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Kosten explodieren: 40 Millionen Euro für Stadtbad

Hennigsdorf Kosten explodieren: 40 Millionen Euro für Stadtbad

Der Bau des Hennigsdorfer Stadtbades könnte statt 21,5 Millionen Euro nun knapp 40 Millionen Euro kosten. Nicht unwahrscheinlich ist, dass sich damit auch die Eintrittspreise erhöhen würden. Ob das Bad überhaupt gebaut wird, darüber entscheiden am 6. Dezember die Stadtverordneten.

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Das alte Stadtbad ist marode, doch der Neubau wird in der Kalkulation immer teurer. Ursprünglich sollte das Bad einmal elf Millionen Euro kosten.

Quelle: foto: Enrico Kugler

Hennigsdorf. Für viele Hennigsdorfer dürfte es ein Schock sein: Statt der avisierten 21,5 Millionen Euro könnte das geplante Bad, das am 1. Juli 2022 auf dem Gelände des Alten Gymnasiums eröffnen soll, bis zu 38,3 Millionen Euro kosten. Das wäre eine Kostensteigerung von fast 80 Prozent. Rechnet man noch zwei bereits investierte Millionen für die Planung hinein, kostet das Projekt – erhöhte Baukosten in der Zukunft vorausgesetzt – die Stadt bis zu 40,3 Millionen Euro. Damit wäre das Bad sogar etwas teurer als das Potsdamer Spaßbad „Blu“, das im Sommer eröffnet wurde und knapp 40 Millionen Euro gekostet hatte. „Es ist nicht die ganz große Überraschung, sondern Folge der Kostensteigerungen“, erklärte Stadtwerke-Chef Thomas Bethke am Dienstag während einer Pressekonferenz, mit dabei waren Bürgermeister Andreas Schulz und Birgit Tornow-Wendland, die Chefin der Kommunalen Betreiber- und Immobiliengesellschaft (KBI), die den Neubau des Bades umsetzen soll.

Monatelang hatten zehn Planungs- und Ingenieurbüros das Bauprojekt auf den Kopf gestellt, denn die alte Kostenberechnung stammte von Mai 2012. Lange hatte das Projekt auf Eis gelegen, weil der Stadt elf Millionen Euro für den Badbau fehlten. Die neue Kostenberechnung war nötig geworden, weil die Stadtverordneten Ende 2016 entschieden hatten, einen Kredit von mindestens 20 Millionen Euro für das neue Bad in die Hand zu nehmen. Das dürfte nun bei Weitem nicht reichen: Selbst die vorsichtigsten Kostenberechnungen der Fachplaner ergaben Baukosten von 32 Millionen Euro. Weitere 6,3 Millionen Euro wollen die Stadtwerke allerdings – wegen der steigenden Preise und der hohen Arbeitsauslastung im Baugewerbe – als Reserve unbedingt einplanen, erklärte Stadtwerke-Chef Thomas Bethke.

Auch planerisch ändert sich einiges: Die Baumsauna fällt weg, dafür soll es im Saunabereich eine Salzgrotte geben. Zudem soll ein Sozialtrakt im Erdgeschoss dazukommen. Auf diesem Anbau soll es im Saunageschoss einen unüberdachten 81 Quadratmeter großen Außenbereich mit einem kleinen Kalt- und Warmbecken und einer Ruhefläche geben. Statt eines Spielbeckens soll es ein Fitnessbecken für Wasserfahrräder und Laufbänder geben, auch Kleinkinder können in dem sechs mal sechs Quadratmeter großen Becken planschen. Am großen Schwimmbecken ändert sich indes nichts. Es sollen fünf Bahnen à 25 Meter samt Hubboden für Wassergymnastik werden.

Ob das Bad angesichts dieser Kostenexplosion aber überhaupt gebaut wird, darüber haben die Stadtverordneten bei ihrer Sitzung am 6. Dezember das letzte Wort. Sie müssten über weitere Kredite entscheiden. Hennigsdorfs Bürgermeister, der das Projekt zuletzt immer verteidigt hatte, vermied gestern ein klares Bekenntnis. „Ich werde die Meinungsbildung in den Fraktionen abwarten und ich denke, dass wir dann zu einer guten Entscheidung kommen.“ Kommentare aus den Fraktionen waren gestern schwer zu bekommen, viele Abgeordnete sind auf Tauchstation gegangen. Einer berichtete hinter vorgehaltener Hand, er habe eine halbe Stunde lang den Mund nicht mehr zubekommen, als er von der Kostenexplosion erfahren hatte.

„Dass es teurer wird, war abzusehen“, erklärte indes der designierte Bürgermeister Thomas Günther, der ab Februar 2018 im Amt ist. Die SPD-Fraktion nehme die Zahlen zur Kenntnis, prüfe sie und diskutiere das Projekt auf einer Klausurtagung am Sonnabend. Er lege Wert darauf, dass sich die Fraktionen in der SVV bei einer Entscheidung über die Zukunft des Projekts einig seien. „Es ist das größte Projekt, das die Stadt bislang gesehen hat“, so der SPD-Mann, der sich im Bürgermeisterwahlkampf zum Stadtbad bekannt hatte. Linken-Fraktionschefin Ursel Degner indes sei geschockt gewesen, als sie von der Kostenexplosion erfahren hatte. „Wir überlegen jetzt in der Fraktion, wie es weitergeht. Bis dahin schweigen wir.“

Wird das neue Bad gebaut, dürfte der Eintritt für die Bürger teurer werden. Statt zehn Mitarbeitern im alten Stadtbad wären etwa 14 nötig, die Betriebskosten werden steigen. Eine entsprechende Berechnung gebe es aber nicht, erklärte Stadtwerkechef Thomas Bethke. Allerdings sollten vor allem Familien, Kinder und Senioren auch das neue Bad weiter nutzen können.

Von Marco Paetzel

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