Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Krimis aus dem wahren Leben
Lokales Oberhavel Krimis aus dem wahren Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:19 30.03.2018
Michael Stricker aus Birkenwerder schreibt in seiner Freizeit Bücher über die Berliner Polizistenmorde sowie markante Großeinsätze . Quelle: Helge Treichel
Anzeige
Birkenwerder

Michael Stricker aus Birkenwerder ist Polizeibeamter und Buchautor. Sein Sujet ist jedoch nicht der erdachte Kriminalfall, sondern das reale Leben. Der 50-Jährige, der aktuell beim Landeskriminalamt Berlin tätig ist, widmet sich in seiner Freizeit den Berliner Polizistenmorden sowie markanten Großeinsätzen.

„Mein Interesse an polizeihistorischen Themen wurde durch einen Vorfall in Neukölln geweckt“, sagt der Polizeioberkommissar. Am 17. März 2006 war in dem Berliner Stadtbezirk auf Polizeihauptkommissar Uwe Lieschied (42) geschossen worden. Der Zivilfahnder war mit einem Kollegen auf Streife, als sie auf zwei verdächtig rennende Männer trafen. Lieschied forderte sie zum Stehenbleiben auf. Mehmet E. feuerte acht Schüsse ab. Eine Kugel traf Uwe Lieschied am Kopf. Er verstarb vier Tage später im Krankenhaus. Sein Mörder wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Mehmet E. und sein Komplize Yusuf K. hatten zuvor eine Prostituierte ausgeraubt.

Unterstützung vom Polizeipräsidenten

Michael Stricker wollte mehr darüber erfahren. Das galt auch für jene Fälle und Namen, die in einem Gedenkbuch im Foyer des Berliner Polizeipräsidiums aufgelistet sind. Er merkte jedoch, wie schwer es war, an Informationen heranzukommen – sogar als Polizist. Also erstellte er das Konzept für ein Buch und erhielt vom Polizeipräsidenten ein Unterstützungsschreiben. Von jetzt an standen ihm die Archive offen. „Im Oktober 2006 ging es los. Meine Hauptquelle war das Archiv des Landeskriminalamtes“, so Stricker. Nach viereinhalb Jahren war sein erstes Buch fertig. Der Titel: „Letzter Einsatz“.

Titel des ersten Buches von Michael Stricker. Quelle: Helge Treichel

Aus den Jahren 1945 bis 1948 bearbeitete der Buchautor 35 Fälle – darunter nicht nur Tötungsdelikte, sondern auch Unfallopfer. Gab es zuvor eine gemeinsame politische und polizeiliche Führung, so wurden die Fälle zwischen 1948 und 1990 in Ost und West getrennt erfasst: 33 waren es im Osten Berlins, 25 im Westen. Hüben wie drüben starben Beamte auch im Straßenverkehr oder beim Waffenputzen. Eine Besonderheit: In Ostberlin unterstand bis 1962 auch die Grenzpolizei der Deutschen Volkspolizei, danach noch die Feuerwehr. Seit der Wiedervereinigung gab es weitere acht getötete Polizeibeamte in der Hauptstadt.

Um tiefer einzutauchen in die Todesumstände, hat Michael Stricker Akten gewälzt – und mit Kollegen und Angehörigen gesprochen. Schließlich wollte er auch die dienstliche Vita beleuchten. „Das waren prägende, bewegende Gespräche“, sagt Stricker. „Manche Angehörige haben erst von mir erfahren, was genau passiert ist.“ Das betraf von der DDR-Stasi begleitete Fälle, aber auch einzelne im Westen. Bei einem Polizistenmord von 1986 sei es zum Beispiel darum gegangen, die junge Witwe vor den grausamen Einzelheiten zu bewahren. Überraschend für ihn: Für die Interviews seien mitunter mehrere Generationen einer Familie zusammengetrommelt worden, beispielsweise bei den drei toten Feuerwehrleuten. Sein Fazit: Das Andenken an die gewaltsamen, unerwarteten Tode sei in allen Fällen wach gehalten worden.

Vortrag im Rathaus Birkenwerder geplant

In einem Vortrag wird Michael Stricker seine Arbeit am 13. April im Rathaus Birkenwerder vorstellen. Vier Fälle hat er dafür ausgewählt – aus den Jahren 1962, 1974, 1986 und 1996.

Der älteste Fall betrifft Hans-Dieter Wesa. Der damals 19-jährige Oberwachtmeister der Volkspolizei war am 23. August 1962 von seinem Kameraden erschossen worden, als er bei einem Streifengang unterhalb der Brücke Bornholmer Straße in den Westen flüchten wollte. Der junge Polizist, dessen Bruder im Westen lebte, befand sich bereits hinter dem Grenzzaun, als ihn die tödlichen Schüsse trafen. Eine zweite Salve traf ihn, als er bereits am Boden lag.

Das Deckblatt der Geschichte von Hans-Dieter Wesa. Fotografien und Skizzen vom Tatort ergänzen die Textbeiträge. Quelle: Helge Treichel

Für das Veröffentlichen seiner Bücher hat Michael Stricker jeweils einen mittleren bis gehobenen dreistelligen Betrag bezahlt – aus eigener Tasche. Dass er auch die ostdeutschen Fälle beleuchtet hat, verdankt er einer Anregung seiner Frau, die aus Birkenwerder stammt und mit ihm seit 2004 in der Gemeinde lebt, zusammen mit einer Tochter. Die wichtigste Quelle hier: die Stasi-Unterlagenbehörde. Waren auch Polizeiakten nicht mehr verfügbar, die DDR-Staatssicherheit „war bei Tötungsdelikten immer mit im Boot“, sagt Stricker.

Während die Militärgeschichte in den Buchläden präsent ist, sei über die Polizeihistorie kaum etwas zu finden, wundert sich Michael Stricker. Er selbst möchte einen Beitrag leisten, das zu ändern. Allerdings sind seine bisherigen Veröffentlichungen nur in geringen Auflagen von wenigen hundert Stück erschienen – in der Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Polizeigeschichte. Stricker ist seit zwölf Jahren Mitglied des eingetragenen Vereins.

Vier seiner Veröffentlichungen dokumentieren Großeinsätze und tragen Titel wie „Die Schlacht am Tegeler Weg“ oder „Der 1. Mai 1987 – Demaskierung eines Mythos“. Der Maikrawall ist für Stricker der „Urknall der Gewalt“. Aktuell schreibt über den 1. Mai 1989.

Mit Interesse hat der Geschichtsforscher auch die jüngsten Ereignisse in Frankreich verfolgt. Der nach einer Geiselnahme verstorbene Arnaud Beltrame ist für Michael Stricker – „auch wenn es pathetisch klingt – ein Held“. Die Tat dieses Polizisten verdiene höchsten Respekt.

Info: Vortrag „Tötungsdelikte an Polizisten in Berlin“, Freitag, 13. April, 18 Uhr, Ratssaal Birkenwerder, Eintritt: ein Euro (Saalmiete und Erlös für das Geschichtsstübchen Birkenwerder).

Von Helge Treichel

Oberhavel Oberhavel: Polizeibericht vom 27. März 2018 - Anschlag mit Perlzwiebeln und Mischgemüse

In Marwitz wurde in der Nacht zu Dienstag die Scheibe eines Hauses eingeworfen – mit Einweckgläsern mit Perlzwiebeln und Mischgemüse. Außerdem im Polizeibericht: ein plötzlicher Spurwechsel auf der A111 führt zu einem Unfall, ein betrunkener Fahrer in Zehdenick – und vieles mehr.

27.03.2018

Seit einiger Zeit treffen sich die Schmachtenhagener einmal im Monat an einen Stammtisch im Gasthof Niegisch. Der nächste Termin fällt auf den Gründonnerstag. Und dafür haben sich die Organisatoren etwas Besonderes einfallen lassen.

30.03.2018

Der Schlosspark macht sich fein für den Frühling: 16 000 Blumen pflanzen derzeit die Gärtner. Und das Osterwochenende wird vorbereitet.

30.03.2018
Anzeige