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„Lasst uns einfach spinnen!“

Erste Bürgerwerkstatt zur Zukunftsstadt Gransee „Lasst uns einfach spinnen!“

Wochenlang wurde auf diesen Tag hingefiebert: Die erste Bürgerwerkstatt im Wettbewerb Zukunftsstadt Gransee ist jetzt Geschichte und brachte am Sonnabend interessante, mutige und auch schräge Ideen zutage, vom Baden im Geronsee bis zum freien W-Lan. 50 Teilnehmer beteiligten sich an den Diskussionen im Strittmattergymnasium und im Jugendklub.

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Auch Jugendliche beteiligten sich engagiert in der Bürgerwerkstatt.

Quelle: Uwe Halling

Gransee. Gransee Tonband, Kassetten, Kassettenrekorder, Kleinbilddias, eine 1,4-MB-Diskette - Manfred Richter kramte all die Sachen hervor, die vor 20, 25 Jahren hochmodern waren. „Wer hätte damals gedacht, dass all diese Dinge heute in ein Smartphone passen?“, fragte er am Sonnabend bei der ersten Bürgerwerkstatt für den Wettbewerb „Zukunftsstadt“. Nur vier Finger gingen nach oben. Für den Chef des Wettbewerbteilnehmers Gransee war dies die Bestätigung, dass es damals schon Visionen gab.

Sinn der Treffens am Sonnabend war es, in drei Altersgruppen erneut in die Zukunft zu blicken. „Spinnen wir einfach!“, sagte ein Mann der Gruppe „Ü 50“. Und das taten die rund 50 Damen, Herren und Jugendliche einige Stunden lang. Malten sich aus, was in 15 Jahren sein könnte, sollte und sein müsste. Und: worauf man verzichten kann. Schließlich war einer der Leitfäden: Zukunft geschieht nicht, Zukunft kann man gestalten.

Martina Witzlau wollte ursprünglich gar nicht nach Gransee. Aber durch die Studienlenkung ließ sich das nicht vermeiden. Anfangs wollte sie weg, aber das war gestern. „Jetzt will ich sehen, wie sich die Zukunft gestalten lässt“, so die Lehrerin. Für Ines Engelke ist die Freizeitgestaltung wichtig. „Hier sehe ich die Chance, mit mehr Veranstaltungen etwas zu tun für die Menschen.“ Das betrifft die Angebote genauso wie die für Kinder (“Mit meinem Enkel fahre ich auf einen Spielplatz aufs Dorf.“). Sie würde es schön finden, wenn die Leute irgendwann mal sagen würden: „In Gransee ist richtig was los!“ Dazu zählt auch die Wiederbelebung des Uhlmannstichs.

Baden war ein großes Thema: Die Mehrheit würde irgendwann mal wieder genüsslich in den Geronsee steigen. Maria Krippner und die anderen aus der Jugendgruppe sieht das genauso, befürchtet aber: „Das klappt bestimmt nicht.“ Rechtsanwältin Andrea Suhr wünscht sich die Belebung der Innenstadt. „Sie ist tot.“ Die Jugend kann sich gut vorstellen, dem Kirchplatz Leben einzuhauchen mit mehr Veranstaltungen. Mehr Cafés und Läden - das würde der Innenstadt gut tun. Keine Einkaufsmöglichkeiten wurden zum Beispiel in Menz und Neuglobsow festgestellt. „Wahrscheinlich müssen wir in dem Punkt auch von anderen lernen“, befand der Granseer Bürgermeister Mario Gruschinske. In anderen Ländern gebe es zum Beispiel schon Einkaufsautomaten. Er sieht den Tourismus derzeit noch nicht als Wirtschaftsfaktor der Region, würde das aber auch gern ändern. „Es gibt nur einen touristischen Hotspot - und das ist GoJump“, sagte Architekt Wolfgang Grassl. Er sieht, dass die Region neben der Marienkirche weitere Chancen hat, touristisch attraktiver zu werden. Diesen Eindruck teilte Marc Berger aufgrund jüngster Beobachtungen: „Bei 48 Stunden Oberhavel war Gransee die toteste Ecke.“

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50 Besucher kamen am Sonnabend zur ersten Bürgerwerkstatt in Gransee, um gemeinsam Ideen für das Leben in der Region in 15 Jahren zu entwickeln. Es gab viele Anregungen – vom Baden im Geronsee bis zum freien W-Lan in der Stadt und den Amtsgemeinden.

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Nachdem fast drei Stunden lang die Köpfe rauchten, wurden die Ergebnisse präsentiert. Bei den 14 bis 27-Jährigen ging es um solche Wünsche: Kletterpark, freies W-LAN, Disco für Jüngere, Skateboardbahn, Las-Vegas-Casino für Jüngere, Paintball, Radwege verbessern, optische Verbesserung des Bahnhofs, bessere Zusammenarbeit der Vereine, bessere Informationen über Veranstaltungen.

Die anderen beiden Gruppen verpackten ihre Visionen in Geschichten. Tilman Santarius erzählte vom Schlachtefest mit der muslimischen Gemeinde, selbstfahrenden Gefährten und vielen Cafés und Läden. René Jordan sieht die Zuhause-Schule und Gartenroboter vor seinem geistigen Auge, das in Deutschland künftig um 12 Uhr Feierabend ist und dass er mit einem Solarboot unterwegs ist. Mario Gruschinske lebt 2030 mit Kindern in einem energetisch selbstversorgtem Haus. Alle wichtigen Anlaufstellen wären binnen 30 Minuten (mit seinem Elektroauto) erreichbar. Die Stadt sei barrierefrei und das Kloster ein belebter Ort. Andreas Hirtzel badet im Geronsee und hat die Möglichkeit, im Halb-Stunden-Takt mit der Bahn nach Berlin zu fahren.

Ines Engelke und lieferte mit ihrer Gesprächspartnerin einen filmreifen Dialog hin, bei dem sich zwei Freundinnen nach 15 Jahren wieder in Gransee treffen. Lange Öffnungszeiten, verschwundene Spargelfelder, Superkonzert im Stechlinseecenter, die von einem Pakistaner geführte Bierquelle waren Schlaglichter des Auftritts, für den ein Zuschauer den „Kreativpreis“ vergeben wollte.

Ob die Wünsche vom Jugendlichen Leon Zickerich - Erlaubnis fürs Schwarzfahren mit eigenen Fahrzeugen, Schulpflicht nur bis zur 6. Klasse oder „es müsste hier auch attraktive Mädels geben“ - umzusetzen sind, blieb am Sonnabend unbeantwortet.

Nach Darstellung aller Ideen stand für Manfred Richter fest: „Das war ein großartiger Abschluss. Die tollen Ideen schreien danach, verfolgt zu werden!“

Der Wettbewerb

Phase 1 (Entwicklung der kommunalen Vision 2030+ – 2015/16): Es soll für Stadt, Stadtteil, Gemeinde oder Landkreis eine nachhaltige und ganzheitliche Vision (Zeithorizont 2030+) mit Bürgern, Ratsvertretern, Verwaltungsmitarbeitern, lokalen Verbänden, Stiftungen, Unternehmen und Wissenschaft entwickelt werden.

Phase 2 (Planungs- und Umsetzungskonzept der Vision 2030+ (2016/17): Um das Konzept der ersten Phase umzusetzen, werden die Ideen und Empfehlungen der Bürgerinnen und Bürger wissenschaftlich geprüft und gemeinsam mit ihnen weiterentwickelt. 20 der insgesamt 52 Kommunen kommen in Phase 2.

Phase 3 (Umsetzung der Vision in „Reallaboren“ (2018/19): Die dritte Phase widmet sich der Umsetzung der in der zweiten Phase entwickelten Konzepte. Dafür werden maximal acht Kommunen der zweiten Phase empfohlen.

Von Stefan Blumberg

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