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Landrat legt Karten auf den Tisch

Asyl in Borgsdorf Landrat legt Karten auf den Tisch

Zur in Borgsdorf geplanten Gemeinschaftsunterkunft für 240 Asylbewerber hat Landrat Ludger Weskamp (SPD) in einer Bürgerversammlung erstmals konkrete Angaben gemacht. „Wir planen keine Erweiterung an diesem Standort“, sagte er. Deutlich weniger als die Hälfte des vorhandenen Waldes müsse für das Vorhaben gerodet werden.

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Zahlreiche kritische Bürgerfragen kamen in der voll besetzten Turnhalle zur Sprache.

Quelle: Foto: Robert Roeske

Borgsdorf. Sicher war bisher nur: 240 Asylbewerber sollen ab kommendem Jahr in einer noch zu errichtenden Gemeinschaftsunterkunft an der Margeritenstraße in Borgsdorf untergebracht werden. Landrat Ludger Weskamp (SPD) und seine Führungsriege machten am Donnerstagabend in einer Bürgerversammlung erstmals nähere Angaben zu den mit der Stadtverwaltung abgestimmten Plänen.

Asyl-Dezernent Matthias Rink (l) und Landrat Ludger Weskamp stellten die konkretisierten Pläne vor

Asyl-Dezernent Matthias Rink (l.) und Landrat Ludger Weskamp stellten die konkretisierten Pläne vor.

Quelle: Robert Roske

Danach sollen zwei zweistöckige Gebäude mit jeweils 120 Plätzen errichtet werden, bezugsfertig voraussichtlich ab April. Außerdem sind zwei Wäscheplätze sowie ein öffentlich zugänglicher Spielplatz vorgesehen, erläuterte der für Asylfragen zuständige Dezernent Matthias Rink (CDU), der zu diesem Zeitpunkt erst gut 30 Stunden im Amt war. Von den insgesamt rund 20 000 Quadratmetern des kreiseigenen Grundstücks seien 12 000 bewaldet. Davon würden 5000 Quadratmeter beansprucht, um die Gemeinschaftsunterkunft einzurichten. Auf der übrigen Fläche werde der Wald nicht gerodet, versicherte Landrat Weskamp. Und: „Wir planen keine Erweiterung an diesem Standort.“

Der im Sommer ebenfalls angekündigte Bau von „bezahlbarem Wohnraum“ auf dem Gelände sei „aufgeschoben, aber nicht aufgehoben“. Angesichts der stetig nach oben korrigierten Flüchtlingszahlen müsse sich der Landkreis zunächst auf deren Unterbringung konzentrieren. Laut eigener Schätzung würden im kommenden Jahr 2640 Asylbewerber in Oberhavel erwartet, 2015 noch 1279, wobei die Gesamtzahl bei 1920 liege. Insofern habe die Unterbringungskonzeption keine weißen Flecken mehr, sagte Matthias Rink: „Sie betrifft jede Kommune in Oberhavel, jede!“ Die vier Hohen Neuendorfer Stadtteile müssten sich bis Ende 2016 auf rund 800 Asylbewerber einrichten.

Das Haar in der Suppe gesucht?

140 Borgsdorfer nutzten in der Turnhalle die Gelegenheit, sich zu informieren und Fragen zu stellen. Die von Polizei und Security abgesicherte Veranstaltung verlief sehr sachlich. Allerdings schien es zeitweise , als würde

Die Interessierten vor der Alten Turnhalle in Borgsdorf

Die Interessierten vor der Alten Turnhalle in Borgsdorf. Am Eingang kontrollierten Sicherheitsleute die Ausweise.

Quelle: Robert Roeske

das Haar in der Suppe gesucht: Sind jetzt auch Arabisch-Kurse für Deutsche kostenlos? Verschlechtert sich jetzt der Service der Kreisverwaltung? Lediglich der Deutsch-Grundkurs werde bezahlt, der Aufbaukurs sei schon kostenpflichtig, sagte Ludger Weskamp. In seiner Verwaltung seien 30 Stellen ausgeschrieben, um niemanden von anderen Aufgaben abziehen zu müssen, so der Landrat. Und es wurde eine vierte Dezernenten-Stelle geschaffen. Die Kosten für die beiden Häuser in Modulbauweise übernehme der Landkreis, der diese ausdrücklich nicht über eine erhöhte Kreisumlage an die Kommunen weiterreiche. Vielmehr habe er die „klare Erwartungshaltung“, dass der Bund diese Landesaufgabe finanziert.

Privatgrundstück verliert an Wert?

Über Nacht habe sein Grundstück an Wert verloren, beklagte ein direkter Anwohner. Und schon jetzt sei der einzige Arzt in Borgsdorf überlastet. Mit einer Schadenersatzklage wegen des „Umweltvergehens“, drohte ein anderer. Die Nutzung von Waldflächen zum Bauen sei nichts Ungewöhnliches, hielt Ludger Weskamp entgegen. Der Sportplatz sei so gebaut, auch die Grundschule Niederheide. Für die medizinische Versorgung könnten die Asylbewerber gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu Ärzten fahren, sagte der Amtsarzt. Und der Grundstückspreis sei „erst relevant, wenn verkauft wird“, so Weskamp.

Der Landkreis könne Rahmenbedingungen schaffen, aber das Zusammenleben sei nur gemeinsam zu organisieren, appellierte der Landrat an die Zuhörer.

Dritter offener Brief des Bürgermeisters

Bürgermeister Klaus-Dieter Hartung (Die Linke) wandte sich am Freitagabend in einem 3. Offenen Brief zur Unterbringung von Asylbewerbern an die Bürgerschaft, abrufbar auf der Homepage der Stadt unter
www.hohen-neuendorf.de.

Darin fasst er einmal mehr seinen Kenntnisstand zu dem Thema zusammen, diesmal basierend auf den Informationen aus der Bürgerversammlung in Borgsdorf am Donnerstagabend.

Der Bürgermeister dankt allen Besuchern des Abends für die sachliche und kompetente Diskussion: „Ihre Fragen helfen uns, die Knackpunkte zu identifizieren und Lösungen zu entwickeln“, schreibt er.

Für offen gebliebene Fragen lädt Hartung alle Interessenten für Mittwoch, 30. September, von 16 bis 18 Uhr zum Bürgerdialog nach Borgsdorf in die Alte Halle (Bahnhofstraße 33) ein.

Von Helge Treichel

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