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„Künstliche Fische“ als Helfer der Wissenschaft

Marienthal „Künstliche Fische“ als Helfer der Wissenschaft

In der Marienthaler Trottheide wird erneut nach Schadstoffen gefahndet. Umweltexperten setzten am Freitag Messgeräte im See ein, die ähnlich auf Belastungen reagieren wie Fische.

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Albrecht Paschke zeigt eines der Gel-Bänder, mit denen in der Trottheide Stoffe aus dem Wasser gesammelt werden sollen. Per Boot wurden die bestückten Reusen auf den See transportiert.

Quelle: Fotos: Cindy Lüderitz

Marienthal. „Künstliche Fische“ nennt Albrecht Paschke vom Umweltforschungszentrum Leipzig die gefüllten Reusen, die er gestern in der Trottheide „versenkt“ hat. Ähnlich wie Fische reagieren die Instrumente auf bestimmte Stoffe im Wasser und speichern sie. An vier Messpunkten wurden die so genannten Passivsammler am Freitag ins Wasser gelassen. In den Gehäusen stecken gelartige Klebestreifen und ein weißer Stoff, der aussieht wie ein Wattepad. Wenn etwas im See ist, wird es daran Spuren hinterlassen. Drei Monate werden die Instrumente im See verbleiben und dann im Labor ausgewertet. Mit dieser neuen Untersuchungsreihe wollen Wissenschaftler helfen, die Frage nach einer möglichen Schadstoffbelastung des Tagebaurestloches zu beantworten, in dem vor mehr als zehn Jahren Unmengen Müll verscharrt worden sind. Begleitet wurde die gestrige Aktion von Mitarbeitern des Landesbergamtes sowie von Mitgliedern der Bürgerinitiative. Anwohner Günter Drangosch, der damals die verdächtigen Lkw in die Trottheide verfolgt, das Abladen des Mülls beobachtet und damit den Umweltskandal aufgedeckt hat, bleibt trotz der neuen Messung skeptisch: „Wir werden wohl erst in 80 bis 100 Jahren erfahren, wie sich die Abfälle im Wasser wirklich auswirken“, sagte er. Bislang konnten die Wissenschaftler keine Verunreinigungen oder gesundheitsgefährdenden Tendenzen nachweisen. „Der See hat eher ein Nährstoffproblem“, sagte Yvonne Kreutziger vom Institut für Wasser und Boden Dresden. Sie hat auch die Untersuchung 2015 begleitet, die aber zu einem späteren Zeitpunkt im Jahresverlauf – in November – und nur für die Dauer von sechs Wochen durchgeführt worden war. Eigentlich zu kurz, um stichhaltige Ergebnisse zu liefern. Die Passivsammler hatten keine auffälligen Stoffe gespeichert. Lediglich erhöhte Werte für einige Metalle wurden festgestellt. Für die Naturschützer waren diese Aussagen zu dünn, weshalb sie auf eine Wiederholung drängten.

Ergebnisse der neuen Untersuchung seien erst im nächsten Jahr zu erwarten. Im Spätsommer werden die Messinstrumente aus dem Wasser geholt. Die Auswertung dauert. „Wir hoffen, dass es diesmal eindeutige Erkenntnisse geben wird und wenn es gut läuft, sehen wir unsere Aufgabe als Initiative dann auch als erfüllt an“, sagte Sprecher Christian Albroscheit gestern. Es sei ohnehin nicht zu erwarten, dass der noch im See befindlich Müll jemals geborgen werde.

Von Cindy Lüderitz

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