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Kremmen Am Alten Postweg kommt ein Stein ins Rollen
Lokales Oberhavel Kremmen Am Alten Postweg kommt ein Stein ins Rollen
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17:37 02.08.2018
„Postmann“ Rolf Zimmermann vom Verein „Forschungsgruppe Meilensteine“ steht im Krämer Forst an der Alten Poststraße an diesem 4-Meter-Koloss. Quelle: Jeannette Hix
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Kremmen

Hobby-Postmann Rolf Zimmermann (63) trinkt mit Absicht ein Bierchen weniger, damit er noch in sein antikes Postkostüm passt. Denn das zieht er jetzt immer häufiger an. Spätestens in ein paar Wochen ist es wieder soweit, wenn die neuen Meilensteine an dem legendären Postweg von Berlin über den Krämer Forst bis Hamburg gesetzt werden. „Drei neue Meilensteine werden derzeit in den sächsischen Sandsteinwerken Pina gebaut“, sagt Rolf Zimmermann vom Verein Forschungsgruppe Meilensteine. „Wir hoffen, dass sie im Frühherbst geliefert und aufgebaut werden“, sagt Ortsvorsteher Dirk Jöhling (55), der sich auch im Förderverein „Regionalpark Krämer Forst“ engagiert. Beide Vereine haben die „Wiederbelebung der Meilenstein-Straße“ im Krämer Forst auf den Weg gebracht.

Zum Herbst sollen drei neue Meilensteine gesetzt werden

Denn noch vor zehn Jahren gab es in der Region Kremmen keine Meilensteine mehr. Sie waren u. a. auf dem Ex-Truppenübungsplatz im Krämer Forst verschütt gegangen. Eine preußische Meile ist übrigens etwa 7,53 Kilometer lang, ein halber Meilenstein hat demnach die Hälfte und ein Viertel-Meilenstein zeigt etwa 1,8 Kilometer an. Insgesamt soll es auf dem rund 250 Kilometer langen Alten Postweg von Berlin (Beginn Höhe Oranienburger Tor bis Hamburg 93 Ganz-, Halb- und ein Viertel-Meilensteine geben. Davon stehen 9 zwischen Hennigsdorf und Krämer Pfuhl. Die drei neuen sächsischen Ankömmlinge sollen rund um Flatow am Paddenpuhl, an der Apfelallee und kurz vor der Auffahrt zur Landstraße nach Linum aufgestellt werden. „Von den 93 Steinen sind teilweise noch 14 im Original von um 1803 erhalten“, sagt Rolf Zimmermann. Dazu zählt auch der Originalstein im Krämer Forst Nähe der Umspannstation Ziegenkrug. Viele Jahre fristete er sein Dasein vor dem Museum Falkensee, nachdem man ihn in den 1980er Jahren aus dem Krämer Forst weggeschafft hatte, damit er auf dem Truppenübungsgelände nicht total zerschossen wird. Noch heute scheint er klagend die Einschusslöcher zur Schau zu stellen. 2004 zog der Stein von Falkensee zurück an seinen Originalstandort im Krämer Forst.

Nach jedem Meilenstein wurden Reisende zur Kasse gebeten

Damals wie heute haben die hochkantigen „Klamotten“ einen echten Sinn. „Sie dienten nicht nur als Wegweiser für die Postkutsche und die Postreiter, sondern waren praktisch die heutige Maut“, sagt Rolf Zimmermann. Und weil der Alte Postweg heute auch zur beliebten Radel- und Pilgerstrecke geworden ist, dienen die Meilensteine genau wie damals zur Orientierung.

Der Wunsch, die Gegend für den Tourismus zu erschließen, war für Dirk Jöhling auch vor zehn Jahren der Grund, die Sache mit den Meilensteinen ins Rollen zu bringen.

Jetzt gibt es sogar wieder eine richtige Postkutsche – original getreu nachgebaut. Zu feierlichen Anlässen wie zum Mühlenfest darf auch Hobby-Postkutscher Rolf Zimmermann oben auf dem Kutschbock mitfahren. Seine Uniform ist dabei ein echtes Unikum. „Die Jacke habe ich aus einem Theaterfundus in Cottbus“, erzählt er. Und weil es zu der roten Schärpe noch einen Stofffetzen dazu gab, stickte ihm seine Frau Ulrike darauf noch einen Preußischen Adler. Auch die edlen Lederstiefel können sich sehen lassen – die hat er sich im Internet bestellt. Und weil ihn die Post auch nicht im Urlaub loslässt, hat er bei einem Mexikobesuch noch die Sporen gekauft. Das Posthorn stammt von einem Antiquitätenhändler. Was Rolf Zimmermann aber heute immer noch Rätsel aufgibt, ist die weiße Hose, die die Postkutscher damals trugen. Rolf Zimmermann hat sie beim Medizin-Ausstatter erstanden. „Die Postkutscher hatten zwar eine schwarze Putzhose, aber die weiße war als Alltagskleidung angesagt“, meint Rolf Zimmermann, der zu Hause in seiner Berliner Wohnung ein kleines Postmuseum eingerichtet hat. In Vehlefanz hat er einen Garten.

Die Spritztour von Berlin nach Hamburg kostete einen Monatslohn

Mit großer Spannung sehen Jöhling und er nun den Tag entgegen, wenn endlich die drei neuen Meilensteine geliefert werden. Bezahlt hat die Rechnung in Höhe von rund 6000 Euro übrigens die Stadt Kremmen. Auch Spargelhof-Betreiber Malte Voigts hat einen Viertel-Meilenstein erworben. Alle sind daran interessiert, dass Kremmen immer mehr in aller Munde ist. Denn je mehr sanften Tourismus es gibt, desto besser für die Gemeinde. Und wenn künftig keine Steine in den Weg gelegt werden, ist es durchaus denkbar, dass auch noch die zwei fehlenden Meilensteine aufgestellt werden. Einer könnte Höhe Kalliner Golfclub stehen und der andere Nähe des Grabes des Försters Reckin, der aus einem hohlen Baum immer die damals feindlichen Franzosen abgeschossen hat. Heute freut sich die Gemeinde über jeden, der kommt, um die schöne Natur rund um Kremmen zu genießen.

Von Jeannette Hix

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