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Oberhavel Kevin und Isabelle: Rausschmiss zur Frostnacht
Lokales Oberhavel Kevin und Isabelle: Rausschmiss zur Frostnacht
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18:59 26.02.2018
20.20 Uhr am Donnerstag: Isabelle und Kevin verlassen den Bungalow. Quelle: Helge Treichel
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Borgsdorf

Ein Schock am Abend für Isabelle (18) und Kevin (22): Das wohnungslose Paar, das seit September in einer Notunterkunft in Borgsdorf untergebracht war (MAZ berichtete), wurde am Donnerstag vor die Tür gesetzt. Gegen 18 Uhr eröffnete ihnen der Betreiber des Motels, dass sie ihren Bungalow verlassen müssen – noch am selben Tag! Keine Rücksicht auf die Uhrzeit und die erwarteten Minusgrade.

Hintergrund für diese Reaktion ist offenbar, dass eine Unterschrift für die Kostenübernahme fehlte. Wie gewohnt hatten die beiden im Hohen Neuendorfer Rathaus am Donnerstag zwar die Einweisung bekommen – die Unterschrift für die Kostenübernahme sollte aber auf dem Postweg folgen, weil der zuständige Kollege nicht erreichbar war. Die Bestätigung der Kostenübernahme auf dem Postweg sei bisher in diesem Fall zwar anders gehandhabt worden, aber ein durchaus übliches Verfahren, erläuterte Ariane Fäscher, Fachbereichsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit. „Es gibt keine Verweigerung der Stadt“, so die Sprecherin am Freitagvormittag: „Das war eine unglückliche Verkettung von Umständen.“ Die Stadtverwaltung sei vielmehr bemüht, den beiden über ihre gesetzliche Verpflichtung hinaus Hilfestellung zu geben. Insbesondere Streetworker Andreas Witt engagiere sich, um das Leben der beiden wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Dass Isabelle und Kevin vor die Tür gesetzt wurden, bedauerte Ariane Fäscher im Namen der Stadt außerordentlich.

Die unterschriebene Bescheinigung hatten die Betroffenen bisher immer dem Betreiber vorgelegt, weil die Stadt damit die Zahlungen für die jeweils nächsten zwei Wochen bestätigt hatte. Die letzte gültige Bescheinigung aber lief am 22. Februar aus.

In der speziellen Situation seien sie an Janette Budtke und den Verein Charity Banditen verwiesen worden, sagt Kevin R. Die ehrenamtliche Helferin habe doch gute Verbindungen, habe es geheißen.

Von jetzt auf gleich wieder Obdachlos: Isabelle und Kevin. Quelle: Privat

Tatsächlich waren die Charity Banditen am Donnerstagabend binnen kurzer Zeit vor Ort. Schließlich mussten sämtliche privaten Dinge und Bekleidungsgegenstände aus dem Bungalow entfernt werden. Zwei private Pkw waren vor Ort, zudem der Kleinbus von Guido Fahrendholz. Die Sachen und zwei Fahrräder wurden weggebracht und behelfsmäßig eingelagert. Zudem bekamen sie Decken und Schlafsäcke. Die Winternacht jedoch müssen die beiden unter freiem Himmel verbringen. „Irgendwo am Briesesee.“ Wo genau, das wollen die beiden aus Sicherheitsgründen nicht verraten.

Später am Abend wird laut Janette Budtke doch noch eine Möglichkeit gefunden, die beiden unterzubringen. Sie müssten die Nacht doch nicht unter freiem Himmel verbringen, sagte sie. Der Betreiber wollte sich am Freitagmorgen auf MAZ-Nachfrage nicht dazu äußern, warum er das Paar vor die Tür gesetzt hat. Stattdessen drückte er seine Überzeugung aus, dass das aktuelle Hautproblem der beiden „auf keinen Fall Krätze“ sei.

Bürgermeister Steffen Apelt hat auf Nachfrage angekündigt, den Sachverhalt aus Sicht der Stadt zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal in schriftlicher Form darzustellen.

Für die ehrenamtlichen Helfer ist der plötzliche Rausschmiss zur Unzeit „aus humanitärer Sicht ein Skandal“. Und eine Retourkutsche. Denn es war am Donnerstag öffentlich kritisiert worden, dass sie sich von einem vorherigen Bewohner ihres Bungalows mit Krätzemilben angesteckt hätten, dass der Befall nicht weitergemeldet worden sei und dass der Zustand des Bungalows die über die Stadt vom Landkreis gezahlte Kostenpauschale von 25 Euro pro Person und Tag nicht Wert sei. Immerhin kämen so rund 1500 Euro pro Monat zusammen, sagt Guido Fahrendholz. Der Kostensatz für eine Wohnung von Leistungsempfängern liege deutlich darunter. Diese prompte Reaktion auf die Kritik am Zustand hatte niemand der Helfer erwartet. Es sei aber niemals darum gegangen, dem Betreiber oder der Stadt zu schaden, beteuert der Journalist aus Borgsdorf.

So, aufgeräumt, jetzt wird abgeschlossen. Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel

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