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Der Mais könnte Regen vertragen

Landwirtschaft in Oberhavel Der Mais könnte Regen vertragen

Noch vor Wochen hörte man die Bauern jammern. Es werde keine gute Getreideernte, prophezeiten die Landwirte. Doch die Trockenperioden haben dem Getreide offenbar weniger geschadet als befürchtet. Die Erträge sind durchschnittlich. Der Mais könnte noch mal richtig Regen gebrauchen. Wahrscheinlich muss er zwei Wochen früher geerntet werden.

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Thomas Richter steht an dem Schlag, den er mehrmals bewässert hat. Hier sieht der Mais richtig gut aus.

Quelle: Andrea Kathert

Vehlefanz. Die großen Strohballen auf den Feldern verkünden es, die Getreideernte in diesem Jahr ist eingefahren. Eine Rekordernte wie im vorigen Jahr ist es nicht wieder geworden. Aber Grund zum Jammern haben die meisten Landwirte nicht. „Wir liegen etwa im Mittel der letzten Jahre“, kann Heidemarie Scholze, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Oberhavel, verkünden.

Diese Einschätzung kann Landwirt Thomas Richter nur teilen. Er habe ohnehin nicht zu denen gehört, die im Vorfeld rumgejammert hätten. Alles in allem ist der Geschäftsführer der LSV Landwirtschafts GmbH Vehlefanz ganz zufrieden. Unter den LPG-Nachfolgebetrieben gehört die LSV mit etwas mehr als 1000 Hektar Ackerland und 140 Hektar Grünland eher zu den kleineren Unternehmen. Thomas Richter setzt schon lange auf Wintergetreide. „Das ist für unsere Böden besser.“ Die Trockenheiten im Frühsommer können dem Wintergetreide nicht so viel anhaben, das steht dann in der Regel schon ganz gut auf dem Feld. Großflächig Hafer in der Gegend anzubauen, würde zum Beispiel nichts bringen.

Im vorigen Jahr konnten sich die Bauern freuen. Es gab eine Spitzenernte. „Dieses Jahr haben wir eine gute bis sehr gute Ernte“, schätzt Thomas Richter für seinen Betrieb ein. Die Erträge liegen ein wenig über dem langjährigen Mittel. „Unsere Ergebnisse sind nur ein wenig getrübt“, sagt der Geschäftsführer. Bei etwa einem Drittel seines Winterweizens lag der Proteingehalt nicht hoch genug, als das er als A-Weizen zu verkaufen gewesen wäre. Er wurde nur als B-Weizen eingestuft, was sich im Preis bemerkbar macht. So ganz kann sich Richter dieses Problem nicht erklären. Die Böden und die Düngung wären gleich gewesen. Aber der Landwirt wird schon noch herausbekommen, woran es lag. Trotzdem holte er mit 73 Dezitonnen Winterweizen pro Hektar einen ganz passablen Ertrag von seinen Feldern.

Bei der Wintergerste erntete er 72,7 Dezitonnen pro Hektar. Nur beim Roggen, der auf leichte Böden stand, fiel die Ernte mit 59,1 Dezitonnen pro Hektar nicht so gut aus. Dem war der Trockenstress offenbar anzumerken. Im Mai hatte es zwar mal 40 Liter pro Quadratmeter geregnet. Doch dann wurde es in diesem Frühsommer zweimal so richtig knapp mit dem Regen.

Die LSV hat Glück mit ihren Böden. Sie sind fruchtbarer als es für den Landkreis Oberhavel typisch ist. Das liegt daran, dass die Vehlefanzer Flächen in einem Endmoränengebiet liegen. In Schwante sind die Bodenwerte schon wieder schlechter.

Die LSV fährt gerade das letzte Stroh ein

Die LSV fährt gerade das letzte Stroh ein. Es wird in den Hallen an der Hauptstraße in Schwante eingelagert.

Quelle: Andrea Kathert

Im Moment lässt Thomas Richter die letzten Strohballen vom Feld holen. Und schon denkt er an die nächste Ernte, den Mais. 350 Hektar hat er auf eigenen Flächen angebaut, 250 Hektar wird er für die SL Gartenbau ernten. „Der Mais auf den trockenen Böden geht gerade noch so“, sagt Richter. Die Kolben sind wegen der Hitze im oberen Drittel nicht richtig ausgebildet. „Das wird keine besondere Ernte“, vermutet Richter. Weil die LSV den Mais nicht nur als Futter verwendet und Silage daraus macht, sondern auch die eigene Bio-Gasanlage damit bestückt, hat Thomas Richter vorsichtshalber 500 Tonnen Roggen eingelagert. Wenn der Mais nicht reicht, wird die Biogas-Anlage mit Roggen bestückt. Mit den Erlösen aus dem Getreide und der Stromerzeugung durch die Biogas-Anlagen „stopfen wir die Löcher bei den Schweinen und den Milchkühen“. Beim derzeitigen Milchpreis von 24 Cent ist das bitter nötig.

Von den 600 Hektar Mais werden 200 Hektar bewässert. Auf dem Schlag an der Autobahn in Wolfslake sind die großen Wasserfontänen zu sehen. Dreimal wurde der Mais schon beregnet, insgesamt etwa 60 Liter pro Quadratmeter. Dort sehen die Pflanzen richtig gut, sind zweieinhalb bis drei Meter hoch gewachsen und haben stattliche Kolben angesetzt. Nur Wasser alleine tut es aber auch nicht. „Man muss schon was für die Böden tun“, sagt Richter. Zum Beispiel Zwischenfrüchte anbauen.

Thomas Richter rechnet damit dass er den Mais zwei Wochen früher als geplant, also schon Mitte September, ernten muss. Sonst stimmt der Energiegehalt für das Futter nicht. Fünf Wochen wird es dauern, den gesamten Mais zu häckseln. Kräftiger regen könnte wirklich nichts schaden. Aber danach sieht es momentan nicht aus.

Die Ernte in Zahlen

Die LSV Landwirtschafts GmbH mit Sitz in der Perwenitzer Chaussee 2 in Oberkrämer hat in diesem Jahr auf mehr als 1000 Hektar (ha) Getreide und Mais angebaut.

Davon 160 Hektar Winterraps, 130 Hektar Winzergerste, 170 Hektar Winterweizen, 80 Hektar Winterroggen und 350 Hektar Mais. Der Rest sind stillgelegte Flächen. Hinzukommen 140 Hektar Grünland.

Die Fleischrinderfarm Vehlefanz GmbH, eine hundertprozentige Tochter der LSV, bewirtschaftet zudem extensiv 130 Hektar Grünland. Für die SL Schwanteland Gartenbau bewirtschaftet die LSV zusätzlich noch 500 Hektar Grünland.

Die Erträge der LSV in diesem Jahr sahen folgendermaßen aus. Winterweizen: 73,8 Dezitonne pro Hektar (dt/ha), Wintergerste: 72,7 Wintergerste dt/ha, Winterroggen 59,1 dt/ha, Winterraps: 37,3 dt/ha.

Die LSV hält außerdem Schweine und Milchkühe.

Von Andrea Kathert

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