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Kremmen Sebastian Busse im Interview: Kita steht an erster Stelle
Lokales Oberhavel Kremmen Sebastian Busse im Interview: Kita steht an erster Stelle
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18:12 27.09.2018
Sebastian Busse, Bürgermeister von Kremmen Quelle: Robert Tiesler
Kremmen

In unserer Reihe „MAZ zu Hause in ... Kremmen“ äußert sich Bürgermeister Sebastian Busse zu aktuellen Themen.

Sie sind jetzt anderthalb Jahre im Amt. Macht’s noch Spaß?

Sebastian Busse: Ja, definitiv. Ich habe noch nicht einmal drüber nachgedacht, dass ich lieber weniger Verantwortung gehabt hätte.

Am Wochenende hat man Sie bei der Hüttengaudi ausgelassen singen hören. Zeigen Sie da auch mal Ihre andere Seite?

Das bin ich einfach. So war ich früher schon, jetzt ist es aber so, dass ich eine öffentliche Person bin. Früher hätte das niemanden interessiert, wenn ich da auf der Bühne gestanden hätte. An mir ist ein kleiner Entertainer verloren gegangen.

Auf Kremmen kommen ein paar dicke Finanzbrocken zu. Kita-Anbau, Schulkomplex, Feuerwehr-Anbau, Klubhaus-Sanierung. Was muss als erstes angepackt werden?

An allererster Stelle steht ganz klar die Kita. Wir wollen, dass sich Kremmen weiterentwickelt, es werden neue Wohngebiete erschlossen, zum Beispiel in Staffelde, wo gerade kräftig gebaut wird. In den nächsten zwölf bis 18 Monaten entstehen 40 neue Wohneinheiten, am Ziegeleiweg in Kremmen gut 50 Wohneinheiten. Wir müssen dafür sorgen, dass wir Plätze in den Kitas und Schulen schaffen.

Bei der Kita herrscht Einigkeit unter den Stadtverordneten. Nicht so beim Schulkomplex. Es gibt die Forderung, nochmal prüfen zu lassen, ob die alte Schulsporthalle nicht doch saniert werden kann. Überrascht Sie das?

Ja. Ich lasse mich gern eines Besseren belehren, wenn wir jemanden finden, der sagt, er baut uns das und garantiert uns 30 Jahre Standzeit. Wir reden von 750 000 Euro, ohne Fördermittel zu bekommen. Grundsätzlich hoffe ich, dass wir das andere Ziel weiterverfolgen können – also den Abriss der Halle und den Bau eines Gebäudes mit Turnraum und zusätzlichen Klassenzimmern.

Eine Sanierung der alten Halle wäre nicht preiswerter?

Auf keinen Fall. Wenn ich jetzt eine Planung habe, die 2,3 Millionen Euro kostet und wir bekommen eventuell 75 Prozent Fördermittel, dann bin ich bei 600 000 Euro Eigenkosten. Die Sanierung würde 750 000 Euro kosten – ohne Fördermittel, und wir haben keine weiteren Klassenräume.

Auch bei der Feuerwehr in Kremmen muss investiert werden. Wie groß ist denn der Handlungsbedarf?

Die Kameraden rennen sich da gegenseitig um. Die müssen sich zwischen den Fahrzeugen umziehen. Im Gefahrenabwehrbedarfsplan wird seit vielen Jahren gefordert, dass dort etwas passieren muss. Das Konzept, im hinteren Bereich anzubauen, wäre top. Und wir würden einen Teil vom Altbau erhalten, für Werkstatt und Lager.

Für die Sanierung des Klubhauses schlagen Sie eine Minimallösung vor. Wird da in den nächsten drei bis vier Jahren überhaupt was passieren?

Das Klubhaus ist ein Luxusprojekt. Wir wissen, dass wir das wollen und müssen es auch, weil Fördermittel dran hängen. Wir müssen aber realistisch sein und überlegen, was wir im Klubhaus machen wollen. Klar, unsere Einwohner sind scharf darauf, mal wieder Veranstaltungen dort zu haben oder eine Einschulungsfeier. Dafür sollten wir das Minimalprinzip anwenden, den Saal mit Bühne und Anbau für die Barrierefreiheit. Der Denkmalschutz muss mit an den Tisch kommen. Ich muss aber auch sagen, dass wir ein kleines Bauamt haben und viele, viele Projekte. Wir müssen mit etwas beginnen, aber dann richtig und das abschließen und nicht fünf Sachen auf einmal.

Bei einigen Kremmenern umstritten ist auch immer noch das Asylbewerberheim in der Berliner Straße. Warum finden Sie es besser, wenn der Landkreis Oberhavel das Objekt auch weiterhin dafür mietet?

Da geht es um die Wirtschaftlichkeitsrechnung. Mit der Mietzeit von drei Jahren konnten wir 1,5 Millionen Euro vom Kredit mit insgesamt 3,2 Millionen abzahlen. Der restliche Kredit selbst läuft aber über 20 Jahre. Die Einnahmen, die wir akquirieren, kommen aber auch der Stadt zugute. Wir können sie in anderen sozialen Projekten einsetzen. Deswegen ist das positiv, und ich verteidige das ganz klar. Ich wünsche mir, dass der Landkreis die Option auf Verlängerung zieht.

Wie ist denn die Flüchtlingssituation in Kremmen?

Die, die sich integrieren wollen, die integrieren wir. Wir haben dort zwei gute Sozialarbeiter, die für die Leute zuständig sind. Es gibt wenig Polizeieinsätze. Immer mal wieder, aber sehr überschaubar. Ich wünsche mir, dass es so ruhig bleibt.

Erleben Sie manchmal im Freundeskreis entsprechende Diskussionen?

Bisher noch nicht.

Das Punkfestival „Resist to Exist“ fand dieses Jahr mit Sondergenehmigung statt. Für 2019 wird wohl ein Bebauungsplan benötigt. Befürworten Sie das Fest und unterstützen die Veranstalter?

Dieses Jahr war ich im Urlaub, aber im Jahr davor habe ich das verfolgt. Alles weitere entscheiden die Abgeordneten, aber es ist noch nichts da, die Veranstalter hätten schon längst handeln müssen. Wenn ich nach dem Fest mit der Polizei spreche, dann haben die Einsätze ein sehr kleines prozentuales Gewicht. Wenn die Leute einfach feiern, wenn sie sich benehmen, ist das gut. Mit Einkaufswagen durch die Stadt fahren oder am Brunnen auf dem Markt zu duschen, ist aber eine Unart, die brauchen wir hier nicht.

2017 sorgte der Schutthaufen auf einem Privatgelände vor Kremmen für Wirbel. Tut sich da was?

Nachdem ich Nachrichten bekommen habe, dass dort Feuer gemacht worden, bin ich dort gewesen. Es war nur ein kleines Lagerfeuer – aber bei 30 Grad und Trockenheit. Der Besitzer der Fläche hat mir die Schriftstücke vom Landesumweltamt gezeigt, da steht alles drin, wie er es immer gesagt hat. Er hat die Auflage, Jahr für Jahr etwas vom Haufen abzutragen. Das muss er auch nachweisen. Nach Aussagen vom Inhaber entfernt er regelmäßig Containerladungen, ich werde es weiter kritisch beobachten.

Momentan gibt es immer wieder Meldungen, dass Gaststätten im Ort schließen. Sehen Sie das mit Sorge?

Das sind alles private Dinge, wir können nur Rahmenbedingungen schaffen. Von der Lebkuchenfabrik habe ich leider nur aus der Zeitung erfahren. Klar ist das traurig, aber sie werden ihre Gründe haben. Bei Meyhöfer war ich einer der ersten, der es wusste. Da konnte ich keine Hilfe mehr anbieten, da stand alles schon fest. Aber ich habe die Hoffnung, dass es da geeignete, neue Bewerber gibt.

Kommt da vielleicht wieder das Klubhaus ins Spiel? Schließlich fehlt dann ja auch ein Veranstaltungssaal.

Das Klubhaus wird keine Gastronomie im Tagesgeschäft. Kein Konzept sieht das vor. Eher für Veranstaltungen am Wochenende, aber dafür brauchen wir natürlich auch vernünftige Caterer.

Von Robert Tiesler

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