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Kremmen 74-Jährige wagt den Neustart in der alten Heimat
Lokales Oberhavel Kremmen 74-Jährige wagt den Neustart in der alten Heimat
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17:27 06.12.2018
Inge Tiezel (74) lebte viele Jahre in Afrika und ist seit kurzem wieder zurück in ihrer alten Heimat Kremmen. Quelle: Enrico Kugler
Kremmen

Gute zwei Jahre hat es gedauert, in Kremmen eine Wohnung zu finden. Ein echtes Abenteuer. Denn ohne Wohnung war der Umzug von Kenia nach Deutschland nicht möglich. Aber Inge Tiezel zog es zurück in die alte Heimat.

Sie lebte bis 1965 in Kremmen. Dann wollte sie aus der DDR fliehen und wurde verhaftet. 33 Monate saß sie im Gefängnis, danach ist sie in den Westen abgeschoben worden. Sie zog nach München. Eine Rückkehr nach Kremmen war auch nach der Wende nicht möglich – ihr Mann hatte das abgelehnt. Nach ihrer Pensionierung siedelten sie nach Kenia um. Nach der Scheidung ist Inge Tiezel alleine. Der Wunsch wuchs, wieder nach Kremmen zu ziehen. Auch, um in Deutschland etwas gegen ihre Augenkrankheit unternehmen zu können – sie sieht nur noch sehr schlecht.

Inge Tiezel liebt ihre alten Alben. Quelle: Enrico Kugler

Im März 2017 hatte sie eigentlich schon eine Wohnung am Marktplatz, doch quasi in letzter Minute ist der Umzug geplatzt, die Wohnung stand nicht mehr zur Verfügung. „Ich hatte mir schon ein Ticket gekauft, ich wollte kommen“, erinnert sich Inge Tiezel. „Ich hatte keine Reiserücktrittsversicherung, ich bin in ein tiefes Loch gefallen.“ Wenn man aus dem Ausland komme, müsse man sich irgendwo anmelden. „Das geht aber nur, wenn man eine Wohnung hat und man einen Mietvertrag vorzeigen kann.“ Außerdem hatte sie im außereuropäischen Ausland keine Krankenversicherung.

Dass es anderthalb Jahre später geklappt hat, war reiner Zufall, wie die 74-Jährige sagt. Eine befreundete Dame aus Sommerfeld hatte ihr den Kontakt hergestellt, in der Ruppiner Straße war eine Wohnung zu haben. Allerdings kam sie mit fast nichts nach Kremmen. „Die Möbel kommen vom Roten Kreuz“, sagt Inge Tiezel. Für das Schlafzimmer bekommt sie noch etwas, Freunde haben mir dabei geholfen.

Erinnerungen aus Kenia. Quelle: Enrico Kugler

Der allererste Tag in Kremmen war besonders, nicht nur wegen des Umzuges an sich: Es war der Sonntag, an dem schräg gegenüber der Dachstuhl brannte. „Das war ein merkwürdiger Auftakt.

Und überhaupt: Es war im Gegensatz zu Kenia kalt, die Wohnung anfangs noch leer. „Ich war skeptisch, aber ich wusste auch: Ich muss und will ja hierbleiben.“ Wenn sie abends um sechs die Glocke der Nikolaikirche hört, „dann ist das sehr vertraut“, sagt sie. „Damals war das das Zeichen für uns Kinder, nach Hause zu kommen.“ Dennoch ist ihr vieles in Kremmen noch fremd. „Und ich kann ja nicht einfach rausgehen, weil ich fast nichts sehe.“ Sie muss jetzt viel erledigen: Arztbesuche, einen Behindertenausweis, eine Pflegestufe. „Ich brauche auch eine Begleitung beim Einkaufen.“

Sie weiß, dass das Leben in Kremmen eine große Umstellung ist. Elf Jahre hat sie immerhin in Mombasa gelebt – ein ganz anderes Lebensgefühl. „Die Wärme, die freundlichen Menschen.“ Mit dem Umzug nach Deutschland, nach Kremmen hat sich ein großer Wunsch erfüllt, dennoch steht sie irgendwie wieder ganz am Anfang. Sie muss und will vermehrt Kontakte aufbauen.

Und auch um ihre Vergangenheit will sie sich wieder kümmern. Gern blättert sie in Fotoalben, in denen mitunter 100 Jahre alte Fotos aus Kremmen zu sehen sind. Auch ist sie in einem Arbeitskreis dabei, der sich um die Geschichte des Frauengefängnisses Hoheneck kümmert, in dem sie in den 60er-Jahren saß.

Von Robert Tiesler

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