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Oberhavel Letzte Ruhe zwischen Baumwurzeln
Lokales Oberhavel Letzte Ruhe zwischen Baumwurzeln
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16:41 05.04.2018
Silvia und Michael Brand aus Berlin haben sich einen „Paarbaum“ als letzte Ruhestätte ausgesucht. Friedwald-Försterin Irka Mohr (M.) berät das Paar, das seit 35 Jahren verheiratet ist. Quelle: Helge Treichel
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Summt

Noch vor 16 Jahren war die Idee der Naturbestattung undenkbar. Da wurde jeder belächelt, der sich im Wald beerdigen lassen wollte. Das wisse sie aus eigener Erfahrung, sagte Petra Bach, Geschäftsführerin der Friedwald GmbH. Und deshalb sei es noch immer eine Besonderheit, dass am Freitag am Nordufer des Summter Sees der 58. Friedwald in Deutschland feierlich eröffnet werden konnte. Mit dabei: Christian Lorenz, vielen besser bekannt als „Flake“. Der 50-Jährige Rammstein-Musiker, der in Mühlenbeck ein Grundstück hat, bezeichnet seine Entscheidung für einen eigenen Baum im Friedwald als „Problemlösung“. „Ich wollte nichts mit Kirche machen“, begründet er seine Wahl.

Der Musiker Christian Lorenz lässt sich von Friedwald-Försterin Irka Mohr die Modalitäten erläutern. Quelle: Helge Treichel

Gemeinsam mit Bürgermeister Filippo Smaldino-Stattaus, Olaf Magritz vom Landesbetrieb Forst Brandenburg und Anwohner Günter Krahn pflanzte die Geschäftsführerin den Eröffnungsbaum, eine Blutbuche. Zuvor hatten Pfarrerin Heike Kraftscheck und Pater Thomas Treutler aus Berlin den neuen Bestattungswald geweiht. Der hat eine Größe von 14 Hektar. Die Fläche war vom Landesforstbetrieb im vergangenen Sommer an die Friedwald GmbH verpachtet worden, für 99 Jahre. Damit entstehe der vierte Friedwald in Brandenburg und der zweite auf einer Landesfläche, sagte Olaf Magritz. Pro Hektar würden etwa 85 Bäume als Bestattungsbäume auserkoren. Sie würden forstlich bevorzugt behandelt, damit sie besonders gute Wachstumsbedingungen haben.

Ansprache und Zeremonie mit Pfarrerin Heike Kraftscheck auf dem Andachtsplatz. Quelle: Helge Treichel

Die Friedwald GmbH mit Sitz in Griesheim sorgt künftig im Auftrag der Gemeinde Mühlenbecker Land, die Träger des Naturfriedhofes ist, für den gesamten Betrieb und koordiniert sämtliche Aktivitäten. Hierzu zählen neben den regelmäßigen Schulungen der Förster die terminliche und verwaltungstechnische Betreuung und die Öffentlichkeitsarbeit. Ein Pflegeplan zum Friedwald in Summt wird einmal jährlich mit dem zuständigen Revierförster abgestimmt. Der erste Friedwald-Standort und der bundesweit erste Bestattungswald überhaupt war im November 2001 bei Kassel geweiht worden.

Wegweiser in Summt. Quelle: Helge Treichel

Ideengeberin für den Friedwald im Mühlenbecker Land sei vor sechs Jahren Anne Bleumer gewesen, sagte der Bürgermeister Smaldino-Stattaus. Ruhe, Harmonie und der ständige Wandel im Wald könne Trost für Angehörige sein. Er selbst habe bereits einen „sehr würdevollen Abschied“ dieser Art erlebt. Bei der Suche nach einem passenden Standort habe die Verwaltungsspitze vor zwei Jahren eine Radtour gemacht. Den Teilnehmern sei just in Summt „die Luft ausgegangen“ – im wahren Wortsinn. Dieser Ort sei für gut befunden und in der Gemeindevertretung trotz berechtigter Bedenken mehrheitlich bestätigt worden.

80-jährige Buchen bestimmen das Bild des Waldes, der auf den ersten Blick wie andere Wälder auch aussieht. Doch zwischen den Wurzeln eines Baumes können Menschen hier ihre letzte Ruhe finden. Als zentraler Ort des Gedenkens und Erinnerns wurde ein Andachtsplatz geschaffen. Dieser ist mit einem Rednerpult und Sitzbänken ausgestattet sowie mit einer Urnenstele aus einer Kiefer mit markanten Harzlachten. Weitere Bänke sind im gesamten Wald verteilt.

Die Pflanzung des Eröffnungsbaums, einer Blutbuche. Quelle: Helge Treichel

Die Betreuung der Besucher im Wald ist Aufgabe von Friedwald-Försterin Irka Mohr. Sie berät bei der Auswahl von Bäumen, begleitet Beisetzungen und stellt bei Waldführungen das Naturbestattungskonzept vor. Die nächsten Termine sind der 13. und 27. Mai sowie der 10. und 24. Juni, Beginn ist jeweils um 14 Uhr. Anmeldungen werden unter der Rufnummer 06155/84 82 00 entgegen genommen.

Waldführung. Quelle: Helge Treichel

Für Bestattungen zur Verfügung stehende Bäume sind im Friedwald durch farbige Bänder gekennzeichnet. Bäume, an denen Menschen bereits ihre letzte Ruhe gefunden haben, tragen häufig Namenstafeln. Über ein Register ist jedes Grab auffindbar. Dieses Konzept lockte am Freitag mehrere Dutzend Interessenten nach Summt. Viele haben sich bereits für eine Naturbestattung entschieden, mache suchten sich gleich einen Baum aus. Die Preise für Gemeinschaftsplätze beginnen bei 770 Euro, für Familien- und Freundschaftsbäume bei 3350 Euro. Ein Partnerbaum kann ab 2700 Euro erworben werden. Am günstigsten ist der Basisplatz für 490 Euro.

www.friedwald.de

Anwohner Günter Krahn , Bürgermeister Filippo Smaldino-Stattaus, Friedwald-Geschäftsführerin Petra Bach und Olaf Magritz vom Landesbetrieb Forst Brandenburg (v. l.) stoßen auf die erfolgreiche Baumpflanzung an. Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel

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