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Kremmen Nach Dachstuhlbrand: Trauer um Tinkerbell und Micky
Lokales Oberhavel Kremmen Nach Dachstuhlbrand: Trauer um Tinkerbell und Micky
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00:23 01.11.2018
Die Katzen von Marc Kilian haben es nicht geschafft. Quelle: Sebastian Morgner/Privat
Kremmen

Vor zehn Jahren hatte sich Sebastian Lange entschlossen, das Haus in der Ruppiner Straße in mühevoller Kleinstarbeit zu sanieren. Das hatte ein Jahr gedauert. Müllberge wurden beseitigt, Bäume, die durch die Fenster gewachsen waren, mussten entfernt werden. Am Ende wurde die Sanierung eine Herzensangelegenheit. „Bis auf das Dach habe ich alles per Hand selbst gemacht. Und dann siehst du in vier Stunden, wie das Gebäude durch die Flammen zerstört wird. Und man kann nichts machen“, so Lange.

Die ganze Nacht habe der 42-Jährige auf dem Sofa gesessen und kein Auge zugemacht. Fünf Wohnungen im Haupthaus sind nach dem schweren Dachstuhl-Brand, der am Sonntag zur Mittagszeit ausbrach, unbewohnbar. Die Wohneinheit im Hinterhof habe weder Strom noch Heizung. Abgerissen werden muss das Haus nach ersten Erkenntnissen nicht. „Doch die Sanierung wird teurer als ein Neubau. Der Dachstuhl ist komplett ausgebrannt. Sicherlich muss da der Statiker ran. Die unteren Wohnungen sehen auf den ersten Blick noch gut aus. Doch da wurde mächtig Wasser reingepumpt. Wir müssen abwarten, wie sich die Lage entwickelt.“

Der Tag nach dem Brand in Kremmen: Der Dachstuhl ist völlig zerstört. Quelle: Morgner

Einer der Mieter aus dem Dachgeschoss ist Marc Kilian. Der 33-Jährige wohnte dort mit seinen Katzen. „Zwei waren meine. Tinkerbell und Micky. Beide acht Jahre alt“, erklärt Kilian, der am Sonntag nicht in der Wohnung war. „Ich hatte noch drei Tiere vom Tierschutz aufgenommen, um sie hochzupäppeln. Leider haben es alle nicht geschafft. Ich hoffe, dass sie nicht allzu stark leiden mussten. Die Gegenstände aus meiner Wohnung sind mir egal, um die Katzen tut es mir leid.“

Marc Kilian war erst im Juni in der Ruppiner Straße eingezogen und hatte sich die Zwei-Raum-Wohnung mit offener Küche schick eingerichtet. „Die Möbel waren aus robusten Eichenholz.“ Fernseher und Musikanlage sind jetzt nicht mehr wiederzuerkennen. „Ob ich überhaupt noch etwas benutzen kann, bezweifle ich“, meint der Kremmener. Der Fußballer besitzt nur noch die Sachen, die er am Sonntag am Leibe trug. „Viele Freunde haben aber schon angeboten, mich zu unterstützen.“ Nach dem Schock kommt er erst einmal bei seiner Freundin Melanie in Oranienburg unter. Mit ihr hat er eine Tochter (1).

80 Feuerwehrleute im Einsatz

Kriminaltechniker der Zentralen Kriminaltechnik untersuchten am Montag das Haus. Und stellten fest, dass es sich bei dem Feuer um Brandstiftung handelt. Ein Bewohner berichtete überdies von einem lauten Knall. Danach soll der Flur in Flammen gestanden haben. Jemand habe zudem erzählt, dass im Keller eine Kabeltrommel gestanden hätte, die geschmort habe. Die Flammen seien dann den Schornstein hochgeklettert. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern weiter an. Das Haus war gestern noch mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. „Die Dachziegel haben wir am Sonntag noch alle runtergeholt. Wir werden noch den Fußgängerweg säubern“, berichtete Stadtbrandmeister Gerd Lerche.

Die Bewohner sind unterdessen alle bei Freunden oder Verwandten untergekommen. „Einem älteren Herrn haben wir einen Platz im Altenheim besorgt“, so Lerche. „Seine Kinder waren aber schon auf dem Weg in Richtung Heimat.“ Auch die Stadt Kremmen habe sich noch am Sonntag erkundigt, so Bürgermeister Sebastian Busse (CDU). „Die Woba überprüft derzeit, wo wir mit freien Kapazitäten an Wohnungen helfen können.“

Dachstuhlbrand in Kremmen, Quelle: Julian Stähle

Kritik gab es von Augenzeugen, die zum Brandort kamen: „Traurig ist, dass Autos vorbeigefahren sind und Menschen, die eigentlich helfen hätten können, lieber ihr Handy zum Fotos machen zückten“, schrieb Franziska Hildebrandt auf der Facebookseiter der MAZ. Die Aufregung in der Ackerstadt war am Sonntag groß. Die Ruppiner Straße wurde gesperrt. Wehren aus Kremmen, Flatow, Beetz/Sommerfeld, Staffelde-Großziethen und später auch Vehlefanz und Leegebruch rückten aus. Rund 80 Feuerwehrmänner waren bis zum frühen Abend vor Ort.

Marc Kilian will nach vorn schauen. Falls eine Wohnung frei wird, möchte er wieder nach Kremmen ziehen. „Von einer Sekunde auf die andere verändert sich dein Leben derart. Das muss man erst einmal verkraften.“ Tinkerbell und Micky wird er im Herzen behalten.

Von Sebastian Morgner

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