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Liebenwalde Im Kornspeicher geht’s nicht weiter
Lokales Oberhavel Liebenwalde Im Kornspeicher geht’s nicht weiter
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20:00 13.06.2018
Helmer Fischer baut ein barrierefreies Hotel auf dem Gut Hammer Quelle: Andrea Kathert
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Hammer

Genau vor einem Jahr führte Helmer Fischer voller Zuversicht über sein Gutsgelände. Das Aushängestück war der Kornspeicher, den Fischer zu einem Hotel für Menschen mit und ohne Handycap ausbauen wollte. Die Räume waren zwar noch kahl, doch es ließ sich schon erahnen, wie es mal in dem Hotel aussehen soll.

Die Bank dreht den Geldhahn zu

Als Helmer Fischer nun die Bauplane vom Haupteingang zur Seite schiebt, bietet sich ein Bild, das haargenau dem von vor einem Jahr gleicht. Nichts hat sich getan. Kein Stück ist er vorangekommen. Helmer Fischer fehlt schlichtweg das Geld, um weiterbauen zu können.

„Das Hotel ist zwanzig Prozent teurer geworden“, sagt Fischer. Sanierungen könnten immer teurer werden. „Man kann vorher nicht in den Bau reinsehen.“ Doch der Speicher barg ein paar Überraschungen. „Für uns war eigentlich klar, dass die Bank eine Nachfinanzierung genehmigt.“ Helmer Fischer hatte sein Projekt von der GLS-Bank finanzieren lassen. „Die fördern soziale Projekte und solche, die ökologischen Wert haben.“

Ein Hotel für Menschen mit Handycap und auch noch behindertengerechte Freizeitaktivitäten wie Fischers Segways dazu, hatte die Banken ursprünglich überzeugt. Auch die Investitionsbank des Landes Brandenburg, die nach Fischers Angaben die Hälfte übernommen hatte.

Die alte Schmiede würde sich für Ferienwohnungen eignen. Quelle: Andrea Kathert

Fischers Hausbank lehnte seinen Antrag ab. Das Problem sei, wenn die Hausbank eine Nachfinanzierung ablehne, springe auch keine andere Bank ein. Helmer Fischer hat es versucht. Was er zu hören bekam, war: „Wenn sie auf Rügen bauen wollten, jederzeit. Oder das fünfte Hotel in Berlin aufmachen wollen, ja gerne. Aber nicht in Brandenburg“. Es läge nicht an den Sicherheiten, bekam er zu hören, aber es sei eben Brandenburg. „Da soll der Tourismus in Brandenburg immer gefördert werden, aber Hotels und Gastronomie scheinen für die Banken ein rotes Tuch zu sein“, glaubt Helmer Fischer. Er hat ganz andere Erfahrungen gemacht mit Touristen.

Der Segway-Verleih läuft gut

Um zwischenzeitlich noch eine andere Einnahmequelle zu finden, hatten Helmer Fischer und seine Frau Catharina auf dem Gutsgelände einen Segway-Verleih aufgemacht und Touren durch die Schorfheide angeboten. „Für die Segways sind letztes Jahr 2000 Leute hier her gekommen“, sagt Fischer. Und nicht nur aus Berlin, auch aus dem Harz und aus Norddeutschland. Alles Leute, die sich Brandenburg und die Schorfheide anschauen wollten.

„Und die Übernachtungszahlen steigen doch auch immer weiter.“ Seit das Days-Hotel in Liebenwalde dicht gemacht hat, bekäme er jeden Tag Anfragen für Übernachtungen. Doch die muss Helmer Fischer alle abweisen.

Im Gutshaus selbst sollte mal ein Restaurant entstehen. Quelle: Andrea Kathert

Was passiert nun weiter? Die Fischers haben sich an Makler gewandt und auf „Immobilienscout“ inseriert. „Wir wollen die Hälfte der Ferienwohnungen an private Investoren verkaufen“, meint Fischer. Die andere Hälfte könnten die Fischers behalten, mit dem Geld weiterbauen und vielleicht alles zusammen verwalten. Die Investoren hingegen könnten mit ihrer Rendite ihre Kreditverpflichtungen bedienen.

Die Pläne

Das Gutsgelände in Hammer misst 3,8 Hektar. 2006 kaufte es Helmer Fischer.

Zu dem Ensemble gehören das Gutshaus, ein Kornspeicher eine alte Schmiede, ein Pferdestall und ein Park mit altem Baumbestand.

Fischer will das Areal zu einem Urlaubsdomizil für Menschen mit und ohne Handycap, für Familien Naturliebhaber und Sportbegeisterte entwickeln. 2013 begannen die Arbeiten dazu.

Im Kornspeicher soll ein Hotel mit zwölf Zimmer entstehen, alle sind barrierefrei und über einen Fahrstuhl zu erreichen.

Auch das Außengelände wird barrierefrei gestaltet.

In der alten Schmiede sind später Ferienwohnungen geplant.

Im eigentlich Gutshaus ist ein Restaurant geplant.

Doch die Investoren bekämen erst gar keine Kredite, schildert Fischer. Seine Interessenten hätten die selben Erfahrungen mit den Banken gemacht wie er. Beim Stichwort Brandenburg heben die Banker die Hände. „Bei denen ist Brandenburg noch nicht angekommen“, denkt Fischer, „die glauben, wir leben hier immer noch auf den Bäumen.“

Die Zuversicht nicht verloren

Die Fischers sind immer noch zuversichtlich. „Aber wenn wir in diesem Jahr keine Lösung finden, müssen wir die Segel streichen.“ In dem alten Kornspeicher stecken schon 800 000 Euro, in dem alten Gutshaus 400 000 Euro. Sollten die Fischers verkaufen müssen, brauchen sie einen Investor, der ihre Pläne mit dem Hotel weiterführt. „Sonst muss ich vielleicht der ILB als Privatmann alles noch zurückzahlen.“

Und die Fischers haben ihr ganzes Privatgeld in das Projekt gesteckt. Doch die beiden verlieren tatsächlich nicht ihre Zuversicht. „Mit den Segways machen wir erst mal weiter.“

Von Andrea Kathert

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