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Klatschmohn gegen das Vergessen

Mühlenbeck Klatschmohn gegen das Vergessen

Bürger, Politiker und Soldaten hatten sich am Sonnabend auf dem Friedhof in Mühlenbeck versammelt und gedachten der Millionen Toten zweier Weltkriege. Auch junge Leute waren anwesend. „Das Gedenken bleibt einfach wichtig“, sagte Lena Rohde (15) aus Birkenwerder, die mit Schwester und Vater nach Mühlenbeck gekommen war.

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Die diesjährige Gedenkfeier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge fand am Sonnabend in Mühlenbeck statt.

Quelle: Robert Roeske

Mühlenbeck. Kennen Sie die Blume des Jahres 2017? Mit dieser Frage beginnt Martin Beyer seine Rede. Ein recht ungewöhnlicher Einstieg für eine Ansprache anlässlich des Volkstrauertags, wie der Vizepräsident des Oberhaveler Kreistags selber einräumt.

Er nennt sogleich die Antwort. Klatschmohn. Und der habe mit dem Anlass sehr viel zu tun, kommt er doch in einem Gedicht vor, mit dem ein kanadischer Offizier den Tod eines kurz zuvor gefallenen Freundes zu verarbeiten versucht. 1915, in Flandern.

Viele Opfer, zum Teil unbekannt, namenlos, liegen auch auf dem Mühlenbecker Friedhof. An sie erinnern Steinplatten auf der Erde. An dieser Stelle gedachten, bei Sonnenschein und frostigen Temperaturen am Sonnabend Bürger, Politiker und Angehörige der Bundeswehr der Millionen Toten zweier Weltkriege. Auch junge Leute waren anwesend. „Das Gedenken bleibt einfach wichtig“, sagte Lena Rohde (15) aus Birkenwerder, die mit Schwester und Vater gekommen war. Hitlers Taktik im Zweiten Weltkrieg, dieses Thema werde gerade im Schulunterricht behandelt. Man müsse sich mit der Geschichte auseinandersetzen und aus ihr lernen, „damit sich so etwas ja nicht wiederholt“, meinte Lena.

Nur wenige junge Leute wüssten über diesen Tag Bescheid, findet Nadim Baker aus Schildow. Der 24-Jährige ist Mitglied der Gemeindevertretung Mühlenbecker Land, und hielt ebenfalls eine kurze Ansprache. Man hatte ihn gefragt. „So musste ich mich erst mal über diesen Tag genau informieren“, sagte er. Alexander Thadday aus Klein Machnow weiß ebenfalls, worum es geht, obwohl er gerade mal neun Jahre alt ist. Er habe mit seinem Vater darüber gesprochen, erklärte er.

Organisiert hatte die Veranstaltung der Kreisverband des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), zusammen mit dem Landkreis Oberhavel, der Gemeinde Mühlenbecker Land sowie der Bundeswehr. „Dieser Tag soll verbinden, die Parteipolitik bleibt außen vor“, versicherte Michael Ney. Für den Kreisvorsitzenden des VDK hat der Tag immense Bedeutung. Wie ein Volk mit seinen Kriegstoten umgeht, sage etwas über dessen moralischen Niveau aus, findet er. Er zitierte Abraham Lincoln. Am Krieg gibt es nichts Gutes, vom Ende abgesehen, habe der legendäre einstige Präsident der Vereinigten Staaten befunden. Puren Pazifismus lehnt Michael Ney dennoch ab. Man muss den Aggressoren in den Arm fallen, sagte er. Darum müsse auch die Bundeswehr zu diesem Anlass präsent sein, auch wenn sich manche daran stören. Als „Parlamentsarmee“ gehöre sie einfach dazu.

Das Gedenken, die Versöhnung über den Gräbern, sei gerade in den heutigen Zeiten notwendiger denn je, findet auch Martin Beyer. Er warnt vor populistischen Rattenfängern, vor negativen Triebkräften wie nationale Egoismen und ideologischer Verblendung. Sie könnten Europa, dieses einzigartige Friedensprojekt, gefährden. „Hätte es die EU schon 1915 gegeben“, so Martin Beyer, „wäre uns viel erspart geblieben“.

Von Fritz Hermann Köser

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