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Liebenwalde Haben Tierschützer Schuld? Milchkühe sterben qualvollen Tod
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01:17 13.09.2018
Bis Montagabend waren rund 20 Kühe in Liebenwalde an zu viel Kraftfutter und deren Folgen für die Leber der Tiere verendet. Quelle: Bert Wittke
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Liebenwalde

Auf dem Gelände der Gut Hammer-Liebenwalde GmbH spielen sich seit der Nacht von Sonnabend zu Sonntag dramatische Szenen ab. Unbekannte haben sich in dieser Zeit an den dortigen Stallungen zu schaffen gemacht. Mit tödlichen Folgen, wie sich später herausstellte.

Am Sonnabend war noch alles in Ordnung. Da hatte gegen 20 Uhr der letzte diensthabende Mitarbeiter die Anlage verlassen. Doch dann müssen sich einige Personen Zutritt zu dem Gelände an der Liebenwalder Hammerallee verschafft und die Tore der Ställe geöffnet haben. Das Resultat war verheerend. Die in Gruppen gehaltenden Tiere liefen kreuz und quer übers Gelände. Fütterer Mario Schulze war der Erste, der das Durcheinander gegen 2.30 Uhr bemerkte. In Windeseile wurden die Geschäftsführung und weitere Mitarbeiter alarmiert. Es gelang schließlich mit viel Mühe, die Tiere wieder in die Ställe zu treiben.

Kuhsterben im September 2018 in Liebenwalde und Tierarzt Karsten Schlaefer aus Fürstenberg Quelle: Bert Wittke

Doch noch schlimmer als das Durcheinander von Tieren war die Tatsache, dass sich zahlreiche Kühe über das Kraftfutter hergemacht haben, das auf dem Gelände lagert. Statt der rund zwei Kilogramm, die sonst in der Regel pro Tag zugefüttert werden, haben einige Kühe in kürzester Zeit bis zu zehn Kilogramm gefressen. Mit katastrophalen Folgen.

Tierarzt Karsten Schlaefer aus Fürstenberg betreut die Liebenwalder Kühe. Mit Injektionen versuchte er am Montag erkrankten Tieren zu helfen. Quelle: Bert Wittke

„Zu viel Kraftfutter“, so erklärt Karsten Schlaefer, „führt dazu, dass das Verdauungssystem im Pansen empfindlich gestört wird.“ Es komme, so der Tierarzt aus Fürstenberg, zu einer Übersäuerung im Pansen, was wiederum zum Absterben lebenswichtiger Bakterien führt. Die Folge sei eine Vergiftung der Leber. Betroffene Tiere ringen oft stundenlang mit dem Tod. Um sie von ihrem Leiden zu erlösen, so hieß es am Montagmorgen in Liebenwalde, würden Kühe, denen nicht mehr geholfen werden könne, getötet. Bis Montagabend wurden in der GmbH in Liebenwalde rund 20 tote Kühe gezählt.

Tiere, bei denen die Vergiftung augenscheinlich noch nicht so weit fortgeschritten ist, erhalten Injektionen und werden „auf Diät gesetzt“. Das heißt, dass sie vorerst nur Heu bekommen. Auch das bereitet der Gut Hammer-Liebenwalde GmbH Kopfzerbrechen. Infolge des heißen Sommers habe nicht genügend eigenes Heu gemacht werden können, sagt Anja Schiemann. Deshalb, so die Geschäftsführerin der Liebenwalder Agrar GmbH, seien die Winterreserven ohnehin knapp bemessen. Nun werde weiteres Heu benötigt, was die GmbH teuer einkaufen müsse. Kühe, die die akute Erkrankung überstehen, geben in der Folgezeit über einen längeren Zeitraum weniger Milch. Das bedeutet für die Liebenwalder neben dem Ausfall der toten Tiere weitere wirtschaftliche Verluste. Seit dem 1. Januar 2016 ist die Gut Hammer-Liebenwalde GmbH, die ein Bestandteil der Liebenwalder Agrar GmbH ist, ein Bio-Betrieb und liefert täglich etwa 6000 Liter Milch an die gläserne Meierei in Münchehofe (Kreis Dahme-Spreewald), die daraus Bio-Milch, Bio-Joghurt und Bio-Quark macht.

Auf dem Gelände der Gut Hammer-Liebenwalde GmbH rangen am Montagvormittag etliche Kühe mit dem Tod. Quelle: Bert Wittke

Anja Schiemann und ihre Mitstreiter rätseln, wer hinter dem furchtbaren Anschlag stecken könnte. Der erste Gedanke waren, dass es womöglich Tierschützer gewesen sein könnten. Die, so die Geschäftsführerin der Liebenwalder Agrar GmbH, hätten dann aber genau das Gegenteil erreicht und seien für den Tod zahlreicher Tiere verantwortlich. „Wenn Leute glauben, unsere Kühe müssten den ganzen Tag im Stall stehen, irren sie gewaltig“, sagt Anja Schiemann und fügt hinzu. „Die Tiere sind täglich sechs bis acht Stunden auf den Weideflächen, die sich unmittelbar an die Stallungen anschließen.“ Dies werde schon deshalb peinlich genau beachtet, weil man sich sonst nicht Bio-Betrieb nennen dürfe. Wer aber hat dann ein solches Trauerspiel inszeniert? Gegen einen Dummen-Jungen-Streich spricht die Tatsache, dass die Täter die Stalltore nicht einfach nur geöffnet haben, sondern die Türen auch auf sehr professionelle Art und Weise vor einem Zuschlagen gesichert haben.

Die Kühe der Gut Hammer-Liebenwalde GmbH verbringen täglich zwischen sechs und acht Stunden draußen auf den Weiden, die unmittelbar an das Firmengelände angrenzen. Quelle: Bert Wittke

Seit die Liebenwalder Agrar GmbH existiert, habe es noch keinen ähnlichen Vorfall gegeben, bekräftigt Anja Schiemann. Nach diesem Anschlag werde das Unternehmen nun aber die Sicherheitsvorkehrungen erhöhen. Zu groß seien die finanziellen Verluste. Der Sofortschaden, der auf rund 40 000 Euro geschätzt wird, werde sich in den kommenden Wochen und Monaten durch weitere Tierverluste, den Nachkauf von Heu und Kosten für zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen noch erhöhen. Zudem müsse bei den Tieren mit weiteren Folgeerscheinungen bezüglich der Milchleistung, der Fruchtbarkeit und der Gesundheit der Tiere gerechnet werden. So könnten etwa Erkrankungen an den Klauen auftreten.

Aus all diesen Gründen ist die Liebenwalder Agrar GmbH sehr an einer Aufklärung dieses Anschlags interessiert und hat für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro ausgesetzt. Dazu ist natürlich Anzeige bei der Polizei erstattet worden.

Von Bert Wittke

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