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Oberhavel Lebensmittel und Kohlen sind knapp
Lokales Oberhavel Lebensmittel und Kohlen sind knapp
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00:21 11.02.2018
Die Lampe ermöglicht der Mutter das Nähen beim Warten. Quelle: Siegfried Herfert
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Birkenwerder

Vor 100 Jahren berichtet der „Briesetal-Bote“, Amtsbezirks-Anzeiger und Zeitung für Birkenwerder und die umliegenden Gemeinden, über die Schwierigkeiten bei der Versorgung der Bevölkerung im 4. Kriegswinter 1917/18.

In Birkenwerder und Hohen Neuendorf haben die Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen mit Unterstützung vieler Bürger durch die Organisation der „Bürgerspeisung“ und „Kriegsküche“ bereits 1917 versucht, die größte Not zu lindern. In Birkenwerder kann bei Abgabe des entsprechenden Abschnitts der Fleischkarte ein Mittagessen für 40 Pfennig abgeholt werden, die halbe Portion kostet 20 Pfennig. Abends gibt es eine Suppe. Der Bedarf ist kaum zu decken. In der Zeitung wird gemahnt: „Ein zu frühes Anstellen oder Drängen ist gänzlich zwecklos und zu vermeiden“.

Kriegskindergarten beim Schmied

Anfang November 1917 ist im Hause von Schmiedemeister Rehfeld in der Hauptstraße, die Schmiede in diesem schneereichen und kalten Winter ist warm, ein Kriegskindergarten für Kinder von 2 ½ bis 6 Jahre „von im Erwerbsleben stehenden Müttern“ eingerichtet worden. Eine Frühstücksschnitte und eine Schnitte für den Nachmittag müssen die Kinder mitbringen, ein Mittagessen für 20 Pfennige kann von der Bürgerspeisung bezogen werden. Für jedes Kind sind monatlich zwei Mark zu bezahlen. Auch für schulpflichtige Kinder wird Mitte November 1917 im Birkenwerderschen Schulhause eine Pflegestätte geschaffen, wo die Kinder in „wohldurchwärmten Räumen“ ihre Schularbeiten machen können. Nur wenige Tage nach Eröffnung weisen die Einrichtungen „so hohe Besuchsziffern auf, dass keine neuen Anmeldungen möglich sind“.

„Betteln“ mit Anzeigen

In welchen kriegsbedingten Notlagen sich viele Menschen befinden zeigen zwei Anzeigen mit der Bitte um Spenden, hier um Ziegenmilch und Eier. Grundnahrungsmittel erhalten die Bürger entsprechend der aufgerufenen Abschnitte der Bezugskarte bei dem Kaufmann, wo sie gelistet sind. Die Butterwochenmenge lag im August/September 1917 bei 80 g, sie beträgt ab 1. Jan. 1918 30 g, dazu 40 g Margarine.

Anzeige im Briesetal-Boten Quelle: Siegfried Herfert

Über die Fettversorgung im Winter schreibt der „Briesetal-Bote“ beruhigend: „Wo in Ausnahmefällen wirklich hier und da eine vorübergehende Knappheit eintreten sollte, wird durch reichliche Belieferung mit Marmelade ein Ausgleich geschaffen werden“. Im vorangegangenen „Steckrübenwinter“ war die bäuerliche Wruke zu einem Grundnahrungsmittel geworden, auch in diesem Winter steht die Rübe, längst zur „Speisekohlrübe“, „Gelben Schmalzkohlrübe“ oder „Zuckerrunkel“ aufgestiegen, zum freien Verkauf zur Verfügung.

Ein paar Süßigkeiten auf Zuteilung

Freudige Ereignisse waren Weihnachten 1917 das Angebot von einer Tafel Schokolade für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren, Leibnizkekse für Kinder bis 1 Jahr und Personen über 70 Jahre, 2 Stück Pfefferkuchen pro Person und „Würztunkenpulver“. Gries für Kranke wurde ausgegeben, wenn der Arzt Stärkungsmittel verschrieb. Im Januar 1918 ist 1 Stück Salzgurke auf Abschnitt 11 der blauen Lebensmittelkarte und im Februar bei Kaufmann Schulz in Hohen Neuendorf „Delikatess-Fischpudding“ im Sonderangebot.

Anzeige im Briesetal-Boten. Quelle: Siegfried Herfert

Besonders kritisch wirkt sich der zunehmende Mangel an Heizmaterial in den Haushalten und in allen Bereichen der Wirtschaft aus. Bereits 1917 mussten Berliner Museen und andere kulturelle Einrichtungen wegen Kohlenmangels schließen. Krematorien erhalten keine Kohlen mehr, das Erreichen der notwendigen Kremierungstemperaturen bereitet bei Holzfeuerung große Schwierigkeiten. Vorortzüge können immer öfter nicht mehr beheizt werden. Hier liegen technische Mängel vor, defekte Heizschläuche sind nicht mehr zu ersetzen. Pläne, dem Übel durch Auslegung geflochtener Strohmatten in den ungeheizten Abteilen abzuhelfen, sind illusorisch. Auch in Fernzügen ist es kalt, die ausgebauten Heizkupplungen müssen in Militärzügen eingebaut werden.

Hindenburgs erster großer Irrtum

Trotz der revolutionären Ereignisse in Russland und zu erwartender Folgen auf das Kriegsgeschehen haben zum Jahreswechsel die meisten Deutschen wenig Hoffnung auf baldigen Frieden. Zum Jahreswechsel lässt der „Briesetal-Bote“ Generalfeldmarschall Hindenburg zu Wort kommen: „Der Segen Gottes ruhte 1917 auf unseren Waffen. Er wird 1918 unsere gerechte Sache zu einem siegreichen Ende führen.“

Von Siegfried Herfert

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