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Luftballons für Menschenwürde

Oranienburg Luftballons für Menschenwürde

Vielen Menschen ist es peinlich, sich in der Schlange einzureihen. Doch die Lebensmittel der Oranienburger Tafel helfen ihnen, wenigstens etwas im Kühlschrank zu haben. Viele würden lieber arbeiten gehen, für sich selbst aufkommen, und nicht vom Staat abhängig sein. Doch sie haben keine Chance auf dem Arbeitsmarkt, egal ob sie 30 oder über 60 sind..

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Es sind Protestluftballons und gleichzeitig Hoffnungsträger, die am Freitag in der Strelitzer Straße in den Himmel starteten.

Quelle: Andrea Kathert

Oranienburg. Fünf vor Zwölf war es , als am Freitag in der Strelitzer Straße bunte Luftballons in den Himmel stiegen. Die Menschen, die ihnen nachschauten, waren zum Arbeitslosenservice gekommen, um ein Zeichen zu setzen am „Welttag für menschenwürdige Arbeit“. Zuvor hatten sie an ihre Luftballons kleine Zettel gehängt, auf denen ihre Wünsche geschrieben standen.

„Ich habe mir Gesundheit für uns alle gewünscht“, sagt eine junge Frau. Und eine gerechte Geldverteilung. „Jeder sollte wenigstens so viel bekommen, dass man nicht jeden Cent umdrehen muss.“ Was nicht auf dem Zettel steht, sich die junge Frau aber von Herzen wünscht: „Ich will aus Hartz IV raus.“ Gerne würde sie ihren zwei Kindern mehr bieten. Im Moment hat die 30-Jährige einen Ein-Euro-Job in der „Fundgrube“ des ALS. Und obwohl ihr Mann Arbeit hat, muss die vierköpfige Familie den Gürtel ganz eng schnallen. „Am Ende haben wir Plus-Minus-Null.“ Jedes kostenlose Angebot wird wahrgenommen. „Im Elter-Kind-Treff sind wir ganz oft. Wenn wir das nicht hätten.“ Mehr als hundert Mal habe sie sich schon beworben, ohne Erfolg. Aber sie will nicht aufgeben, will jede Chance nutzen. Praktika hat sie schon viele hinter sich, auch Probearbeiten darf sie immer wieder, in Kitas, der Altenpflege oder in der Hotelbranche. Und obwohl sie die Kinder immer bis 20 Uhr unterbringen kann und ihr auf den Zeugnissen stets Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit bescheinigt werden. Am Ende heißt es fast immer: Nein, sie haben zwei Kinder. Die junge Frau zuckt mit den Schulter: „Die wollen alle keine Mütter mit Kindern.“

Die Tafeln sollten eigentlich eine Übergangslösung sein. Nach der Wende waren sie entstanden, um Hilfsbedürftigen eine Anlaufstelle zu geben. Aus der Übergangslösung ist eine feste Institution geworden.

Auf dem Hof des ALS überwiegt am Freitag die rote Farbe. Der DGB hat einen Stande aufgebaut. Diskutiert wird über Altersarmut. Karsten Peter Schröder steht an der Gulaschkanone.

An der roten Gulaschkanone steht wie immer Karsten Peter Schröder, der Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks Oberhavel, und ein Gulaschkanonen-

An der roten Gulaschkanone steht wie immer Karsten Peter Schröder, der Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks Oberhavel, und ein Gulaschkanonen-Koch, der sein Handwerk versteht..

Quelle: Kathert

Die Frau, die genau hinter ihm steht und aus gutem Grund nicht fotografiert werden möchte, reicht die Suppenschüsseln mit einem freundlichen Lächeln weiter, sie ist mehr als doppelt so alt wie die junge Mutter und hat eine ganz andere Geschichte. „Ich bin hier wegen häuslicher Gewalt“, sagt sie. Im Frauenhaus fand sie zunächst Unterschlupf vor ihrem Mann. Inzwischen hat sie eine kleine Wohnung gefunden, und zwar mit Unterstützung der Leute vom ALS. „Ich bin hier wie in einer Familie aufgefangen worden“, erzählt sie. „Hier hört man mir zu und alle bieten mir Hilfe an.“ Es dauerte nicht lange, da hatte sie das nötigste für ihre Wohnung zusammen: Topf, Pfanne, Geschirr. „Hier fühle ich mich hier richtig sicher“, sagt sie mit Tränen in den Augen. Sobald beim ALS die Ausgabe der Oranienburger Tafel beginnt, wird sie sich mit einreihen. „Mit den Lebensmitteln kann ich richtig was anfangen. Und vielleicht geht auch für sie bald ein Wunsch in Erfüllung. „Im Januar bekomme ich vielleicht eine Rente.“ Monatlich 136 Euro werden es sein.

Mögen diese Wünsche in Erfüllung gehen

Mögen diese Wünsche in Erfüllung gehen.

Quelle: Kathert

Von Andrea Kathert

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