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Liebenwalde Angekommen in ihrem Revier
Lokales Oberhavel Liebenwalde Angekommen in ihrem Revier
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19:08 16.08.2018
Am liebsten ist sie mit dem Fahrrad unterwegs, Polizeioberkommissarin Julia Kottwitz, die neue im Revier.. Quelle: Andrea Kathert
Liebenwalde

Sie ist angekommen in ihrer Amtsstube, in ihrem Revier und bei den Menschen, um die sie sich jetzt kümmert. Julia Kottwitz ist die neue Revierpolizistin von Liebenwalde. Mit einem strahlenden Lächeln sitzt sie hinter ihrem Schreibtisch. Jeden Dienstag ab 16 Uhr hat sie Sprechstunde. „Aber ich bin immer schon eine Stunde vorher hier“, sagt sie. „Das wissen die Leute auch schon.“ Die Leute wussten auch schon lange, dass sie die neue Revierpolizistin von Liebenwalde wird. Ihr Vorgänger Franz Cerny hatte die Liebenwalder gut vorbereitet. Und er hatte noch einige Wochen Zeit, seine junge Nachfolgerin einzuarbeiten. „Ich bin froh über die Zeit, die wir zusammen hatten“, sagt Julia Kottwitz.

Immer noch Kontakt

Sie ist in große Fußstapfen getreten. Bis heute hört sie von den Liebenwaldern: „Ja, der Herr Cerny hat sie schon angekündigt, das war ein liebenswerter Mensch.“ Es vergeht kein Tag, wo die Revierpolizistin merkt, dass Cerny fehlt. „Wir sind noch in Kontakt“, erzählt sie. Vielleicht gut zu wissen, dass sie ihn sicherlich um Rat fragen kann.

Obwohl die 42-Jährige den Eindruck macht, als stünde sie mit beiden Beinen im Leben. Seit März ist sie nun die Ansprechpartnerin für die Menschen in Liebenwalde und allen Ortsteilen, die dazu gehören. Und die Leute kommen auch zu ihr.

Die Liebenwalder bitten sie um Rat

Fünf bis sechs stehen jeden Dienstag vor ihrer Tür am Marktplatz 9. Ihr Dienstzimmer liegt im Erdgeschoss des Hauses, das einst das alte Postamt beherbergte. Die hölzerne Trennwand im Flur erzählt noch von diesen alten Zeiten.

Etwas karg sieht es in ihrem Büro noch aus. Quelle: Andrea Kathert

Das Büro der 42-Jährigen hingegen sieht recht nüchtern aus. Für Blumen hat sie nicht so grüne Daumen, für Bilder an der Wand gab es noch keine Zeit. Das einzige, was im Büro zu sehen ist, sind ein paar Kinderzeichnungen und ein selbstgebasteltes Polizeiauto, das ihr Franz Cerny hinterlassen hat. Dafür hat sie einen wunderbaren Blick direkt auf die Kirche. „Ach, meine Prioritäten sind eher draußen“, lacht sie bei einem Blick durch ihr Büro.

Ruhige Tage hatte sie bisher eher selten. Die Baustelle in Liebenwalde hielt sie auf Trab. „Das war schon eine Herausforderung.“ Die Liebenwalder hätten es sehr persönlich genommen, dass sich niemand an die Beschilderung gehalten hat. „Ich habe oft an der Kreuzung gestanden.“ Manchmal holte sie sich auch Verstärkung.

In den Sprechstunden ist auch immer was los. Die meisten kommen mit Nachfragen. Manche haben Ärger mit dem Ex-Freund. „Man weiß nie, was so kommt.“ Einigen Leuten kann die Revierpolizistin schon mit ein paar Tipps oder Informationen zu Beratungsstellen helfen. Und was sie selbst nicht weiß, recherchiert sie nach und gibt den Leuten später eine Antwort.

Endlich ist das richtige Rad gefunden, die Ausrüstung komplett. Quelle: Andrea Kathert

Julia Kottwitz ist viel zu Fuß unterwegs. Oder mit dem Fahrrad. Das von Franz Cerny war ihr zu groß. Jetzt hat sie nach mehreren Tauschaktion das richtige für sie gefunden. Ihr Dienst startet erst mal im Büro am Marktplatz. Dort schaut sie nach, was so los war. Falls sie es nicht schon aus der Kita weiß, wo sie zuvor ihre Tochter abgegeben hat. Das meiste spielt sich telefonisch oder per Mail ab. Wer nicht zu ihr kommen kann, den sucht sie persönlich auf.

Julia Kottwitz kommt aus dem Harz

Dass sich Julia Kottwitz in Liebenwalde wohl fühlt, ist eigentlich gar nicht so selbstverständlich. Schließlich stammt sie aus Goslar im Harz. Dort ist sie als Hochhauskind bei ihrer Mutter groß geworden. 1995 machte sie Abi, lernte Bürokauffrau und wusste schon nach drei Monaten: Das war nicht ihr Ding. Doch sie biss sich durch die Lehre und übernahm 1998 in Braunschweig als Angestellte eine Schwangerschaftsvertretung bei der Kripo. Der Polizeihauptkommissar, mit dem sie jeden Tag zur Arbeit fuhr, sagte irgendwann zu ihr: „Mach das doch mal richtig.“

Gesagt getan. Sie bewarb sich bei der Polizei, war nach drei Jahren Kommissarin und ging zur Bereitschaftspolizei nach Lüneburg. In Goslar aber lernte sie ihren Mann kennen. „In einer Eisdiele“, schmunzelt sie. Jeder, der Julia Kottwitz kennt, weiß um ihre Leidenschaft für Eis. Und wegen der Liebe zu ihrem Mann zog sie schließlich 2005 nach Brandenburg und arbeitete in der Hundertschaft in Oranienburg.

Hier ist die Revierpolizistin zu finden. Quelle: Andrea Kathert

Den Wechsel hat sie nicht bereut. „Hier muss man nicht bergauf radeln“, lacht sie. „Alles ist gerade, glatt und es gibt viel Wald.“ Den Wald hat sie nun direkt vor der Haustür. Denn in Kreuzbruch hat sich die Familie eine alte Hofstelle ausgebaut. Dort lebt Julia Kottwitz seit 2010, mit ihrem Mann und drei Kindern.

Ab Montag wird sich allerdings das Leben der Familie ein wenig ändern. Die große Tochter wird am Sonnabend eingeschult. Dann wird sie die ersten Neuigkeiten wohl aus der Schule hören. Um so besser, dass sie nun die Revierpolizistin ist.

Was die Liebenwalder betrifft, kann Julia Kottwitz nur sagen: „Sie sind sehr offen und sehr freundlich.“ Es sei erstaunlich, dass sie gar nicht skeptisch waren, was ihre Person betrifft. „Mir gefällt eigentlich alles hier, die Menschen, die Gegend.“ Sie habe nichts zu meckern. „Die Liebenwalder sollen so bleiben, wie sie sind“, sagt Julia Kottwitz und strahlt wieder über das ganze Gesicht.

Von Andrea Kathert

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