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Lust am Rollenspiel: Wenn Mann zum Hund wird

Oranienburger spricht über Fetisch Lust am Rollenspiel: Wenn Mann zum Hund wird

Seine Freunde wissen Bescheid, seine Familie aber soll davon nichts erfahren: Der 26 Jahre alte Tico aus Oranienburg verkleidet sich gerne als Haustier und lebt so seine sexuellen Fantasien aus. In der MAZ spricht er erstmals öffentlich über seinen Fetisch und über seine Vorstellung von Partnerschaft.

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Dogplay: Tico aus Oranienburg schlüpft in die Rolle eines Hundes.

Quelle: privat

Oranienburg. Es ist ein beliebtes Kinderspiel: Sich durch die elterliche Wohnung schleichen, auf allen Vieren, wie ein Hund oder eine Katze und zu bellen und zu fauchen. Für Tico ist es das nicht mehr ganz. Der 26-jährige Oranienburger versucht auch als Erwachsener, tierische Verhaltensweisen, genauer: die eines Hundes zu adaptieren. Petplay nennt sich das. Ein Rollenspiel, bei dem sich zumindest ein Partner wie ein Tier verhält. Er ahmt Elemente der Hundehaltung und Hundeerziehung nach.

„Ich werde dabei ganz gelassen, kann entspannen, abschalten, einfach mal anders sein“, sagt Tico. Für ihn ist das nichts besonderes, nur eine sexuelle Variation, die er auslebt. Ein Abschalten vom Alltag auf der Arbeit und der privaten Routine. Mit 16 Jahren kam er erstmals mit dieser Form der Stimulation in Kontakt. „Ich habe mir im Internet jemanden gesucht, der das Sagen hat“, erzählt er ganz offen. Auf PlanetRomeo, dem sozialen Netzwerk für Homosexuelle. Er suchte dort ein Herrchen, im Fetischjargon „Owner“ (Besitzer) genannt.

Tico als Hund verkleidet auf einer Wiese

Tico als Hund verkleidet auf einer Wiese.

Quelle: Privat

Rechtfertigen muss er sich für seine ungewöhnlich anmutenden Fantasien nicht. „Meine Freunde wissen Bescheid, die finden es alle okay, haben damit keinerlei Probleme“, sagt er. „Sonst kennt diese Seite von mir aber niemand, vor allem meine Familie nicht.“ Keiner geht mit seinen sexuellen Vorlieben hausieren, präsentiert sie bei Omas 80. Geburtstag in Gedichtform oder szenischer Aufführung mit der kleinen Schwester.

Das braucht es, um ein guter Hund zu sein

Um ein guter Hund zu sein, braucht es laut Tico nicht viel. „Es ist eine persönliche Vorliebe.“ Es gebe Petplayer, die kämen ganz ohne Ausrüstung aus. Tico aber hat einiges in petto: Hundemasken, Halsbänder, Pfoten, Schwänze, Geschirr – alles aus Leder. Die Utensilien gehen ins Geld. An die 2000 Euro hat er in seine Verkleidungen bisher investiert.

Ein Partner sollte den Fetisch unbedingt teilen. Seit 2,5 Jahren ist er Single. Das hätte aber nichts mit seiner Vorliebe zu tun, meint er. „Davor hatte ich eine sechs Jahre lange Beziehung.“ Die Rollen waren klar verteilt: Tico als Hund, der Partner als Herrchen. Von ihm hat er viel gelernt. Apportieren, rumtollen, aus dem Napf essen, an der Leine gehen – in Gebieten, wo einen niemand sieht, weil es „sonst zu anstößig wird“ für spazieren gehende Menschen beispielsweise. „Wenn man sein Herrchen ärgern will, ist man mal nicht so brav und artig“, grinst der Mittzwanziger verschmitzt.

Es geht um Treue und Unterwerfung

Ganz wichtig: Treue. Eines der Hauptmerkmale eines Hundes. Der Hund folgt seinem Herrchen bedingungslos. Wie weit das ist und wo die Grenze, das wird vorher abgesprochen. „Manchmal dauert das Ganze nur einen Abend.“ Tico hätte für seinen Ex-Freund aber schon eine Woche lang als Hund gelebt, immer artgerecht gehalten. Von Käfighaltung hält er nichts. Auch das gibt es im Fetisch.

Sex stehe dabei nicht immer im Vordergrund. Manchmal wird nur rumgetollt oder gespielt. „Es soll Spaß machen, kein Zwang sein.“ Woher der Drang kommt, sich als Hund zu verkleiden, weiß Tico nicht genau. „Ich war schon immer sehr passiv“, erklärt er. Im Rollenspiel geht es um Unterwerfung, ein Machtgefälle, das Ablegen menschlicher Verhaltensweisen. „Und Vertrauen“, fügt der junge Oranienburger hinzu. „Das muss vorhanden sein, sonst funktioniert es nicht.“

Tico ist privat gerne ein Hund – und auf diversen Events in Berlin. Da gibt es eine Szene für solche Fetische. Auf dem Christopher Street Day ist er jedes Jahr verkleidet dabei, auf dem Folsom-Europe-Straßenfest sowieso, dreht sich dort alles um Fetische. Die Massen sucht Tico aber eher selten. „Ich bin kein Rudelhund“, sagt er mit einem Lächeln.

Catwoman und Co.

Unter Petplay (englisch: pet = Haustier, play = Spiel) ist ein erotisches Rollenspiel zu verstehen, bei dem ein Partner sich wie ein Tier benimmt. Es geht dabei um das Ablegen menschlicher Verhaltensweise. Beliebte Tiere, in die Petplayer schlüpfen, sind Hunde, Ponys, Katzen. Eher selten sind Kühe und Wildtiere.

In der Literatur kommt der Fetisch ebenfalls vor. In den Batman-Comics gilt Catwoman als Tierrollenspiel. In „Tausendundeiner Nacht“ trifft Sindbad auf Menschen, die als Tiere gehalten werden. Autorin Anne Rice hat unter ihrem Pseudonym Anne N. Roquelaure die sogenannte „Dornröschen-Trilogie“ geschrieben, in der es unter anderem um Jungs geht, die sich als Ponys verkleiden.

Im Film ist der von Grace Jones gesteuerte römische Streitwagen bekannt, den sie in der Komödie „Boomerang“ steuert. Die Ponys werden von jungen Männern dargestellt. Elemente des Petplays enthält ebenfalls der Streifen „Secretary“ mit Maggie Gyllenhaal.

Von Marco Winkler

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