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Oberhavel Die Krätze ist auf dem Vormarsch
Lokales Oberhavel Die Krätze ist auf dem Vormarsch
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09:16 23.03.2018
Mann kratzt sich am Arm, Krätze oder Dermatillomanie, freigestellt vor weiß Krätze, Skabies: Arm kratzen Quelle: 129795932
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Potsdam

„Krätze war schon immer ein Thema bei den Dermatologen Brandenburgs“, sagt Markus Alexander Friedrich. Der Mediziner ist Vorsitzender des Landesverband der Deutschen Dermatologen. „Aber so schlimm wie 2017, beginnend schon um 2016, und wie es sich jetzt zeigt war es noch nie.“ Der in Oranienburg (Oberhavel) praktizierende Dermatologe hatte im Vorjahr „fast täglich“ Patienten mit Krätze in seiner Praxis.

Cremes gegen die Krätze

Krätze ist eine Hauterkrankung, die auf die mikroskopisch kleine Krätzmilbe zurückgeht. Die Weibchen der 0,5 Millimeter großen Spinnentiere bohren sich in die Haut.

Die Absonderungen der Tiere bringen schmerzhafte Bläschen, Pusteln, Blasen und als Folge etwa des ständigen Kratzens Krusten, Kratzwunden und Furunkel hervor.

Behandelt wird die Krätze mit permethrin-haltigen Cremes, die die Milben abtöten. Inzwischen gibt es auch ein Medikament zum Einnehmen, das gute Erfolge erzielt.

Die mikroskopisch kleinen Krätzmilben, auch Skabies genannt, leben in der Oberhaut von Menschen und verbreiten sich durch intensiven Körperkontakt. „Der funktioniert zumal bei Jugendlichen noch ziemlich gut“, so Friedrich. Aber mit den Flüchtlingen habe die deutschlandweite Verbreitung der Krätze gerade in den vergangenen beiden Jahren nichts zu tun. „Betroffen sind vor allem Deutsche, es sind kaum Flüchtlinge unter den Patienten.“ Warum die parasitären Spinnentierchen sich derzeit wieder so stark verbreiten, stellt nicht nur Friedrich vor ein Rätsel.

Krätze gleich an drei Schulen

Aktuell haben Krätze-Erkrankungen an gleich drei Schulen in Velten (Oberhavel) für Unruhe gesorgt. Mindestens vier Schüler waren an den Einrichtungen davon betroffen. Die erkrankten Kinder waren zu Hause geblieben. Das entspricht auch den gesetzlichen Vorschriften. Das brandenburgische Gesundheitsministerium empfiehlt grundsätzlich „die Suche nach engen Kontaktpersonen, um eine zeitgleiche Behandlung zu ermöglichen“.

Daten über die tatsächliche Verbreitung der Krätze sind allgemein schwer zu bekommen. Die Krankheit muss erst seit 2016 in allen Gemeinschaftseinrichtungen gemeldet werden. Einzelerkrankungen sind nicht meldepflichtig. Dem Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) antworteten bei einer Umfrage 2016 etwa ein Drittel aller deutschen Gesundheitsämter. Man kam damals deutschlandweit auf 7000 Erkrankungen. Das klingt nicht nach viel, wäre aber im Vergleich zu anderen meldepflichtigen Infektionskrankheiten die neunthäufigste Krankheit 2016 mit bis zu acht Fällen pro 100  000 Einwohnern. Die tatsächlichen Fallzahlen dürften noch viel höher liegen, weil eben nicht jede einzelne Erkrankung gemeldet werden muss.

Eine große Krätzewelle schon im Jahr 2000

Trends kann das RKI nicht benennen. Es gibt nur Hinweise aufgrund einzelner Stichproben. Langfristig schwankt die Zahl der Skabies-Diagnosen in Kliniken außerordentlich stark. Im Jahr 2000 hatten die Kliniken 2727 Fälle diagnostiziert, zehn Jahre später waren es nur 757 Fälle, dann 2015 wieder 2773 Fälle im Jahr. Allerdings gab es regional deutliche Unterschiede. Manche Gesundheitsämter meldeten für 2016 einen Anstieg, andere eine Abnahme.

„Die Zahlen sind derzeit wieder deutlich erhöht“, sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. „Es ist bislang noch nicht klar, warum die Ausbreitung über die Zeit einen wellenförmigen Verlauf annimmt.“ Auch Glasmacher wendet sich gegen die Theorie, dass Flüchtlinge für die Krätzehäufungen verantwortlich seien. Wäre das der entscheidende Faktor, hätten die Zahlen im Jahr 2000 viel niedriger liegen müssen. „Damals gab es ja nicht so viele Flüchtlinge.“

Skabies-Ausbrüche gibt es überall, wo Menschen auf engstem Raum zusammen sind, damit also auch in Flüchtlingsunterkünften. Aber sie brechen auch in Seniorenwohnheimen, Kitas und – wie eben derzeit – in Schulen aus. Krätze wird normalerweise mit Cremes behandelt. Seit 2016 ist aber auch ein Medikament zum Einnehmen mit dem Wirkstoff Ivermectin zugelassen. Dieses schlägt offenbar sehr gut an. Allerdings gibt es dafür derzeit einen Lieferengpass. Außerdem ist inzwischen ein Fall bekannt, bei dem die Milben offenbar eine Resistenz gegen den in dem Medikament enthaltenen Wirkstoff entwickelten.

Von Rüdiger Braun

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