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Liebenwalde Gegen neue Wohnsiedlung: „Wir wollen ein Dorf bleiben!“
Lokales Oberhavel Liebenwalde Gegen neue Wohnsiedlung: „Wir wollen ein Dorf bleiben!“
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18:30 17.04.2019
Ortsvorsteher Bodo Klein gab sein Statement ab: „keine neuen Wohnhäuser in Neuholland“. Quelle: Stefan Blumberg
Neuholland

Dem Investor des anvisierten Wohnungsbauprojektes in Neuholland bläst kräftiger Gegenwind ins Gesicht. Die Neuholländer lehnen das Vorhaben ab – der Ortsbeirat entschied sich einstimmig dagegen und empfiehlt eine Ablehnung, die Einwohner machten auch deutlich, dass sie die neue Wohnsiedlung nicht wollen. 75 Einwohner waren am Dienstagabend ins Gemeindehaus gekommen, um sich die Präsentation anzuhören. „So viele Gäste hatten wir zuletzt, als es vor Jahren um den Ausbau des Liebenberger Damms ging“, sagte Ortsvorsteher Bodo Klein.

D. Yilmaz, Architektin. Quelle: Stefan Blumberg

Architektin D. Yilmaz und Gesellschafter M. Tosun vom in Berlin ansässigen Unternehmen BKFI Zweite Beteiligungsgesellschaft erläuterten die Idee und den Werdegang ihres Vorhabens in Neuholland. Ihren Vorstellungen nach sollen parallel zum Pappelweg – hinter der jetzigen Wohnbebauung – 25 Einfamilienhäuser entstehen. Dafür habe das Unternehmen etwa 18 000 Quadratmeter Ackerfläche gekauft. Die zwei- bis dreigeschossigen Einfamilienhäuser würden sich ins Ortsbild einpassen. Die Häuser mit je zwei Stellflächen für Autos  sollen  in zwei Reihen gebaut werden, sie hätten eine Wohnfläche von je etwa 186 Quadratmeter. Die Grundstücksgröße variiert und liegt zwischen knapp 500 und 860 Quadratmeter. „Wir wollen mit unserem Projekt die Stadt Liebenwalde bereichern, in dem wir Wohnungen zur Verfügung stellen. Die Zielgruppe sind Familien“, sagte D. Yilmaz, die es untersagte, Abbildungen von den Plänen abzudrucken.

96 Prozent der Flächen für Bebauung sind verplant

Ortsvorsteher Bodo Klein bremste die beiden BKFI-Vertreter aus: „Die Leute aus dem Pappelweg zogen hierher, weil sie wussten, dass sie am Ortsrand wohnen würden. Das hätte sich mit den neuen Häusern erledigt. Und wir müssen sagen, dass es unsere derzeitige Infrastruktur nicht hergibt, so viele Leute in Neuholland anzusiedeln. Wir kommen gar nicht hinterher, ich denke da nur an die vollen Kitas in der Stadt.“ Und er stellte klar: „Wir wollen ein Dorf bleiben!“ Der Ortsvorsteher bekam dafür Applaus. Die stellvertretende Bürgermeisterin Martina Schnur erklärte den Ablauf so eines Vorhabens: Es müsse durch mehrere Gremien: den Ortsbeirat, die Fachausschüsse und Stadtverordnetenversammlung. „Und dann muss man diese Ideen im Zusammenhang mit den anderen Ortsteilen und dem Landesentwicklungsplan sehen. Wir haben ausgewiesene Baugebiete. 96 Prozent unserer Möglichkeiten für die Bebauung sind bereits ausgeschöpft.“ Und im Landschaftsschutzgebiet liege die Fläche auch.

Neuholland, Infoveranstaltung zum geplanten Neubauvorhaben am Pappelweg Neuholland Quelle: Stefan Blumberg

„Wir nehmen uns das Recht heraus, Gutes für die Stadt zu tun“

Edwin Großhans, ein Anwohner, wunderte sich darüber, dass das Unternehmen Landwirtschaftsflächen gekauft habe. „Hier leben Kraniche, Wildgans-Arten und andere Tiere – ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie dafür Baurecht bekommen.“ Die Antwort von D. Yilmaz: „Wir nehmen uns das Recht heraus, der Stadt etwas Gutes zu tun. Der Bereich in Neuholland hat Potenzial.“ Auf die Infrastruktur zielten weitere Bemerkungen von Gästen ab. „Es gibt in Liebenwalde drei Ärzte, die jetzt schon keine Patienten mehr aufnehmen, ein Kinderarzt fehlt ganz. Es wäre unpraktisch, hier zu bauen.“ Skeptisch betrachtete Anja Borowski das Thema Zufahrt zu dem beabsichtigten Wohngebiet. Es gebe nur einen schmalen Weg zwischen zwei Grundstücken. Martin Klein bezweifelte, dass der Pappelweg überhaupt für Schwerlastfahrzeuge (während der Bauzeit) ausgelegt sei, Julien und Kerstin Radtke befürchten für die verkehrsberuhigte Zone Pappelweg einen sprunghaften Anstieg des Fahrzeugverkehrs. Ordnungsamtsleiter Hardy Henke: „Der Pappelweg würde zur Erschließungsstraße werden.“ Wie er dann eingestuft werde – das müsse geprüft werden.

„Keiner hat Interesse am Bau der Häuser“

Die Flinte nicht ins Korn werfen möchte M. Tosun. „Die Pläne mögen noch nicht das Nonplusultra sein. Wir werden versuchen, mit neuen Ideen und Vorschlägen einen Weg zu finden, der zu unserem Ziel führt.“ Julien Radtke, der eigentlich selbst ein Stück der Fläche hinter seinem Grundstück kaufen wollte, sagte klipp und klar: „Wir sind von den Plänen erschlagen worden. Keiner im Pappelweg hat Interesse an dem Bau der Häuser.“ Und der ehemalige Bürgermeister Gerhard Steger „ist absolut gegen das Projekt“.

Von Stefan Blumberg

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