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Oberhavel Künstlerpaar fühlt sich wohl im Dorf
Lokales Oberhavel Künstlerpaar fühlt sich wohl im Dorf
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19:15 28.02.2017
Tristan (l.) und Claude Ferland Milewski im Musikstudio in ihrem Haus in Staffelde. Claude schrieb die Musik für den Film „Dream Boat“ seines Mannes Tristan. Quelle: Robert Tiesler
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Staffelde

Auf Mohrrüben stehen die Lamas auf dem Hof der Ferland-Milewskis total. Wenn sie das Gemüse sehen, kommen sie zügig angerannt. Seit dem Sommer 2014 leben Tristan und Claude Ferland Milewski in Staffelde, und die Lamas gehörten bald dazu. „Lamas sollten nicht alleine sein, man braucht eine Gruppe“, sagt Claude. „Das hat sich so ergeben.“

Wenn das Paar in Berlin erzählt, wo es wohnt, dann hagelt es Vorurteile. Ein schwules Ehepaar auf dem Dorf? Und dann auch noch Künstler? Kann das gut gehen? Die Antwort ist simpel: Es kann. Gut sogar. „Wir lieben Staffelde, und wir wurden ganz herzlich aufgenommen“, erzählt Tristan Ferland Milewski. „Hier herrscht eine ganz tolle Energie.“ Zuvor lebten sie lange in Berlin, in der Großstadt. „Wir hatten das Gefühl, wir müssen das verändern.“ Zwei Jahre waren sie auf der Suche, in Staffelde wurden sie endlich fündig.

Tristan (l.) und Claude Ferland Milewski bei ihren Lamas. Quelle: Robert Tiesler

Dort leben sie in einem außergewöhnlichen Haus. Es wirkt wie eine alte Scheune. Ein riesiger Flur, acht Meter hoch. Oben, an den Seiten befinden sich Nebenräume. Wer die Eheleute besucht, wird auch von den beiden großen Hunden empfangen.

Ganz schön frech! Quelle: Robert Tiesler

Claude stammt aus Quebec, Kanada. Als Musiker lebte er schon in New York, Paris und London, ehe er sich in Berlin verliebte. Gerade arbeitet er am vierten Album seiner Band „My Name is Claude“. Mit ihr tourt er durch Frankreich, Deutschland oder auch nach Moskau. Barockpop nennt er das, was die Band spielt, wobei das neue Album elektronischer werden soll.

Tristan und Claude lernten sich vor sieben Jahren in Berlin kennen, seit fünf Jahren sind sie verheiratet. Tristan stammt aus Berlin, lebte danach in vielen Regionen Deutschlands. Seit 1993 arbeitet er als Regisseur und Entwickler von Dokumentarfilmen und Musikvideos. 1999 begann er bei MTV Deutschland und porträtierte viele bekannte Musiker. Später war er verantwortlich für die Dokuformate bei Viva.

Ann-Marlene Henning in der Doku „Make Love“ von Tristan Ferland Milewski. Quelle: ZDF und Gebrüder Beetz

2012 arbeitete er erstmals an der Dokureihe „Make Love – Liebe machen kann man lernen“, die zunächst beim MDR, später im ZDF zu sehen war. Die Reihe war für den Grimme-Online-Award 2014 und für den Deutschen Fernsehpreis 2017 nominiert.

Gerade sorgte er auf der Berlinale mit seiner Doku „Dream Boat“ für Furore. „Die Vorführungen waren emotional, das Publikum hat gelacht und geweint“, erzählt er. Die Doku handelt von einer schwulen Kreuzfahrt entlang der Mittelmeerküste. „So ein Kreuzfahrtschiff ist ja ein Mikrokosmos. Knapp 3000 Männer aus unterschiedlichen Nationen waren dabei“, sagt Tristan Ferland Milewski. Schon vor zwei Jahren begannen dafür die Recherchen. Einige der Mitreisenden kommen in diesem Film zu Wort, der Zuschauer kann sie begleiten.

Szene aus der Doku „Dream Boat“. Quelle: Gebrüder Beetz Filmproduktion

„So eine Reise ist der Ort, wo viele das ausleben können, was ihnen sonst nicht möglich ist“, erzählt Tristan. „Klar, es ist eine kleine treibende schwule Insel, ein kleines Dorf mit allen Vor- und Nachteilen.“ Körperkultur spiele eine Rolle, Männlichkeit, Jugendideale. „Es gibt da Leute, die Spaß haben wollen, also Sex. Aber auch die, die Liebe suchen.“

Tristans Partner Claude hat die Musik für den Film komponiert – das erste größere Projekt, das die beiden gemeinsam bewältigt haben. Im Sommer soll der Film in die Kinos kommen, später läuft er bei arte. Der Sender ist gemeinsam mit dem ZDF Co-Produzent.

„Dream Boat“ kommt bald ins Kino und läuft später bei arte. Quelle: Gebrüder Beetz Filmproduktion

Neue Projekte warten schon – aber Staffelde hat sich in den vergangenen drei Jahren zu einem Ankerpunkt für die beiden entwickelt. „Wir gehören nicht zu den Leuten, die nur in dem Ort wohnen, aber nichts mit ihm zu tun haben wollen“, sagt Tristan. „Viele kommen her und leben dann in einer Kapsel.“

Das Kremmener Scheunenviertel mögen sie sehr. „Aber wir wünschen uns mehr Restaurants.“ Gern gehen sie auch in Oranienburg essen oder im Sommerswalder Forsthaus. „Der Kulturclash ist hier kleiner als in Berlin“, sagt Tristan. Berlin sei zwar cool, dass er aber Berlin lieben würde, könne Claude nicht behaupten.

Berlin ist laut, Staffelde ist ruhiger. Das merkt Claude sogar beim Komponieren für sein neues Album. „Das letzte war recht leise, ganz im Gegensatz zur Großstadt“, erzählt er. Ganz anders bei dem, an dem er gerade schreibt. Im leisen Dorf entsteht ein lauteres Album. So hat eben auch Staffelde Einfluss auf die Kunst.

Von Robert Tiesler

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