Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / 0 ° Schneefall

Navigation:
Kleingärten müssen Wohnungsbau weichen

Oberhavel Kleingärten müssen Wohnungsbau weichen

Der Verband der Garten- und Siedlerfreunde Oberhavel (VGS) schlägt Alarm, weil in den vergangenen Jahren zunehmend Kleingartenanlagen für Wohnungsbauprojekte aufgegeben werden. In Glienicke und Schildow ist es bereits passiert, in Hohen Neuendorf droht das. Der VGS-Kreisverband schlägt ein Kleingarten-Entwicklungskonzept für Oberhavel vor.

Voriger Artikel
Engere Zusammenarbeit mit Partnern in Polen
Nächster Artikel
Schreie aus dem Keller

Kleingärten sollen an der Himmelspagode in Hohen Neuendorf Wohnungsbauprojekten weichen. Der Verband der Garten- und Siedlerfreunde schlägt Alarm.

Quelle: Helge Treichel

Oberhavel. In Schildow mussten vor zwei Jahren rund 80 Kleingärten der Sparten 131 und am Birkenring einer Wohnbebauung weichen. In Glienicke waren es 15 Parzellen der Anlage „Harmonie“ (2001). In Hohen Neuendorf droht das selbe Schicksal nun rund 50 Kleingärten an der Himmelspagode. Gegenwärtig laufen dort Voruntersuchungen für einen städtebaulichen Entwicklungsbereich. Allerdings befinden sich dort zwei Kleingartenanlagen mit zusammen 62 Parzellen.

Der Trend ist klar erkennbar

Im Jahr 1990 zählte der Verband der Garten- und Siedlerfreunde Oberhavel (VGS) im Kreis noch rund 3000 Parzellen in 80 Vereinen. In 22 Jahren sank der Wert auf 2890 Parzellen in 63 Vereinen. 2016 betreute der Verband nur noch 52 Vereine mit 2554 Parzellen.

In Oranienburg kommen fünf Kleingärten auf 100 Haushalte, in Velten sind es 6,6, in Hennigsdorf 3,2 und in Hohen Neuendorf lediglich 0,8 Kleingärten.

Im gesamtdeutschen Durchschnitt entfallen 2,5 Kleingärten auf 100 Haushalte.

„Diese Fehlentwicklung und diesen Abwärtstrend gilt es zu stoppen“, sagt Gerd Windisch, 2. Vorsitzender des Verbandes der Garten- und Siedlerfreunde Oberhavel (VGS). Ansonsten könne das Kleingartenwesen seinen umwelt- und sozialpolitischen Aufgaben nicht weiter nachkommen und drohe perspektivisch in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Die Interessen von Kleingärtnern würden jedoch „kaum oder gar nicht in der kommunalen städtebaulichen Planung berücksichtigt“, kritisiert der Vorsitzende, der seit 1976 selbst Kleingärtner ist. Die Fehler seien bereits vor Jahrzehnten gemacht worden, indem viele Kolonien in den Flächennutzungsplänen nicht als „Dauerkleingärten“ festgeschrieben wurden. „Sinn und Zweck dieses Vorgehens ist nach unserer Meinung die Schaffung einer ,Baulandreserve’, um im Falle des Auftretens von Investoren eine forcierte Bauplanung und Räumung der Kleingartenanlagen erreichen zu können“, sagt Windisch.

2

2. VGS-Vorsitzender Gerd Windisch vor der Geschäftsstele in Birkenwerder, Weimarer Straße 35.

Quelle: Helge Treichel

Um seinem satzungsgemäßen Auftrag zum Erhalt der Kolonien gerecht zu werden, unterbreitet der VGS vier Vorschläge: Erstens soll ein Kleingarten-Entwicklungskonzept für Oberhavel erarbeitet werden. Darin sei eine klare Zielstellung für die Anlagen hinsichtlich ihrer Perspektive festzuschreiben. Zweitens soll klar festgelegt werden, welche Kleingartenanlagen in einem bestimmten Zeitraum nicht erhalten werden können. Drittens soll die Vergabe von Ersatzflächen oder ein Neuaufschluss von Flächen für Kleingartenanlagen geprüft werden. Viertens sollen zu erhaltende Anlagen als Dauerkleingärten festgeschrieben werden und so eine klare rechtliche Perspektive für alle Beteiligten geschaffen werden.

Hohen Neuendorf stehe angesichts wachsender Grundstückspreise und Mieten vor der Aufgabe, dem korrigierend entgegenzuwirken und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sagt Bürgermeister Steffen Apelt (CDU). 34 Hektar stünden entlang der Oranienburger Straße zur Verfügung, davon etwa ein Drittel im Stadt-Eigentum. „Da fallen die Kleingartenanlagen genau mit hinein“, konstatiert Apelt. Weil Wohnraum aber Priorität habe und andere Flächen nicht bereitstehen, habe die Verwaltung besagte Entwicklungsmaßnahme vorgeschlagen. Unter der Voraussetzung, dass die Stadtverordneten und die Genehmigungsbehörden dem Projekt zustimmen, werde es mit Hilfe einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft auch umgesetzt, kündigte Apelt an und beugt vor: Auf dem Rücken der Kleingärtner solle so aber nicht die Stadtkasse gefüllt werden. Vielmehr werde wirtschaftlich „eine schwarze Null“ angestrebt.

Von Helge Treichel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg