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Kinderhilfe: Der Hof ist die Therapie

Liebenwalde Kinderhilfe: Der Hof ist die Therapie

In der Hofgemeinschaft Falkenhorst leben 16 Kinder und Jugendliche. Sie haben bisher in ihrem Leben viel Schlimmes erlebt, Das Leben und Arbeiten auf dem Bauernhof des Vereins Christiani soll ihnen helfen, wieder Fuß zu fassen.

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Andrea Schwenkhoff ist die Gärtnerin auf dem Hof, und wie man sieht, hat sie viele Helfer. Die Kinder lernen, wovon man sich ernährt, wie man Gemüse anbaut und wie schön ein Blumenbeet sein kann.

Quelle: Enrico Kugler

Liebenwalde. Falkenhorst – das liegt ganz weit draußen, drei Kilometer hinter Liebenwalde, wo es nur noch Natur, Felder, Wiesen und die alte Hofstelle gibt. Genau solch einen abgeschiedenen Ort hat der Verein Christiani gesucht, als er 1994 eine Wohnstätte schaffen wollte. Und zwar für Kinder und Jugendliche, die keiner mehr haben will. Die in ihren Familien Gewalt erfuhren, vernachlässigt wurden und um sich schlugen, weil keiner sie verstand. Ambulante Angebote und Therapien – das brachte nichts mehr. Auf dem Hof Falkenhorst denkt man anders, der Hof ist die Therapie.

Matthias Völker und Anja Schönborn sind mittlerweile 18 Jahre bei Christiani. Eine lange, lange Zeit. Viele Erfahrungen, viele politische Entscheidungen, die der Jugendhilfe nicht gut getan haben und tun. Und trotzdem sagen die beiden: „Bei uns gibt es keine verlorenen Kinder.“

In der Hofgemeinschaft sollen sie einfach ankommen, die Ruhe spüren, keine Großstadtreize mehr empfangen. Die Kinder kommen aus Großstädten deutschlandweit, sind Schulverweigerer, gewaltbereit, traumatisiert, haben auf der Straße gelebt. „Als erstes müssen sie mal wieder einen Schlaf-Wach-Rhythmus trainieren“, sagt Völker. „Sie müssen lernen, morgens wieder aufzustehen.“ Und sie lernen überhaupt erst mal, in einer Gemeinschaft wie in einer Familie zu leben.

Auf dem Hof gibt es zwei Wohnhäuser. Im „Morgentau“ leben die Jüngeren, sie sind zwischen acht und 14 Jahren alt. Die Größeren, bis 17 Jahre wohnen im „Waldhaus“. Jeweils acht Kinder pro Haus, für die neun pädagogische Betreuer und fünf in den Werkstätten zuständig sind. Der Betreuungsschlüssel hört sich scheinbar gut an, aber wenn man die Kinder kennt, müsste er noch besser sein. „Was uns Sorgen macht“, sagt Anja Schönborn, „die Kinder werden immer jünger.“ Anfangs kamen sie mit 14,15 Jahren auf den Hof. „Heute sind zehn oder zwölf.“ Was sie zuvor erlebten, waren Zwangsmaßnahmen und Medikationen. „Wir merken richtig, wie manche durchatmen, wenn sie zu uns kommen“, sagt Anja Schönborn. Die Tiere auf dem Bauernhof, die familiäre Gemeinschaft, das Gefühl, gebraucht zu werden und etwas nützliches zu tun, das hilft den Kindern. Sie können sich ausprobieren in der Werkstatt, sind für die Tiere verantwortlich, füttern Hühner, Gänse, Schweine und die beiden Esel und pflegen ihr eigenes Beet im Garten. Das ist heilsam für die Bewohner. „Und bei uns dürfen sie weiter Kind sein, das ist wie eine seelische Nachreife“, sagt Matthias Völker.

Was sich so einfach anhört, ist für Betreuer und Betreute oft schwere Arbeit. Für die Heilerziehungspfleger bleibt es nicht immer bei verbalen Attacken.

Doch die Bindung zum Hof hilft den Kindern. Sämtliche Nebenanlagen, Offenställe und Überdachungen werden selbst gebaut. Die erste Schritte dafür lernen die Kinder in der Tischlerwerkstatt. Gerade entsteht ein neuer Sportplatz mit Fußball- und Volleyballfeld. Davor Sitzgelegenheiten, Terrasse und Grillplatz. Alles in Eigenbau.

Mit Obst und Gemüse aus dem Garten versorgen sich die Bewohner nicht nur selbst. Auch andere Einrichtungen des Vereins wie das WIR-Restaurant und der Stadthafen in Liebenwalde werden beliefert. Ebenso mit Fleisch, denn der Hof ist als anerkannter Freilandhalter für Rinder und Schweine zertifiziert.

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In der Hofgemeinschaft Falkenhorst am Rande von Liebenwalde leben 16 Kinder und viele Tiere.

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Wenn es gut läuft, gehen die Falkenhorst-Kinder auch wieder zur Schule. Sie werden zunächst in ganz kleinen Gruppen mit vier bis sechs Kindern in der ehemaligen Oberschule in Liebenwalde von internen Lehrern unterrichtet. Später können sie die Oberschule in Löwenberg besuchen. Der erste Schritt in die Selbstständigkeit sind die Außenwohngruppen, wie die in der Bahnhofstraße in Liebenwalde. Die Jugendlichen , die so ihren Weg für sich gefunden haben, schauen auch später immer wieder mal vorbei in der Hofgemeinschaft.

Christiani in Berlin und Brandenburg

Der freie und gemeinnützige Träger Christiani e.V. Berlin-Brandenburg wurde im Jahr 1994 gegründet. Er betreibt anthroposophisch orientierte Spezialeinrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und des Wohlfahrtswesens. Christiani ist Mitglied im paritätischen Wohlfahrtsverband.

Die Einrichtung Hofgemeinschaft Falkenhorst ist eine vollstationäre Spezialeinrichtung für Kinder und Jugendliche in besonders schwierigen Lebenslagen. Die Bewohner bekommen besondere Angebote, leben auf dem Hof, betreuen Tiere, beschäftigen sich mit Garten- und Tischlerarbeiten.

Im Landkreis Oberhavel betreibt der Verein sechs unterschiedliche Standorte, in denen insgesamt 60 Betreuungsplätze angeboten werden. Das sind die Hofgemeinschaft Falkenhorst, das Familienhaus in Liebenwalde in der Rudolph-Breitscheid-Straße 48, die Außenwohngruppe in der Bahnhofstraße in Liebenwalde, das WIR-Restaurant am Mühlensee in Liebenwalde, den Stadthafen in Liebenwalde und eine Wohngruppe in Zehlendorf.

Der Verein Christiani ist bundesweit tätig. Am 7. Juli wurde in Liebenwalde ein Bundesverband gegründet, der die sechs Träger vereint und die Ressourcen von Christiani bündeln soll. Vorsitzender des Bundesverbandes ist Roland Hennig.

Von Andrea Kathert

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