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Oberhavel A20-Desaster: Kopfschütteln bei Straßenbauer
Lokales Oberhavel A20-Desaster: Kopfschütteln bei Straßenbauer
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00:38 02.03.2018
Auf einer Länge von inzwischen 100 Metern und über beide Fahrtrichtungen hinweg erstreckt sich der Krater auf der A20 bei Tribsees. Quelle: Polizei Stralsund
Bötzow

Der gebürtige Bötzower Günter Koch ist begeisterter Zeitungsleser. Tagtäglich studiert er die Nachrichten aus Oberhavel und darüber hinaus. Seit dem Einsturz der A 20 („Ostseeautobahn“) in Mecklenburg-Vorpommern im September 2017 und dem inzwischen auf 100 Meter angewachsenen Krater treibt es ihn um. So sehr, dass er schließlich zum Telefon griff und sich bei der MAZ-Redaktion meldete.

Der 78-jährige, gebürtige Bötzower Günter Koch zeigt auf der Karte die Trassen, die er einst in den 70er Jahren mitgebaut hat. Und die bis heute halten. Quelle: Nadine Bieneck

Krater auf A20 inzwischen 100 Meter lang

Die Bilder der Autobahn-Ruine gehen seit Monaten durch ganz Deutschland. Auf rund 40 Metern Länge war die Strecke bei Tribsees (Landkreis Vorpommern-Rügen) in Fahrtrichtung Rostock im vergangenen September plötzlich abgesackt, die Autobahn daraufhin gesperrt worden. Nachdem sich der Krater im Laufe der Monate auf eine Länge von 100 Metern ausgedehnt hatte, sackte Anfang Februar auch noch die Gegenfahrbahn weg. Inzwischen wird der Verkehr seit über einem halben Jahr an der havarierten Strecke über die Landstraßen vorbeigeleitet. Experten rätseln nach wie vor über die Ursache für das Desaster. Bekannt ist – unter dem betroffenen Autobahnabschnitt befindet sich ein Torfbereich, der das Absacken der Fahrbahn ausgelöst haben könnte. Spekuliert wird jedoch auch über zu schwache und fehlerhafte Stützpfeiler, nicht überprüfte Techniken sowie Fehlkalkulationen.

„Was ist los mit den deutschen Ingenieuren?“

„Als ich die Bilder das erste Mal sah, dachte ich sofort an Baupfusch“, sagt Günter Koch. Der 78-jährige gelernte Betriebsschlosser, wohnhaft in Bötzow, war in den 1970er Jahren am Bau gleich mehrerer Autobahntrassen quer durch die DDR beteiligt. Auf der Suche „nach etwas Abenteuer, das war ja damals nicht so einfach“. Ab 1970 verdingte er sich beim VEB Erdbau Magdeburg, mit dem er Trassen zwischen Rostock und Dresden fertigstellte. Zunächst führte er Messarbeiten aus, später wurde er als Schachtmeister eingesetzt.

Günter Koch: „Wir hatten damals nur primitive Werkzeuge und Ausstattung, so wie diese Muldenkipper.“ Quelle: Privat

Vor allem an die Bauarbeiten für die heutige A 19 (Wittstock/Dosse – Rostock) erinnert sich Koch noch gut. „Zwischen Güstrow und Rostock hatten wir es ebenfalls mit einer sogenannten Torflinse zu tun. Geologen erkundeten das Gebiet, bereiteten die Bauarbeiten vor. Das Sumpfmaterial wurde weggesprengt, durch eine Kiesschicht ersetzt, anschließend die Autobahn darauf errichtet. Das hält bis heute“, berichtet Koch und wundert sich: „Ein Prozedere, das doch bekannt ist. Wir hatten damals nur primitive Werkzeuge. Jetzt wird mit modernsten Kippern und Planierraupen gearbeitet, mit bestens ausgebildeten Leuten. Wie kann da wenige Jahre nach der Fertigstellung die Fahrbahn einsacken?“ Er frage sich, was „los sei mit den deutschen Ingenieuren“.

Jahrelange Baustellensituation für ansässige Bevölkerung unhaltbar

Bis die A 20 wieder befahrbar ist, sollen laut aktuellen Planungen mehrere Jahre vergehen.100 Millionen Euro soll die Wiederinstandsetzung nach letzten Schätzungen kosten. „Die sollen mir eine Schippe in die Hand geben und die 100 Millionen, dann baue ich das wieder auf“, frozzelt Günter Koch. Auch wenn ihm mehr nach Weinen als nach Lachen zumute ist, insbesondere, wenn er an die Bewohner der umliegenden Ortschaften denkt. Gut 15 000 Fahrzeuge waren vor der Sperrung täglich auf der Autobahn unterwegs. Sie fahren jetzt durch die Dörfer. Wenn im Sommer die Tourismussaison beginnt, könnten es knapp doppelt so viele werden. Koch macht sich Gedanken um die Situation der Menschen, die an den Umleitungsstraßen leben: „Lärm, Abgase, die Masse an Autos, das muss man sich mal vorstellen. Die Autobahn muss so schnell wie möglich wieder hergestellt werden, vor allem im Interesse der ansässigen Bevölkerung.“ Die Behörden planen für die Reparatur des momentan 100 Meter langen Kraters eine Fertigstellung im Jahr 2021. „Wie kann das sein?“, fragt Günter Koch und verweist zum Vergleich auf den über vier Jahre geplanten Ausbau der A 10 und A 24 zwischen Pankow und Neuruppin für ein Strecke von 64 Kilometern. Dieser Zeitplan sei angesichts der Streckenlänge immerhin „durchaus gerechtfertigt“.

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„Autobahn 20 bei Rostock bricht weg“

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Von Nadine Bieneck

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