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Kita-Streik: Warnschuss an Arbeitgeber

ver.di ruft zum Protest auf Kita-Streik: Warnschuss an Arbeitgeber

Ver.di mobilisiert: Etwa 120 Beschäftigte im öffentlichen Dienst nahmen Montag an einer Warnstreik-Demonstration in Oranienburg teil. Mehrere Kitas im Landkreis blieben deshalb geschlossen. Nur wenige Mütter wurden von der geschlossenen Einrichtung ihres Kinder überrascht.

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Familien-Streik: Betroffene auf allen Seiten nahmen an der Demonstration teil.

Quelle: Enrico Kugler

Oberhavel. Es ist Montagmorgen. Pünktlich um neun Uhr steht eine junge Mutter mit ihrem anderthalb jährigen Kind vor der Kita „Kunterbunt“ in Velten-Süd. Es soll der mit Spannung erwartete erste Tag der Eingewöhnung für ihren Nachwuchs in der Krippe sein.

Doch statt freudig von der neuen Erzieherin in Empfang genommen zu werden, steht die junge Mutter vor verschlossenen Türen. Fraglos schaut sie sich um, denn an der Kita-Pforte hängt noch nicht einmal ein Hinweis, dass diese Einrichtung am Montag geschlossen bleibt, weil die Erzieher für ihre Rechte auf die Straße gehen.

Eine junge Mutter stand Montag in Velten-Süd vor den verschlossenen Türen der Kita „Kunterbunt“ – ihr Kind sollte zum Einwöhnungstag

Eine junge Mutter stand Montag in Velten-Süd vor den verschlossenen Türen der Kita „Kunterbunt“ – ihr Kind sollte zum Einwöhnungstag.

Quelle: Ulrike Gawande

Denn die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hat Ernst gemacht. Montag rief sie Angestellte im öffentlichen Dienst zum Warnstreik in Oberhavel auf. Die Forderungen: 6 Prozent mehr Gehalt für alle Beschäftigten in der laufenden Tarifrunde, 100 Euro mehr für Auszubildende und unbefristete Übernahme nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung.

In Oberhavel waren neben der Kindertagesstätte „Kunterbunt“ noch weitere Kitas geschlossen, unter anderem Kita „Zwergenhaus“ in Friedrichsthal und der Hort der Havelschule in Oranienburg; sie blieben den ganzen Tag über geschlossen. „Eigentlich wussten alle Eltern Bescheid, wir haben versucht, jeden am Freitag zu erreichen“, erklärt Dagmar Wäscher, Leiterin der Kita „Kunterbunt“.

Dass die junge Mutter umsonst mit ihrem Kind zur Eingewöhnung gekommen sei, bedauert sie. „Sonst haben wir immer Plakate bekommen, die wir an die Tür hängen konnten, damit wirklich alle über den Streik informiert sind.“ Die Eltern würden aber Verständnis für den Streik zeigen, solange dieser nur einen Tag dauere, so Wäscher. Zwei Erzieher, die nicht streikten, halfen in der Veltener Kita „Kinderland“ aus; sie hatte im Notbetrieb geöffnet.

Bis vors Schloss zogen die Demonstranten

Bis vors Schloss zogen die Demonstranten.

Quelle: Enrico Kugler

Für Erich Mendroch von Ver.di ist die Schließung der Kitas ein Übel, das in Kauf genommen werden muss. „Die Warnstreiks sind alternativlos“, sagt er. „Es muss ein Warnschuss an die Arbeitgeber sein. Wenn wir die Menschen nicht mobilisieren, lehnen sich die Arbeitgeber noch mehr zurück.“

Er erwartet ein deutlich besseres Angebot vom Bund auf den dritten Verhandlungen für den öffentlichen Dienst in Potsdam Ende April. „Der Streikmarsch heute ist ein klares Signal aus Oranienburg.“ Eines für attraktivere Arbeitsbedingungen – auch für den Nachwuchs. „Wir müssen ihm eine Perspektive und Planungssicherheit geben“, so Mendroch. Ver.di-Bezirksgeschäftsführerin Susanne Feldkötter ergänzt: „Wir wollen, dass mehr junge Leute eingestellt werden.“ Für mehr Geld und Nachwuchsförderung ging Enrico Neumann, Fachdienstleiter Umwelt, Planung, Tourismus im Mühlenbecker Land, auf die Straße: „Es ist äußerst wichtig, dass wir vor Ort Flagge zeigen.“

Drei von sieben Kitas in Hennigsdorf am Montag geöffnet

Die Warnstreik-Demonstranten holten in Oranienburg auf ihrem Marsch zum Schlossplatz ferner Mitarbeiter der Kreisverwaltung ab, um mit ihnen gegen „Zwangsteilzeit“ und „sachgrundlose Einstellungen“ mit befristeten Verträgen auf die Straße zu gehen.

In Hennigsdorf hatte der Streik große Auswirkungen; nur drei der sieben städtischen Kitas boten einen uneingeschränkten Betrieb an. Vom Streik betroffen war die Kita „Weltentdecker“. Von den 21 Erzieherinnen hatten sich fünf entschieden, zum Streik nach Oranienburg zu fahren.

Am Freitag hatte die Kita die Eltern per Aushang über die Einschränkungen informiert, die sich daraus am Montag ergaben. „Viele Eltern haben ihre Kinder deshalb heute abgemeldet, da springt dann die Familie bei der Betreuung ein“, erklärt Mathias Wolf, stellvertretender Kitaleiter. Von den rund 140 Mädchen und Jungen waren Montag nur etwa 90 in der Kita. Alles sei ohne Probleme verlaufen, sagt Wolf.

Betroffen vom Streik war auch die Hennigsdorferin Jasmin Jassa Pillgrimm, die ihr Kind am Montag nicht in die Kita „Traumland“ brachte. „Ich bin noch Hausfrau und Mutter und habe deshalb kein Betreuungsproblem“, sagt die junge Frau. Sie hat Verständnis dafür, dass die Erzieherinnen für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gehen. „Die sollten jetzt immer montags streiken“, so Pillgrimm mit Augenzwinkern.

Von Marco Paetzel, Ulrike Gawande und Marco Winkler

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