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Oberhavel Lachen und lernen in der Busschule
Lokales Oberhavel Lachen und lernen in der Busschule
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12:21 16.09.2016
Linnea hat sichtlich Spaß bei den Demonstrationen von Polizeiobermeisterin Gabrele Röchert. Quelle: Helge Treichel
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Hohen Neuendorf

Einmal schleudert sie die Mappe in hohem Bogen durch die Klasse, ein andermal stolpert sie mit Blick zum Himmel aus dem Bus. Was Polizeiobermeisterin Gabriele Röchert den Abc-Schützen aus der Grundschule Niederheide in Hohen Neuendorf demonstriert, kommt bei den Kindern an. Im doppelten Sinne. Sie lachen lauthals, verstehen aber sofort wo der Fehler liegt.

Was die Grundschüler so spielerisch und mit durchaus komödiantischem Talent vermittelt bekommen, nennt sich Busschule. Die wird seit vielen Jahren gemeinsam von Polizei, Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OVG) und Verkehrswacht veranstaltet. Von den insgesamt 40 Grundschulen im Landkreis nehmen immerhin 35 mit insgesamt 86 Klassen daran teil, sagt Klaus-Dieter Berndt, Vorsitzender der Verkehrswacht Oranienburg. Sein Verein habe die Schulungen seit 1999 initiiert, nachdem es zwei Jahre zuvor einen tragischen Busunfall in Müncheberg gegeben hatte. Unterstützt werde die Verkehrswacht dabei von der Unfallkasse Brandenburg, die alle Materialien drucken lässt: einen Stundenplan mit wichtigen Verhaltenstipps, ein Malbuch zum Thema sowie einen Flyer für Eltern. Die Kinder erhalten als Teilnehmer einen Busschulausweis.

Vollbremsung: Die Kinder halten sich fest, die Puppe Fridolin jedoch fällt böse auf die Nase. Und das bei nicht einmal 10 km/h. Quelle: Helge Treichel

Zusätzlich zur Unterrichtsstunde im Klassenraum gibt es einen praktischen Teil. Dort erläuterte Busfahrer Rico Rossati sein eingeschränkte Sichtfeld hinterm Steuer – Stichwort: toter Winkel – sowie die Informationssysteme im Bus. Und Puppe Fridolin musste als Dummy dafür herhalten, was bei einer Gefahrenbremsung passieren kann. Wer sich nicht festhält, kann ganz böse auf die Nase fallen.

Die Busschule ist Teil einer Vereinbarung, die am Donnerstag von Klaus-Peter Fischer als Geschäftsführer der Oberhavel Holding und Lars Borchardt als Leiter der Polizeiinspektion Oberhavel unterzeichnet wurde. Die beiden Kreischefs von Polizei und Verkehrsbetrieb legen in der Ordnungspartnerschaft konkrete Maßnahmen fest. Deren Ziel ist es, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung, der Fahrgäste und Busfahrer der OVG zu erhöhen und ein zeitnahes polizeiliches Eingreifen zu ermöglichen. „Sicherheit soll objektiv erlebbar sein“, heißt es in der Präambel.

Lars Borchardt (l.) für die Polizeiinspektion Oberhavel und Klaus-Peter Fischer für die Oberhavel Verkehrsgesellschaft mbH (OVG) besiegeln ihre Zusammenarbeit. Quelle: Helge Treichel

Erreicht werden soll das, indem Busfahrer zum Beispiel Informationen zu Hilfeersuchen oder Vorkommnissen unmittelbar an ihre Leitstelle übermitteln. Die Polizeiinspektion gewährleistet ihrerseits, unverzüglich die erforderlichen polizeilichen Maßnahmen einzuleiten. Zudem werden die insgesamt 135 Fahrer der OVG mit ihren 85 Bussen regelmäßig über das Kriminalitäts- und Unfallgeschehen informiert. Diese Daten wiederum werden den Fahrern in halbjährlichen Schulungen vermittelt. Und: Im Zusammenhang mit den übrigen Maßnahmen zur Schulwegsicherung bieten Polizei und OVG jeweils zum Schulanfang die „Aktion Busschule“ an. 1500 bis 1800 Kinder nehmen jährlich daran teil. Bis nach den Herbstferien sollen die Termine mit den 35 teilnehmenden Grundschulen abgearbeitet sein, sagt Axel Gottwald. Der OVG-Mitarbeiter ist nicht nur für Tarife, Statistik und das Beschwerdemanagement zuständig, er koordiniert auch die Terminabsprachen.

Der öffentliche Personennahverkehr werde vorrangig von Senioren und Schülern genutzt, sagt Klaus-Peter Fischer. Aber die Schüler seien die größte Gruppe.

Polizeiobermeisterin Gabriele Röchert bei ihrer Arbeit mit den Abc-Schützen. Quelle: Helge Treichel

„Das ist eine Win-Win-Situation“

Klaus-Peter Fischer ist Geschäftsführer der Oberhavel Holding und somit Chef der OVG. Mit ihm sprach Helge Treichel.

MAZ: Warum gehen Sie eine Sicherheitspartnerschaft ein?

Klaus-Peter Fischer: Das ist eine Win-Win-Situation, bei der beide Parteien profitieren. Wir sind beide Dienstleister, die die Sicherheit im Straßenverkehr gewährleisten. Das bisherige Vertragswerk war elf Jahre alt und musste erneuert werden. Darüber hinaus gewinnt der Sicherheitsgedanke zunehmend an Bedeutung. Das zeigte vor sechs Jahren ein Forschungsprojekt zur subjektiven Sicherheit vor allem im Straßenverkehr. Dort sind unsere Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit der Polizei eingeflossen.

Was kostet das Projekt?

Fischer: Wir haben Mehrkosten, um das zu organisieren. Aber wir rechnen das bewusst nicht aus den betrieblichen Prozessen heraus, weil es so abgewertet würde.

Gibt es messbare Erfolge?

Fischer: Für Statistiken gilt immer: Es ist ein positives Zeichen, wenn sie keine Informationen haben, weil meist nur negative Aspekte in die Zahlen einfließen.

Von Helge Treichel

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