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Oberhavel Kleckse für den Querdenker
Lokales Oberhavel Kleckse für den Querdenker
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17:06 24.03.2017
Erklärten Landrat Ludger Weskamp wie es geht mit dem Klecksen: Schüler der siebenten Klassen am Runge. Quelle: Foto: Robert Roeske
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Oranienburg

Jeder Schüler hat etwas anderes in seinem Kunstwerk gesehen: eine Raupe, einen Hundekopf, Vulkan, Kleeblatt, Kiwi oder Tröpfelmonster: „Bilder, die sich selber malen“, hatte Friedlieb Ferdinand Runge seine „Professorenkleckse“ genannt. Die Schüler der siebten Klassen des nach ihm benannten Gymnasiums haben es ihm nachgetan. Zusammen mit Infotafeln des Kreismuseums über den großen Sohn der Stadt ist daraus eine Wanderausstellung anlässlich des 150. Todestages entstanden, die am Freitagnachmittag am Runge-Gymnasium eröffnet worden ist.

Henriette Schöne und Livia Kriele erzählen begeistert, wie es geht mit den „Klecksen“: Man nehme saugfähiges Filterpapier, auf einen Holzrahmen gespannt, tropfe darauf verschiedene Lösungen, vermengt mit Lebensmittelfarben, an immer die gleiche Stelle und schaue zu, was passiert. „Abhängig von der Größe und der Masse der Teilchen breitet sich die Farbe aus, zudem gibt es Reaktionen zwischen ihnen. Träger ist Natriumchloridlösung, das saugfähige Papier ist mit Kupfersulfat getränkt, erklärt Chemielehrerin Doreen Knispel. Der Vater der Kleckse, Professor Friedlieb Ferdinand Runge, hatte auf diese Weise nicht nur ausprobiert, wie Chemikalien reagieren, sondern die Kreationen auch unter ästhetischem Blickwinkel gesehen – es entstanden bunte Kunstwerke, die man bei exakter Abfolge der Tropferei immer neu entstehen lassen kann.

Die Schüler ehrten bei der gestrigen Expositionseröffnung den Namensgeber mit Musik von Bach und lasen aus Schriften zum Beispiel über Runges folgenreiche Begegnung mit Goethe. Der gab dem Forscher ein paar Kaffeebohnen aus Griechenland mit, damit er sie analysiere. Der Chemiker entdeckt das Koffein – ohne dessen Wirkung wohl heute auch kaum ein Schüler mehr auskomme, frotzelte der amtierende Schulleiter Henry Krüger.

Doch Runge gilt auch als Erfinder von Stearin- und Paraffinkerzen, er ist der Entdecker des Anilins und Phenols im Steinkohleteer, er stellte Weine und Limonaden her. Legendär sind seine Tipps für die Hausfrau: Zum Beispiel wie man Salzheringe richtig einlegt, die Wäsche aufhängt, ohne überall Klammerabdrücke in der Wäsche zu haben oder wie man richtig Fenster putzt. Pingelig sei er gewesen, lebte aber zugleich in einem wahren Junggesellenhaushalt. Mit seinen lange Haaren und nach Teer riechend galt der Querdenker als Kauz und Außenseiter unter seinen Mitmenschen. Seine wissenschaftlichen Leistungen fanden erst viel später Anerkennung. Ab April können Schulen die Wanderausstellung anfordern und mit dem Museum „Professorenkleckse“ zaubern.

Von Heike Bergt

Inken Petermann aus Kremmen malt seit gut 20 Jahren. Am liebsten Landschaften, Blumen oder andere Impressionen. Im Sommerfelder Hotel ist ein Kranich-Motiv von ihr zu sehen. Das Hobby ist ihr Ausgleich zum Arbeitsalltag, erzählt sie. Ausstellungen hat sie auch schon durchgeführt.

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