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Leegebruch Ein Biberdamm legt die Muhre lahm
Lokales Oberhavel Leegebruch Ein Biberdamm legt die Muhre lahm
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18:45 08.06.2018
Ein Biber hat in der Muhre bei Leegebruch einen Damm errichtet. Quelle: Robert Roeske
Leegebruch

Fassungslos berichtete Leegebruchs amtierender Bürgermeister Martin Rother am Donnerstagabend in der Sitzung des Sozialausschusses von einem behördlichen Schreiben, mit dem der Gemeinde die Beseitigung eines Biberdamms in der Muhre (Moorgraben) bei Leegebruch untersagt wird.

Biberbau verstopft seit einer Woche die Muhre

Seit einer Woche sei bekannt, dass sich ein Biber im wichtigsten Abfluss Leegebruchs niedergelassen hat und mit seinem Bau dafür sorgt, dass die Muhre südlich davon nun nahezu trocken ist. Postwendend habe man die Untere Wasserbehörde informiert, so Rother. Diese wiederum habe die Informationen an den Wasser- und Bodenverband (WBV) sowie an die Untere Naturschutzbehörde (uNB) weitergeleitet. Noch im Bauausschuss am Mittwoch hoffte Bauamtsleiter Norman Kabuß auf eine positive Rückmeldung zur Beseitigung des Problems.

Der Biber ist eine streng geschützte Art

Doch der Biber steht unter Schutz. Daher sei es notwendig zu klären, so Landkreissprecherin Irina Schmidt, ob dieser Biberdamm Teil der geschützten Fortpflanzungs- und Ruhestätte einer bewohnten Biberburg ist. Sollte die Biberburg hingegen aufgegeben worden sein, ist der Schutzstatus des Biberdamms nicht gegeben. Schmidt: „Bislang ist bei dem gestellten Antrag weder dem Wasser- und Bodenverband noch der Unteren Naturschutzbehörde bekannt, ob und wenn ja, wo eine Biberburg existiert.“ Zudem stellte sie klar, dass bislang der Schriftverkehr ausschließlich mit dem Wasser- und Bodenverband „Schnelle Havel“ erfolgt sei und nicht mit der Unteren Naturschutzbehörde, wo auch kein Antrag eingegangen sei.

Naturschutzbehörde kann Ausnahmen zulassen

Somit sei von dieser auch nicht die Beseitigung des Biberdamms verboten worden, ergänzte Schmidt. Denn der Biber ist eine streng geschützte Art und die Beseitigung der geschützten Lebensstätte ist per Gesetz verboten und somit strafbar. Nur unter bestimmten Voraussetzungen kann die Untere Naturschutzbehörde eine Ausnahme auf Grundlage der Brandenburgischen Biberverordnung zulassen.

Biberverordnung nicht auf den Biberdamm in der Muhre anwendbar

Diese Verordnung sei allerdings auf den Biberdamm im Muhrgraben nicht anwendbar, teilte Landkreissprecherin Irina Schmidt weiter mit. Zur Prüfung der Voraussetzungen für eine Einzelfallentscheidung seien entsprechende Unterlagen erforderlich. Doch der WBV habe lediglich einen formlosen Antrag auf Anwendung der Biberverordnung für einen Biberdamm gestellt, so Schmidt, der in keiner Weise den gesetzlichen Anforderungen zum Erteilen einer Ausnahmegenehmigung entspreche und nicht vollständig war. Daher sei eine Entscheidung aufgrund der mangelhaften Antragsunterlagen noch nicht getroffen worden. Die Naturschutzbehörde habe daher die notwendigen Antragsunterlagen nachgefordert.

Landkreissprecherin erläutert das Prozedere

„Wir versuchen krampfhaft die Folgen einer Naturkatastrophe zu beseitigen und dann das. Wofür machen wir das eigentlich alles?“, brachte Rother seine Verzweiflung ob des Schreibens zum Ausdruck. Denn um solch eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen, soll die Gemeinde nun die qualitativen und quantitativen Schäden benennen und belegen, die durch den Biber eintreten könnten, erklärte die Landkreissprecherin. „Natürlich müssen nicht erst Schäden eintreten, um eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten.“ Konkret bedeute die Nachforderung, dass nicht reelle Schäden eintreten müssen, um eine Ausnahmegenehmigung für die Beseitigung eines Biberbaus zu erhalten. Es müsse vielmehr nachgewiesen werden, dass Schäden bei normalem Abflussverhältnissen eintreten werden, und dass diese eindeutig auf den Biberdamm zurückzuführen seien. Hierbei seien die konkreten örtlichen Gegebenheiten zu betrachten, um festzustellen, welche Auswirkungen durch die Lage des Biberdamms im Gewässer zu erwarten und die Auswirkungen nicht mehr hinzunehmen seien. Erst dann könne daraus schlussfolgernd gegebenenfalls über Teilabsenkungen, Drainagen oder auch die vollständige Beseitigung des Biberdamms entschieden werden. „Fachverbände wie der Wasser- und Bodenverband können die nachgeforderten Daten interpretieren und liefern“, sagte die Sprecherin des Landkreises.

Der stellvertretende Landrat sieht die Lage anders

„Da fehlen einem die Worte“, erklärte Rother, schließlich bringe das Tier bei erneutem Starkregen den ganzen Ort in Gefahr und mache die mühsame Aufbauarbeit des vergangenen Jahres zunichte. Der stellvertretende Landrat Egmont Hamelow sieht die Lage ein wenig anders: „Der Bürgermeister stellt einen Bezug zum Starkregen vom Vorjahr her. Das ist unseriös, denn die Überschwemmungen sind ohne den Biberdamm eingetreten. Geschützten Arten im Vorgriff auf solche möglicherweise erst in Jahrzehnten wieder auftretenden Ereignisse wie das Jahrhunderthochwasser von 2017 den Lebensraum dauerhaft zu nehmen, ist nicht zulässig. Sonst wären auch alle Bäume vorausschauend zu fällen, da bei starkem Sturm auch jeder Baum umfallen könnte.“

Bei akuter Situation wäre Beseitigung sofort zulässig

Hamelow schränkte jedoch ein, dass in einer akuten Situation eine Biberdammbeseitigung im Rahmen der Gefahrenabwehr sofort zulässig wäre. „Wenn die nachgeforderten Unterlagen des Wasser- und Bodenverbandes bei der Unteren Naturschutzbehöre eingegangen sind, wird eine schnelle Entscheidung erfolgen.“

Von Ulrike Gawande

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