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Leere Ställe am Traditionsstandort

Die Agrarproduktion Neuholland Leere Ställe am Traditionsstandort

Für jeden Landwirt ist es bitter, wenn er seine Tiere abschaffen muss. Auch den Neuholländern ist das sehr schwer gefallen. Gerade an ihrem Standort wurde seit 1650 Milch produziert. Doch mit den niedrigen Milchpreisen kam das Unternehmen nicht mehr zurecht und hat vielleicht gerade noch rechtzeitig die Notbremse gezogen.

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Nils Fischer, Geschäftsführer der Agrarproduktion Neuholland, musste die Milchkühe abschaffen und schaut trotzdem nach vorn.

Quelle: Robert Roeske

Neuholland . Wer von der Eismeerstraße in Neuholland auf das Gelände der Agrarproduktion GmbH fährt, den überkommt ein beklemmendes Gefühl. Leere Ställe, verlassene Boxen, keine einzige Milchkuh ist mehr zu sehen. „Seit 1650 wurde hier Milch produziert, wir sind ein Traditionsstandort“, sagt Nils Fischer. Jetzt nicht mehr. Die Agrar GmbH hat ihre Milchproduktion aufgegeben. Es ging nicht mehr, der Milchpreis war zu niedrig. Die Agrarproduktion hat jeden Monat einen niedrigen, fünfstelligen Betrag an Verlust eingefahren.

Am Jahresanfang standen noch 200 Milchkühe auf der Anlage. „Im Februar haben wir den ersten Schwung verkauft“, erzählt der 28 Jahre junge Geschäftsführer. Zum Glück sei den Tieren der Weg zum Schlachthof erspart geblieben. Die Milchkühe wurden nach Holland verkauft, die Nachzucht nach Ungarn. „Am Tag danach, als wir in die Ställe gekommen sind, das war schlimm, wir hatten richtig Gänsehaut“, schildert Nils Fischer.

 Gähnende Leere, hier standen einst 88 Kühe in einer Reihe

Gähnende Leere, hier standen einst 88 Kühe in einer Reihe.

Quelle: Robert Roeske

Für jeden Landwirt ist es bitter, seine Kühe abschaffen zu müssen. „Wir hatten gesunde Tiere, eine Supergenetik und eine vernünftige Leistung, so etwa 9000 bis 9500 Liter pro Kuh.“ Genauso bitter ist es, Leute entlassen zu müssen. Fünf Männer aus den Ställen und eine Frau aus der Verwaltung verloren ihren Job. „Zum Glück haben alle nahtlos wieder Arbeit gefunden.“ Auf der Milchviehanlage ist jetzt nur noch ein Stallmeister zuständig. Im Moment hat er nur noch 54 Tiere, die er noch aufpäppelt. Der Melkstand ist verwaist. Wenigstens die Milchtanks haben noch ein paar Euro gebracht.

Alles ist abgebaut

Alles ist abgebaut. Die Milchtanks haben noch ein paar Euro gebracht.

Quelle: Robert Roeske

„Das war schon eine schwere Zeit für uns“, sagt der Geschäftsführer. Aber im Nachhinein betrachtet, hat das Unternehmen gerade noch den Absprung geschafft. „Bei 24 Cent pro Liter Auszahlungspreis sind wir ausgestiegen“, sagt Fischer. Er möchte nicht in der Haut derer stecken, die im Moment 18 Cent pro Liter bekommen.

„Wir haben jetzt einen Mittelweg gewählt“, meint der Geschäftsführer. Schon immer hatten die Neuholländer eine Mutterkuhherde. 450 Tiere waren es einmal, jetzt sind es 300. „Und diese Herde stocken wir jetzt auf, wir wollen Fleischrinder mästen.“ Die Kühe stehen ausschließlich auf der Weide und bringen jedes Jahr ein Kalb. Es ist keine reinrassige, sondern eher eine bunte Herde, die mehr extensiv gezüchtet wurde. Die Neuholländer erfüllen sozusagen das idyllische Bild von der Landwirtschaft, grasende Kühe auf der Weide. Insgesamt 1000 Hektar Grünland hat die GmbH in Neuholland, Freienhagen und Liebenwalde. „Wir machen jetzt eine schöne extensive Produktion.“ Die Mutterkühe stehen auch auf Flächen im Naturschutzgebiet „Schnelle Havel“, wo nach strengen Richtlinien beweidet wird. Das passt mit den Mutterkühen. Am Standort wird nun der Ackerbau optimiert. Außer Fischer gibt es jetzt noch 18 Angestellte.

Es seien schon gewaltige Umstrukturierungen. „Die Milch war ein wichtiges Standbein für uns.“ Fleischrinder bringen nicht solche Erlöse, wie sie mit Milch zu erzielen sind. Die Neuholländer müssen auf Fördermittel setzen, zum Beispiel aus dem Kulturlandschaftsprogramm (Kulap). Zum Glück kam am vergangen Freitag eine Auszahlung.

Bei allem Dilemma ist das Unternehmen noch einigermaßen vernünftig aus der Misere gekommen. Am Traditionsstandort ist jetzt Feierabend. „Wir erholen uns wieder“, sagt Nils Fischer ganz zuversichtlich, „wir nehmen wieder richtig Fahrt auf.“

Von Andrea Kathert

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