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Kleines Chaos vor der Bombenentschärfung

Oranienburg am 3. August 2016 Kleines Chaos vor der Bombenentschärfung

Besonders am S-Bahnhof Lehnitz herrscht am Mittwochmorgen ein wenig Durcheinander. Die Asylbewerberfamilien haben zwar ihr Unterkünfte im Sperrkreis verlassen, aber weiter wissen sie nicht. Ein zweiter Bus wird geordert. Und alle kommen wohlbehalten auf dem Oberhavel Bauernmarkt an. Sonst geht es recht routiniert zu – mehr oder weniger.

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Am S-Bahnhof Lehnitz warten viele Asylbewerber. Der erste Bus ist voll. Ein zweiter Bus muss nachgeordert werden, damit die Menschen dort wegkommen.

Quelle: : Andrea Katert

Oranienburg/Lehnitz.
Bombenentschärfung am Mittwoch: Bis 8 Uhr soll eigentlich der Sperrkreis, der auch große Teile von Lehnitz betrifft, geräumt sein. Doch daraus wird nichts, der Zeitplan geht nicht auf. Niemand hatte offenbar daran gedacht, die Menschen im Asylbewerberheim besser zu informieren . In Scharen verlassen sie zwar ihre Unterkünfte, doch dann stehen sie orientierungslos auf dem S-Bahnhof.

Um 7 Uhr ist die Menschentraube schon groß. Niemand weiß so richtig, was nun passieren soll. Ein Großteil der Asylbewerber steht auf dem Bahnsteig und nimmt die nächst beste Bahn. Die Menschen vor dem Bahnhof haben von einem Bus gehört. Wann und wohin der fahren soll, weiß keiner. Die Leute sehen hilflos aus.

Das Ehepaar Berger macht sich auf in die Weiße Stadt, wo der Sohn wohnt

Das Ehepaar Berger macht sich auf in die Weiße Stadt, wo der Sohn wohnt.

Quelle: Kathert

Die Sache mit dem Shuttle-Bus klappt nicht ganz so reibungslos. An der ersten Haltestelle an der Friedrich-Wolf-Straße/Ecke Breitscheidstraße steht eine ältere Dame mit Krücken. „Ich hab es erst gestern Abend von meinen Nachbarn gehört“, sag sie. 7.25 Uhr soll der OVG-Bus fahren. Erst 20 Minuten später kommt er. „Mann, die haben mir nicht gesagt, dass die Brücke gesperrt ist, ich musste noch mal durch die ganze Stadt fahren“, schimpft der Busfahrer.

Die ältere Dame mit den Krücken ist der erste Fahrgast

Die ältere Dame mit den Krücken ist der erste Fahrgast. Am S-Bahnhof erwartet den Busfahrer eine Menschenmenge.

Quelle: Kathert

Am S-Bahnhof bekommt er große Augen. „Keine Ahnung wie die Menschen alle hier weg kommen.“ Der Busfahrer telefoniert. Ein zweiter Bus muss her. Inzwischen ist Polizeihauptkommissar Jürgen Collin vor Ort und regelt die Sache mit. Es ist kurz nach halb Neun, als der zweite Bus kommt. Kinderwagen, Babys, Mütter und junge Männer _ alle passen irgendwie rein. Draußen steht nur noch Martin ­Erett mit seinem E-Rollstuhl. „Ich dachte, ich kriege noch eine S-Bahn“, sagt der Rentner aus dem Havelkorso. Doch der S-Bahnbetrieb ist längst eingestellt. Der Polizeihauptkommissar greift wieder zu seinem Handy und ordert einen Krankentransport. Zwischendurch teilt er seinen Kollegen mit, wo noch Leute im Sperrkreis sind. „Das kommt immer wieder vor.“ Um 9 Uhr wird Martin Erett abgeholt.

Martin Erett hatte gehofft, noch eine S-Bahn zu schaffen

Martin Erett hatte gehofft, noch eine S-Bahn zu schaffen. Aber die S-Bahnen fuhren nicht mehr. Der Rentner wurde mit einem Krankentrasport abgeholt.

Quelle: Kathert

Das Beste aus der Evakuierung haben die Ferienkinder des Eltern-Kind-Treffs gemacht. Der EKT liegt im Sperrkreis. Die Kinder sind kurzerhand ins Bürgerzentrum gezogen. „Das wollten wir heute einfach nicht ausfallen lassen“, sagt Martina Dorn.

Die Kinder aus dem EKT feiern im Bürgerzentrum

Die Kinder aus dem EKT feiern im Bürgerzentrum.

Quelle: Kathert

30 Hortkinder aus Friedrichsthal hatten sich angemeldet und noch andere. „Wir feiern Geburtstag wie Kinder in anderen Ländern.“ Also nichts mit deutschen Wohlstandgeburtstag. Statt Torte und MC Donalds gibt es Brot mit Kürbis, Kekse und Tee. Die Stimmung ist großartig.

Auf dem Oberhavel Bauernmarkt lässt es sich auch aushalten. Etwa 250 Evakuierte sind eingetroffen. Auf der Tenne sitzen eher die älteren Herrschaften, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Die vier Kita-Erzieherinnen aus Lehnitz kümmern sich rührend um die alten Leute.

Die Kita-Erzieherinnen aus Lehnitz kümmern sich in Schmachtenhagen um die Evakuierten

Die Kita-Erzieherinnen aus Lehnitz kümmern sich in Schmachtenhagen um die Evakuierten.

Quelle: Kathert

Die Asylbewerber machen es sich draußen gemütlich. Die Spielanlagen auf dem Bauernmarkt sind ein Paradies für die Kinder. Für sie ist der Tag bis jetzt in Ordnung.

Auf den S-Bahnhöfen läuft am mittag auch noch alles reibungslos. In Oranienburg, Borgsdorf und Birkenwerder rollen die Schienenersatzbusse im 20-Minuten-Takt. „Nö, bis jetzt gibt es keine Probleme“, sagt der Bahn-Mitarbeiter am Bahnhof in Birkenwerder.

An den Absperrungen ist Warten angesagt. Am Mittag sind es nur noch Ortsunkundige, die die Polizisten nach dem Weg fragen. Auch für die Kollegen der Wasserschutzpolizei gibt es nicht viel zu tun. „Es gab nur viele Anrufe von Urlaubern, die noch oben wollten“, sagt der Diensthabende. Die Berufsschifffahrt war schon seit Dienstag informiert, das auf dem Lehnitzsee kein Durchkommen ist.

Auf dem Lehnitzsee warten die Schubverbände

Auf dem Lehnitzsee warten die Schubverbände.

Quelle: Kathert

Mit drei Booten wird die Havel, der See und die Oder-Havel-Wasserstraße abgesperrt. Kurz hinter der Schleuse warten etliche Schubverbände.

Um 14.59 Uhr hat das Warten ein Ende. Die Bombe ist entschärft, um 15.30 Uhr ertönen die Sirenen.

Von Andrea Kathert

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