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Oberhavel Krebsforschung unterm Dach des Seehauses
Lokales Oberhavel Krebsforschung unterm Dach des Seehauses
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09:18 11.05.2014
Vor sieben Jahrzehnten wurden im Kellergewölbe des Liebenberger Seehauses unter der Leitung des Zellphysiologen, Biochemikers und Fotobiologen Otto Warburg medizinische Forschungen betrieben. Quelle: Bert Wittke
Liebenberg

Otto Warburg (1883 bis 1970) hatte über insgesamt sechs Jahrzehnte gleichermaßen als Zellphysiologe, Biochemiker, Fotobiologe und Mediziner Wissenschaftsgeschichte geschrieben. Unter Koryphäen der Wissenschaft aufgewachsen, studierte er zunächst Chemie und anschließend noch Medizin. Warburg promovierte auf beiden Gebieten. So war er bestens gerüstet, in die Erforschung von Lebensvorgängen neuartige experimentelle Untersuchungsmethoden einzubringen, die große Erfolge zeitigten, besonders bei der Untersuchung der Zell atmung, der Fotosynthese und schließlich des Krebses. Dreimal wurde er für den Nobelpreis vorgeschlagen. 1931 erhielt er ihn für Physiologie der Medizin „für seine Entdeckung der Natur und Wirkungsweise des Atmungsfermentes“. Warburg setzte wesentliche Maßstäbe bei der Entwicklung der Biochemie.

Mit der Gründung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Zellphysiologie im Jahre 1931 übernahm er als Professor dessen Leitung. Seine Nachbarn nannten ihn den „Kaiser von Dahlem“. Als sich 1933 die Naziherrschaft in Deutschland etablierte, begann für Warburg, den Halbjuden, ein Balancieren auf schmalem Grat zwischen wissenschaftlichem Erfolg und rücksichtsloser rassistischer Verfolgung. 1938 wurde er durch den Staat gemaßregelt. Das war der Auftakt einer Reihe von Repressalien in den Folgejahren. Auch im näheren Umkreis Otto Warburgs spielten sich Tragödien ab. 1941 kam es zu einer kurzzeitigen Amtsenthebung und Kündigung durch die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, die nach Einspruch in der Reichskanzlei wieder ausgesetzt und hinfällig wurde. Mit Wirkung vom 6. März 1942 wurde das Kaiser-Wilhelm-Institut für Zellphysiologie zum Wehrbetrieb ernannt. Das brachte manche Vorteile. So blieben Warburgs Mitarbeiter vorerst vom Wehrmachtsdienst verschont, und auch für Chemikalien und Büromaterial, die inzwischen Mangelware waren, wurde gesorgt.

Otto Warburg im Laboratorium. Quelle: Sammlung Peter Richter

Hitler hatte panische Angstvor Kehlkopfkrebs

Zum Jahresende 1942 erfolgte die Berufung Warburgs zum Mitglied des Reichsausschusses für Krebsbekämpfung. Warburg glaubte, kurz vor der Entdeckung eines Krebstherapeutikums zu stehen, was die Reichsleitung aufhorchen ließ. Adolf Hitler (1889 bis 1945) hatte panische Angst vor einer Tumorerkrankung. Seit ihm an den Stimmbändern ein gutartiger Polyp entfernt worden war, glaubte er, an Kehlkopfkrebs erkrankt zu sein. Das schien Warburg gerettet zu haben.

In dem Dahlemer Institut konnte bis zum Sommer 1943 ohne Unterbrechung gearbeitet werden. Als aber die Bombenangriffe der Alliierten auf Berlin immer mehr zunahmen, in der Nähe des Instituts eine Luftmine einschlug und durch die Detonation alle Fenster zerstört wurden, entschloss sich Institutsdirektor Warburg, das Institut zu evakuieren. Mit Schreiben vom September 1943 teilte Warburg die Verlagerung des Instituts der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft mit. Vom Herbst 1943 bis zum Frühjahr 1944 zog man in das etwa 50 Kilometer nördlich von Berlin gelegene Seehaus des Fürsten Philipp von und zu Eulenburg und Hertefeld (1847 bis 1921) am Großen Lankesee, unweit des Rittergutes Liebenberg bei Löwenberg um. Wer Warburg den Hinweis auf das Seehaus gab und die Bekanntschaft zur Familie Eulenburg vermittelte, ist nicht überliefert. Vom Reichsforschungsrat hatte Warburg neben diversen Genehmigungen auch die für die Renovierung des Gebäudes erforderlichen Mittel erhalten. Das 1912 erbaute, seit Jahren leer stehende Gebäude wurde mit „höchster Dringlichkeitsstufe“ umfunktioniert. Man möchte es kaum glauben, dass noch 1944 ein Teil der Geschossdecken ausgebessert, das Dach neu eingedeckt, Wasser- und Elektroinstallationen völlig erneuert, eine Zentralheizung eingebaut, ja selbst eine Hochspannungsleitung herangeführt und eine Trafostation aufgestellt werden konnten. Zudem wurde die Verlagerung der Laboreinrichtung aus Dahlem organisiert. Alle Mitarbeiter folgten ihrem Chef, obwohl es für einige eine Umstellung war, Berlin zu verlassen, hier zu wohnen und zu arbeiten. Doch hier war man sicher und sah nur aus der Ferne, wie Berlin bombardierte wurde. Als dies alles bewerkstelligt war, zog sich der 60-jährige Warburg auf sein Anwesen in Nonneviz auf der Insel Rügen zurück, wo er sich vor den Kriegswirren sicher glaubte, nur unter großen Schwierigkeiten telefonisch erreichbar war, wissenschaftliche Unterlagen zusammenstellte und sein Buch „Schwermetalle als Wirkungsgruppe von Fermenten“ zu schreiben begann. Im Seehaus konnte 1944 die experimentelle Arbeit fortgesetzt werden, nicht nur zum Krebsproblem, auch zur Fotosynthese und Enzymchemie. Jetzt stand Warburg wieder fast täglich mit seinen Mitarbeitern telefonisch in Verbindung, um die, die noch nicht zum Volkssturm geholt worden waren, nach ihren experimentellen Ergebnissen zu befragen. Wenn Otto Warburg in Liebenberg war, besuchte er die Musikabende im Schloss. Die Musik und die Beschäftigung mit seinen Tieren boten ihm eine „Fluchtmöglichkeit“ aus persönlichen Schwierigkeiten und aus den Gedanken an eine unsichere Zukunft. Die Neigung Warburgs zur Rechthaberei und Streitsucht hatte sich verstärkt. Mit allen Leuten, die es wagten, ihm in einer belanglosen Angelegenheit zu widersprechen, legte er sich an. Auch mit einigen Einwohnern Liebenbergs führte er kleinliche Auseinandersetzungen.

Das Ende des Krieges erlebte Otto Warburg in Nonneviz. Einige Mitarbeiter blieben im Seehaus. Mitte Mai 1945 nahmen sowjetische Offiziere eine gründliche Kontrolle vor, um anhand der Labortagebücher herauszufinden, ob im Institut kriegswichtige Forschungen durchgeführt wurden. Die Offiziere sollen sehr freundlich gewesen sein, als sie feststellten, dass dies nicht der Fall war. Von den am 19.Juni 1945 angerückten sowjetischen Soldaten sollen alle Anwesenden dazu gezwungen worden sein, die im Institut verbliebenen Geräte und die Bibliothek in Kisten zu verpacken, die dann abtransportiert wurden. Wertvolle optische Geräte wie Fotoapparate und Spektrometer hatte ein Mitarbeiter Warburgs bereits vorher mit einem Lastkraftwagen irgendwohin gebracht. Im Institut blieben lediglich einige Labortische und Chemikalien zurück. Warburg traf erst am 4.September 1945, von Nonneviz kommend, in Liebenberg ein. Wie er reagierte, als er feststellte, dass die Einrichtung seines Instituts ausgeräumt worden war, ist nicht überliefert. Warburg beschwerte sich auf der Zehdenicker Kommandantur.

Es stellte sich heraus, dass die Laborausrüstung widerrechtlich entfernt worden war. Ausdruck seiner außerordentlich hohen Wertschätzung war es, dass er daraufhin zum Stellvertreter des Obersten Befehlshabers der Roten Armee und Chef der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland, Marschall G. K. Shukow (1896 bis 1974), eingeladen wurde, der persönlich sein Bedauern ausdrückte und die Rückgabe der Ausrüstung befahl, was allerdings in Anbetracht der unaufgeklärten Umstände keinen Erfolg zeitigte.

Mit Kriegsende kehrte Warburg Liebenberg den Rücken

Bereits unmittelbar nach der Befreiung der Insel Rügen war Warburgs Anwesen auf Veranlassung des Oberbefehlshabers der Sowjetischen Militäradministration, Armeegeneral W. D. Sokolowski (1897 bis 1968), unter militärischen Schutz gestellt worden.

Das Institut in Berlin-Dahlem hatte die letzten Kriegsmonate unbeschadet überstanden, wurde jedoch 1945 durch US-amerikanische Streitkräfte besetzt und diente vier Jahre als Sitz der Stadtkommandantur. Da soll Warburg resigniert gemeint haben: „Hier kann man nur noch Tee kochen.“ Warburg kehrte dem Seehaus und Liebenberg den Rücken und ließ durch den Vertreter der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft mitteilen, dass alle Angestellten des Instituts entlassen seien. Er musste damit 27Jahre ununterbrochener Forschungsarbeit seit seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg, die ihn an vorderster Stelle der geistigen Auseinandersetzungen jener Zeit um das Verständnis des Lebendigen sahen, vorerst beschließen.

Am 8.Mai 1950 wurde sein ehemaliges Kaiser-Wilhelm-Institut für Zellphysiologie in Berlin-Dahlem wieder eröffnet und 1953 in die 1948 gegründete Max-Planck-Gesellschaft überführt, was nur durch sehr langwierige Verhandlungen zwischen Warburg, der Max-Planck-Gesellschaft und dem Senat von West-Berlin erreicht werden konnte.

Von Peter Richter

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