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Kunst gegen Hass und Gewalt

Oranienburg Kunst gegen Hass und Gewalt

Seit Donnerstagabend ist auf dem Schlossplatz die Ausstellung „Sind die Wölfe zurück?“ des Brandenburger Künstlers Rainer Opolka zu sehen. Schon beim Aufbau der 32 Skulpturen am Vormittag blieben viele Interessierte stehen, sorgen die Autofahrer auf der Schlossbrücke für kleine Staus.

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Der Künstler Rainer Opolka beim Aufbau seiner Skulpturen. Mit den Oranienburgern will er die Wölfe vertreiben.

Quelle: Heike Bergt

Oranienburg. Sein Ziel hat Rainer Opolka am Donnerstagvormittag das erste Mal erreicht: Am Schlossplatz rollen die Autos nur zögerlich um die Ecke: Jeder schaute interessiert, was passiert da? Was sind das für übergroße, vierpfötige Gestalten, die sich da vorm Schloss versammeln? Interessierte schlendern heran, befühlen und bestaunen die aggressiven Wesen. Um 8 Uhr am Morgen waren zwei Tieflader vorgefahren: 32 Exponate gehören zur Ausstellung „Sind die Wölfe zurück?“, die am Abend durch den Künstler und den Bürgermeister eröffnet worden und bis einschließlich Pfingstmontag zu sehen ist. Rainer Opolka geht es darum, zu zeigen, wie Hass und Gewalt gegen Flüchtlinge zunehmen, Asylbewerberheime brennen, Ausländer geschlagen werden, „Rechtsmotivierte Straften nehmen zu. Ich möchte Nachdenklichkeit erzeugen, denn wo der Nationalismus überhand nimmt, wächst die Kriegsgefahr.“

Opolka stammt aus dem Ruhrpott. Der Vater war Bergmann. Er studierte Psychologie und Sozialwissenschaften, gründete 1993 mit seinem Zwillingsbruder Harald eine Firma, die LED-Metalltaschenlampe erfand. War damit sehr erfolgreich. Die Brüder verkauften ihre Anteile 2011, widmen sich seitdem dem Malen, Schreiben und politischen Kunstwerken wie der „Wolfsausstellung“. Wollen etwas der Gesellschaft zurückgeben.

Insgesamt 90 Wölfe, jeder bis zu 450 Kilogramm schwer und aus Bronze-, Eisen oder Messing gegossen, hat der Künstler geschaffen, die Ausstellung bereits viermal gezeigt. Nun in Oranienburg. „Denn Oranienburg ist anders“, so findet auch er und nahm die Einladung des Bürgermeisters gern an. „Mein Ziel ist, dass die Menschen über den zunehmenden Hass und die Gewalt ins Gespräch kommen. Mit mir und untereinander.“ Opolka, der heute bei Storkow lebt, ist bis Montag täglich vor Ort. Es gibt Broschüren zur Ausstellung, der er drucken ließ, und einen Gesprächstreff im Schatten der Bäume.

Opolka ist gespannt auf die Reaktionen und räumt ein, „die Wölfe gefallen meisten denen, die wir abbilden“. Acht Wolfsmotive gibt es: zum Beispiel den Anführer, den Mitläufer, den NSU-Wolf, den Blind Sodier. In drei Gruppen hat Opolka die Wölfe aufgestellt: In der Mitte im Rund, eine zweite Gruppe mit einem golden Anführer greift Louise Henriette an, die Stadtgründerin und Zugewanderte war. Etwas entfernt, aber ebenso bedrohlich, die drei Wölfe, die „Die Anklagende“ ins Visier nehmen. Opolka ist überzeugt, „wo gehetzt wird, wird später auch getreten“ und der „größte Feind der Demokratie ist die Gleichgültigkeit“. In Oranienburg, so hofft er, wird es nicht so kommen.

Bürgermeister Laesicke (SPD) findet das Pfingstwochenende „eine gute Gelegenheit, um genau darüber nachzudenken, ob wir die Bedrohung durch menschliche Wölfe, die symbolisiert werden, in unserer Gesellschaft dulden oder gar unterstützen wollen“. Am Dienstagmorgen verschwinden die Wölfe. Zumindest die der Ausstellung.

Von Heike Bergt

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