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Oberhavel Landratswahl Oberhavel: Sieg für Ludger Weskamp
Lokales Oberhavel Landratswahl Oberhavel: Sieg für Ludger Weskamp
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08:09 09.03.2015
SPD-Wahlparty mit Ludger Weskamp (l.). Quelle: Robert Roeske
Oranienburg

Sie hatten nochmal ordentlich gepowert. 17 Infostände im ganzen Kreis hatten SPD-Wahlhelfer am Sonnabend aufgebaut, mehr als 2200 rote Rosen an die Wähler verteilt. Am Sonntag reichte es aber für ihren Landratskandidaten Ludger Weskamp trotzdem nicht ganz: Zwar landete der 48-Jährige bei der Stichwahl mit 60,1 Prozent vor seinem Konkurrenten Matthias Rink (CDU), der auf 39,9 Prozent der Stimmen kam.

Neuer Landrat – und damit Nachfolger von Karl-Heinz Schröter (SPD) – ist er trotzdem noch nicht, weil nicht genug Oberhaveler für Weskamp gestimmt haben. Er vereinte rund 21.300 Stimmen auf sich, das waren etwa 5000 zu wenig. Verantwortlich dafür ist die Quorums-Regelung, laut der mindestens 15 Prozent der rund 175.000 wahlberechtigen Personen für einen Kandidaten stimmen müssten. Mit der Regelung soll verhindert werden, dass eine kleine Minderheit über die Wahl des Landrates entscheidet.

Auch die Wahlbeteiligung insgesamt war schwach, nur rund 20,7 Prozent waren an die Urnen der 228 Wahllokale gegangen. Schon zur ersten Landratswahl vor zwei Wochen waren nur knapp 30 Prozent der Wähler gekommen. Auch damals hatte Weskamp gewonnen und 38,1 Prozent der Stimmen geholt, doch das Quorum hatte er auch verfehlt. Deshalb war die Stichwahl zwischen Weskamp und Rink, der vor zwei Wochen 27,3 Prozent geholt hatte, nötig geworden.

Echt schwach: Gerade mal 20,7 Prozent der Wahlberechtigten haben heute bei der Landrats-Stichwahl in Oberhavel ihre Stimme abgegeben. Am Wetter kann es nicht gelegen haben. Aber woran dann?

Gepostet von MAZonline / Märkische Allgemeine am Sonntag, 8. März 2015

Verhalten war dann auch die Stimmung auf der Wahlparty der SPD im Bürgerbüro des Landtagsabgeordneten Björn Lüttmann. Rund 50 Genossen waren gekommen, um gemeinsam mit ihrem Kandidaten Ludger Weskamp die Auszählung der Ergebnisse zu verfolgen. „Wir gratulieren unserem gefühlten Landrat!“, rief der Oranienburger SPD-Chef Dirk Blettermann dann kurz nach 19 Uhr, als das Ergebnis feststand. Die Genossen applaudierten fast eine Minute lang. Weskamp lächelte, er zeigte sich pragmatisch. Er habe in beiden Wahlgängen deutlich vor seinem CDU-Konkurrenten Matthias Rink gelegen, das freue ihn. „Der Wermutstropfen ist allerdings, dass wir das Quorum nicht geschafft haben“, sagte der Sozialdemokrat. Das Problem sei, dass viele Oberhaveler sich nicht bewusst seien, wie wichtig das Amt des Landrats sei. Krankenhäuser, Schulen, öffentlicher Personennahverkehr – für solche Themen sei die Kreisverwaltung verantwortlich. Und das müsse man auch vermitteln. „Wir haben deshalb auch auf einen Wahlkampf vor Ort und den Dialog mit den Bürgern gesetzt“, sagte Weskamp. Man müsse nun diskutieren, inwiefern ein Quorum in Zukunft noch Sinn habe. „In Nordrhein-Westfalen gewinnt der, der im ersten Wahlgang die meisten Stimmen holt“, sagte Weskamp. Das sei eventuell auch ein Modell für Oberhavel.

Kommentar von Frank Pawlowski

Botschaft des Wahltages

Mangels Beteiligung ist gestern die Landratswahl in Oberhavel gescheitert. Da stellt sich die Frage: Brauchen wir überhaupt einen Landrat und seine Kreisverwaltung, die zwischen Land und Kommune angesiedelt ist? Dem Desinteresse der Wähler nach zu urteilen nein. Bau, Schulen, Jugendhilfe, Sportförderung, Verkehr, Wirtschaftsförderung – viele Aufgaben des Kreises könnten die Kommunen selbst erledigen, wenn sie personell und finanziell dafür ausgestattet werden. Wahrscheinlich klappt manches dann sogar besser. Und die viel beschworene Bürgernähe wäre gleich noch mit hergestellt. Das ist eine der Botschaften dieses Wahltages.

Wer nun neuer Landrat wird, müssen die Oberhaveler Kreistagsabgeordneten entscheiden. Bewerben kann sich jeder, der das 25. Lebensjahr erreicht und das 62. Lebensjahr noch nicht vollendet hat. Ludger Weskamp ist optimistisch, dass es dann zur Wahl des Landrats reichen könnte. „Das Wahlergebnis ist ja ein deutlicher Fingerzeig“, sagte er.

CDU-Wahlparty mit Matthias Rink (r.) Quelle: Robert Roeske

Auch Matthias Rink, der seinem Kontrahenten Weskamp gleich nach der Wahl gratuliert hatte, wird ihn wohl unterstützen. Immerhin, so Rink, gebe es im Kreistag zwischen CDU und SPD einen Koalitionsvertrag. „Es gibt eine klare Vereinbarung, dass der Kandidat unterstützt wird, der die meisten Stimmen holt. Und die CDU ist ein treuer Koalitionspartner“, sagte Matthias Rink. Er glaube zudem nicht, dass die anderen Fraktionen noch Kandidaten für die Wahl im Kreistag ins Rennen schicken werden. Enttäuscht zeigte sich Rink, dass er auch im zweiten Wahlgang deutlich verloren hatte. „Aber wenn ich mich frage, was wir im Wahlkampf hätten anders machen können, fällt mir nichts ein“, so der CDU-Mann.

Zu denken habe ihm die erneut schwache Wahlbeteiligung gegeben. Es könne nicht sein, dass die Stimmen nach mehr Bürgerbeteiligung immer lauter werden, aber immer weniger Leute zur Wahl gingen. Es müsse einen gesellschaftlichen Dialog über das Thema geben. „Wir müssen die Leute fragen,warum ihnen die Wahlen so egal sind, warum sie keine Lust darauf haben“, so Rink.

Von Marco Paetzel

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