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Kunst statt Gebete

Ein Blick in die Kreuzbrucher Kirche Kunst statt Gebete

Die Kreuzbrucher Kirche wäre mit Sicherheit verfallen, wenn Horst Werner Schneider sie nicht gekauft und in vier Jahren saniert hätte. Inzwischen werden keine Gottesdienste mehr abgehalten, sondern über Kunst gefachsimpelt, musiziert oder gefeiert. Und ihr Besitzer hat schon weitere Pläne.

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Im Kirchenschiff finden Feiern, Lesungen und kleine Konzerte statt. Bald soll eine Bilderausstellung stattfinden.

Quelle: Fotos: Andrea Kathert

Kreuzbruch. Schlimm sah sie aus, die Kirche von Kreuzbruch. „Das war eher eine Ruine“, sagt Horst Werner Schneider und zeigt auf alte Fotos. Von einem Dach konnte man nicht mehr sprechen. Wie ein Gerippe ragten nur noch die blanken Holzbalken in den Himmel. „Aus dem Turm wuchst eine Birke.“ Die Fenster waren eingeschlagen Von der Inneneinrichtung wurde in den 1970er-Jahren immer mehr gestohlen. Und trotzdem. Horst Werner Schneider kaufte die Kirche von der Gemeinde, als Privatmann zusammen mit seiner Frau. Vor ihm hatten sich schon andere an dem 1878 errichteten Gotteshaus versucht, aber getan hatte sich nichts. Auch ein Förderverein zur Rettung alter Kirchen brachte es nicht fertig, das Haus wieder aufzubauen. Aber Horst Werner Schneider ist es gelungen, wie sich heute jeder im Dorf überzeugen kann.

„Das waren schon erhebliche Schäden, vier Jahre haben wir für die Sanierung gebraucht“, erinnert sich Schneider. Von 1998 bis 2002. Eigentlich wollte er die Kirche herrichten, um darin zu wohnen. Doch seine Pläne änderten sich. Nach Kreuzbruch ist das Ehepaar Schneider aber trotzdem gezogen, das war 1995. Drei Jahre zuvor hatte er ein riesiges Anwesen mit einem alten Park gekauft. Nein, er sei kein reicher Wessi. „Ich stamme aus Elbingerode im Harz“, sagt er. Und das Geld für seine ungewöhnlichen Pläne habe er sich selbst erarbeitet.

Bei der Sanierung der Kirche hat der 71-Jährige vieles selbst in die Hand genommen. Denn er ist nicht nur Patentanwalt, sondern auch Ingenieur für Tiefbau und Hochbau. Studiert hat er damals in Magdeburg an der Technischen Hochschule „Otto von Guericke“. 24 Jahre arbeitete und lebte er in Berlin. In Königs Wusterhausen hat Schneider zum Beispiel ein Städtebauprojekt mit 20 Häusern verwirklicht. Nach der Wende fand er sogar noch Zeit für eine Promotion an der Humboldt-Uni.

In Kreuzbruch baute er die gesamte Kirche um, natürlich nur innen und immer in Absprache mit dem Denkmalschutz. Im Kirchenschiff stehen jetzt alte Möbel und lange Tafeln, an denen schon Hochzeitsgesellschaften feierten. Im Altarraum spielte schon öfter die Hof-Blues-Band aus Hohen Neuendorf, mit deren Musikern Schneider befreundet ist. Eine kleine Küche, eine Toilette, eine Fußbodenheizung _ in der Kreuzbrucher Kirche kann sich kulturelles Leben abspielen.

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Horst Werner Schneider

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Die Dachkonstruktion hat Schneider vollkommen neu aufgebaut. Dadurch ist über dem Kirchenschiff ein 80 Quadratmeter großer Wohnraum entstanden, er ist vollkommen wärmegedämmt und mit einer Klimaanlage ausgestattet. Aus den Fenstern in der Dachschräge bietet sich ein malerischer Blick über die Landschaft. Die verglaste Empore, auf der einst eine Orgel stand, ist im Moment ein Büroraum, dahinter liegt das Badezimmer.

Die Ideen gehen dem 71-Jährigen offenbar nie aus. Er denkt über ein elektrisches Glockenspiel nach. Und darüber, dass man das Taufbecken, das im Moment im Liebenwalder Museum steht, wieder zurückholen könnte. Draußen neben der Kirche hat er eine Fläche pflastern lassen. „Da könnte man Festivals abhalten.“

Bis vor kurzem hatte Schneider die Räume an eine Firma vermietet. Die ist in der vergangenen Woche ausgezogen. Und nun macht er sich daran, seine nächsten Pläne in die Wirklichkeit umzusetzen. Es ist genug gearbeitet, jetzt will er sich eigentlich nur noch seinem Hobby widmen, und das lautet phantastischer Realismus. Schon viele Jahre beschäftigt sich der 71-Jährige mit Malerei. Einige seiner Bilder stehen bereits im Kirchenschiff. „Über Winter möchte ich eine Ausstellung zusammenstellen.“ Und wenn er in Brandenburg oder Berlin Talente findet, die sich auch dem phantastischen Realismus verschrieben haben, „dann können die auch hier in der Kirche wohnen.“

Von Andrea Kathert

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