) nahmen die Gesellenstücke fünf Stunden akribisch unter die Lupe. Danach hieß es: Alle haben bestanden.

Quelle: Björn Bethe

Kremmen. Was die Zahl der Lehrlinge angeht, ist die Talsohle in der Tischlerbranche wohl erreicht. Ganze 13 stellten sich am vergangenen Sonnabend in der Kremmener Musikantenscheune mit ihren Gesellenstücken den kritischen Blicken der Prüfungskommission. Neben den Azubis aus dem heimischen Oberhavel waren auch die aus der Prignitz und der Ostprignitz vor Ort. Der dortige Gesellenprüfungsausschuss hat sich aufgelöst, begründete der Obermeister der Tischler-Innung Oberhavel, Norbert Fischer.

Alleine in Oberhavel, so Fischer weiter, gibt es 84 Tischlerei-Betriebe. Im genannten Nachbarkreis sind es nicht ganz so viele. Dass dennoch für diesen Ausbildungsjahrgang nur so wenige Azubis ihre Lehre beenden, liege zum einen am demografischen Wandel, zum anderen auch am Mangel an geeigneten Bewerbern. „Bei uns gibt es einen Fachkräftemangel. Viele Unternehmen suchen Gesellen und wollen auch ausbilden“, skizziert Fischer die Situation seines Handwerks.

Und dem droht noch ein weiterer Tiefschlag in Sachen Ausbildung. Denn der Bereich des Hennigsdorfer Oberstufenzentrums, in dem bisher der berufsschulische Teil der Ausbildung erfolgt, soll nach dem Willen des Potsdamer Bildungsministeriums geschlossen werden _ wegen zu geringer Schülerzahlen. „Wir wissen momentan nicht einmal, wo die Azubis des am 1. August beginnenden neuen Ausbildungsjahrgangs ihre Berufsschule absolvieren“, klagt Fischer. Potsdam habe die Vorstellung, dass sie die Berufsschule in Neuruppin besuchen sollten. Aufgrund der Entfernung plädieren etliche Oberhaveler Tischlermeister jedoch dafür, ihren jeweiligen Nachwuchs in die Einrichtung nach Berlin-Weißensee zu schicken. Die Folge wäre ziemlich sicher diese: „Dann wird in absehbarer Zeit auch Neuruppin mit derselben Begründung geschlossen. Die sehen in Potsdam nur die momentanen Zahlen“. Das Nachwuchs-Problem würde sich weiter verschärfen.

Und das in einer Branche, die wenig klagen kann. „Die Auftragsbücher der Tischler sind voll“, bestätigt Marina Seidel vom OSZ Hennigsdorf, dort (noch) zuständig für die schulische Ausbildung der angehenden Tischler-Gesellen. Einen Job in der Region zu finden sei fast kein Problem, bestätigt Fischer. Zumal ihm der Sonnabend auch Hoffnung für die Zukunft macht. „Hier finden sich einige sehr gute Arbeiten“, lobte der Obermeister mit Blick auf die fein säuberlich aufgestellten Gesellenstücke. Daran sei auch zu sehen, dass die Betriebe und ihre Meister das Thema Ausbildung sehr ernst nehmen und den Nachwuchs fördern. Und vor allem für sich selbst ausbilden. Die meisten der am Sonnabend frisch gebackenen Gesellen _ alle 13 bestanden den praktischen Prüfungsteil _ bleiben in ihren Ausbildungsbetrieben.

Von Björn Bethe

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