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Klanggewitter in der Kirche

Oranienburg Klanggewitter in der Kirche

Classic in Church hieß das Konzert in der Oranienburger Nicolaikirche. Der Hennigsdorfer Kammerchor „Leo Wistuba“ und die Deutsche Camerata Berlin traten auf. Veranstalter war das Augenoptik-Fachgeschäft Lux, das sich damit bei seinen Kunden bedankte. Denn Lux ist mit dem Titel Top 100 Optiker Deutschlands ausgezeichnet worden.

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Der Leo-Wistuba-Chor aus Hennigsdorf begeisterte die Besucher mit ungewöhnlichen Coverversionen.

Quelle: Fritz H. Köser

Oranienburg. Die White Stripes, mal ganz handzahm? Na klar, das geht. Zumindest an diesem Abend, in der Oranienburger Nicolaikirche. Aus dem Off ertönt das brachiale „Seven Nation Army“, der Song, mit dem das Rock-Duo aus Detroit vor über zehn Jahren für Furore sorgte, als gemütlich-entspannte Swing- Melodie.

Diese ungewöhnliche Coverversion ist eine hervorragende Einstimmung auf den Abend, denn es sollen auch musikalische Grenzen überschritten werden. Heraus aus den Schubladen, in denen Musik und Interpreten hierzulande immer so gerne gesteckt werden. Auch, wenn das Motto des Abends „Classic in Church“ heißt. Moderiert von Sven Metzke und veranstaltet vom Oranienburger Fachgeschäft Augenoptik Lux. „Ein Dankeschön an unsere Kunden“, sagt Geschäftsführer Steffen Hennes. Schließlich war Lux im Februar 2016 zu den Top 100 Augenoptikern Deutschlands ausgezeichnet worden.

Ganz klassisch-konventionell gab sich zumindest der Kammerchor Leo Wistuba unter der Leitung von Andreas Wiedermann aus Hennigsdorf. Aus stimmgewaltigen Kehlen erschallen Lieder von Sebastian Bach oder Melchior Franck. Dann entführen die Sänger sogar ins Theater, in den Faust von Goethe. Nach einem kurzen Dialog wird endlich wieder jubiliert. Robert Schumann, „Der König von Thule“.

Das Ensemble Deutsche Camerata Berlin, mit dem das Konzert beginnt, geht völlig andere musikalische Wege. Doch zunächst müssen die Musiker auf der Bühne des randvollen Gotteshauses etwas warten. Dirigent Dirk Wucherpfennig wird schon etwas unruhig. Wo bleibt er denn bloß der Cellist? Ohne den geht heute gar nichts, um ihn dreht sich alles. Und schon eilt, unter Applaus, David Drost herbei. Das Schlagzeug grollt, Hörner schmettern, Solist David Drost sorgt mit den warmen Tönen seines Streichinstruments dafür, dass das jähe Klanggewitter ebenso abrupt wieder abflaut. Ein akustischer Genuss, kurzweilig, mitreißend, temperamentvoll, vor allem vielfältig. Melodien, mal getragen, mal experimentell, mal beschwingt, mal sanft. Manchmal glaubt man, geheimnisvoll-orientalische Klänge zu vernehmen, manchmal wähnt man sich dank fröhlicher Blasmusik ganz zünftig-volkstümlich im Bierzelt auf dem Oktoberfest. Friedrich Gulda habe, so der Dirigent, Jazz mit Klassik kombiniert. Dem Komponisten und Pianisten aus Österreich wurde es irgendwann zu bunt mit den alten Meistern und den konservativen, stocksteifen Zuhörern. Wie anders ging es doch in den Jazzkellern zu. Dort tobte das Publikum regelrecht.

Gulda ermuntert in Sachen Musik einfach zu mehr Lockerheit, so berichtet Dirigent Wucherpfennig, und bringt ein Zitat: „Ich möchte nicht witzig sein, aber mit Humor genommen werden.“

Von Fritz Hermann Köser

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