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Liebesromanfans unter sich

Leegebruch/Berlin Liebesromanfans unter sich

Zusammen mit einer Kollegin organisiert Katrin Graßmann aus Leegebruch eine Liebesroman-Convention für Fans und Autoren. Die sechste Auflage geht am 20. und 21. Mai in Berlin an den Start. Das Genre hätte sich seit Jahren etabliert, so die Veranstalterin. Es müsse sich keiner mehr schämen, Liebesgeschichten zu lesen.

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Zur Convention gehören Geschenke wie Taschen für Wochenendticket-Käufer. „Das sind teils Sammlerstücke“, so Katrin Graßmann.

Quelle: Marco Winkler

Leegebruch/Berlin. Mit Arztroman-Heftchen, in denen muskulöse Bergdoktoren Krankenschwester-Blondchen um den Finger wickeln, hätten die Liebesromane, um die es bei der sechsten „LoveLetter Convention“ am 20. und 21. Mai in Berlin geht, wenig zu tun. „Ich möchte nichts lesen, was das Frauenbild wieder in die 50er Jahre katapultiert“, so Katrin Graßmann.

Seit einem Jahr wohnt die 44-Jährige in Leegebruch. Zusammen mit der gebürtigen Berlinerin Kris Alice Hohls (wohnhaft in Sachsen-Anhalt) organisiert sie die Veranstaltung, wo Fans auf ihre Lieblingsautoren treffen. 2016 kamen mehr als 800 Besucher – bisheriger Besucherrekord.

Fans treffen Autoren

Fans treffen Autoren.

Quelle: Misses K GmbH

Kennengelernt haben sich die Frauen im Internetforum. Thema: Romantische Literatur. „Damals wurde solche Literatur nur selten verlegt oder übersetzt“, so Katrin Graßmann. 2012 gründeten sie die für die Convention zuständige Firma Misses K GmbH mit Sitz in Leegebruch. „Zwei Jahre haben wir das erste Event geplant. Es sollte von Anfang an keine Laienveranstaltung werden.“

Am 2. und 3. Juni 2012 fand das Literaturtreffen erstmals im Kulturhaus Spandau statt. An dem Wochenende sollte der BER eröffnen. Schnell sprach sich herum, dass hier zwei Frauen mit Wissen und Engagement ihrer Leidenschaft nachgehen: dem Lesen von Liebesromanen. Die Location wurde folglich zu klein. In einer Schule in der Kastanienallee (Prenzlauer Berg) ist sie nun angesiedelt.

Die große Signierstunde mit vielen Freiexemplaren gehört zum Höhepunkt der Messe

Die große Signierstunde mit vielen Freiexemplaren gehört zum Höhepunkt der Messe.

Quelle: Misses K GmbH

Zu Gast sind Bestseller-Autoren (einige reisen aus den USA an) und unbekannte. Publikums- sowie kleine Verlage sind vertreten. „Unsere Besucher sind Multiplikatoren.“ Fans, die ihre Freude in den sozialen Netzwerken verbreiten. Das wissen Verlage wie Heyne, Ravensburger, Lyx, Ullstein und Bastei Lübbe.

Über 100 Einzelveranstaltungen wird es am Wochenende geben: Blind Dates mit Autoren, Lesungen, Workshops, Diskussionen, Signierstunden. Zur Zielgruppe gehören vor allem Frauen. Allerdings gibt es eine Altersbeschränkung. Besucher müssen mindestens 16 Jahre alt sein, da es mitunter erotische Literatur mit expliziten Sex-Szenen oder Sado-Maso-Einschlag gibt.

Jedes Jahr hat die Geschenke-Tasche eine neue Farbe

Jedes Jahr hat die Geschenke-Tasche eine neue Farbe. Mit allen waren die Veranstalter auf der diesjährigen Buchmesse in Leipzig.

Quelle: Misses K GmbH

Auch Männer gehören zum Publikum. Im letzten Jahr trugen einige extra ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Wir sind freiwillig hier.“ Katrin Graßmann: „Liebesromane werden nicht mehr versteckt gelesen, weil es den Menschen peinlich ist.“ Das Genre werde dennoch oft belächelt. „Dabei ist es mit das auflagenstärkste auf dem Buchmarkt.

Gerade im Jugend- und Fantasybereich ist die Verbreitung groß. So tummeln sich nicht nur überarbeitete Frauen, die in einem Cottage in Irland ihr Glück finden, zwischen den Buchdeckeln, sondern – „Twilight“ lässt grüßen! – auch bebrillte Mauerblümchen, die sich in finster dreinblickende Vampire und Werwölfe mit glatt rasiertem Sixpack verlieben.

Die Fans stehen Schlange

Die Fans stehen Schlange.

Quelle: Misses K GmbH

Höhepunkt der zweitägigen Veranstaltung: Ein Ritt auf dem Bullen. Auch das soll eher nicht sexuell gemeint sein. Grund ist Autorin Emily Bold, die ihren neuen Titel von Amazon Publishing bewerben möchte. Sie gilt als erfolgreiche „Selfpublishing-Autorin“, die ihre eigenen Texte verlegt. „Wir möchten das unterstützen“, so die gelernte Bankkauffrau Katrin Graßmann, die vor zehn Jahren ihren eigenen Verlag gründete: Club der Sinne.

In ihren Werken wird mitunter eine härtere Gangart an den Tag gelegt. Kein Wunder, dass sie „Fifty Shades of Grey“ als „Hausfrauenlektüre“ bezeichnet. Ein Trend der letzten Jahre sei es, in Liebesromanen „sexuell dunkler“ zu werden. „Es ist ein Spiegel der Zeit.“

Das Wochenendticket für die „LoveLetter Convention“ kostet 59 Euro, ein Tagesticket 45 Euro. Mehr Informationen, auch zum umfangreichen Programm, gibt es unter www.loveletterconvention.com.

Von Marco Winkler

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