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Oberhavel MAZ-Talk mit den Bürgermeisterkandidaten
Lokales Oberhavel MAZ-Talk mit den Bürgermeisterkandidaten
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13:12 21.09.2017
Steffi Elsner, Uwe Klein, Ernst-Günter Giessmann und Hans Günther Oberlack (v.l.) stellten sich den Fragen. Quelle: Enrico Kugler
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Glienicke

Heute sind es nur noch drei Tage bis ein Bürgermeister für Glienicke gewählt wird. Beim MAZ-Talk am Dienstag in der Alten Halle stellte sich Amtsinhaber Hans Günther Oberlack (FDP) mit seinen drei Gegenkandidaten den Fragen der MAZ-Leser und des Publikums. Wie sich die Antworten auf die Meinungen der Gäste auswirkten, konnten sie in zwei Probeabstimmungen kundtun.

100 Besucher fühlten vor der Wahl beim MAZ-Talk in Glienicke den Bürgermeisterkandidaten auf den Zahn.

Warum wollen Sie Bürgermeister werden/bleiben?

„Ich habe als Bürgermeister viel erreicht. Aber Verkehr und Bildung sind Aufgaben, die noch zu erledigen sind.“ Mit diesen Worten bewarb sich Amtsinhaber Oberlack um seine Wiederwahl. Steffi Elsner (parteilos) begründete ihre Kandidatur damit, dass sie den „Dienstleistungsgedanken in die Verwaltung einpflanzen“ wolle: „Die Mitarbeiter der Verwaltung müssen sich wohlfühlen, damit sie für die Bürger da sein können.“ Ernst-Günter Giessmann (Die Linke) sah sich und die Ideen seiner Partei bei den anderen Kandidaten nicht ausreichend vertreten: „Man kann nicht immer nur nein sagen, deshalb haben wir eigene Vorstellung entwickelt und ein tolles Programm aufgestellt.“ Uwe Klein (SPD) glaubt, dass „Glienicke mehr kann“. Deshalb möchte er sich mit Herz und Leidenschaft für den Ort einsetzen.

Welche Fehler wurden in der Vergangenheit in Glienicke gemacht? Was ist gut gelaufen?

„Man hat die Bürger nicht genug mitgenommen, sie in Entscheidungen nicht einbezogen“, kritisierte Steffi Elsner. Gut sei, so Elsner, dass die Kita-Gebühren angefasst wurden. Giessmann lehnte es ab, eine Fehlerdiskussion zu machen und zu kritisieren: „Ich bin seit 2003 Gemeindevertreter und habe einiges mitzuverantworten.“ Lobende Worte fand er für das veränderte Klima im Umgang der Gemeindevertreter untereinander. „Es wird gemeinsam sachorientiert gearbeitet und die Meinungen anderer werden akzeptiert.“ Uwe Klein sah den größten Fehler in der Vergangenheit darin, dass „nicht zu Entscheidungen gestanden werde.“ Außerdem sprach er die Problematik der Skateranlage und nicht umgesetzte Baumaßnahmen an. In die richtige Richtung gehe hingegen, so Klein, die Beteiligungsrichtlinie im Straßenbau und, dass „Sachpolitik ohne Schaum vorm Mund gemacht werde“. Amtsinhaber Oberlack gestand rückblickend ein, „nicht unfehlbar zu sein.“ Er sei oft nicht hart genug gewesen, auf Entscheidungen der Gemeindevertreter zu bestehen. Als Erfolg benannte Oberlack lediglich die gute Zusammenarbeit zur Errichtung der Sporthalle.

Was charakterisiert eine gute Verwaltung und einen guten Bürgermeister?

„Eine gute Verwaltung arbeitet zusammen, bildet ein Team. Für und mit dem Bürger. Dabei ist der Bürgermeister erster Ansprechpartner, der immer eine offene Bürotür haben sollte“, lautete Kleins Beschreibung einer guten Verwaltung. „Man muss sich auf die Verwaltung verlassen können und als Bürgermeister nicht immer alles besser wissen wollen. Die Mitarbeiter beherrschen ihr Fach, man kann nicht alle Bereiche abdecken“, beschrieb Oberlack die Zusammenarbeit von Gemeindeoberhaupt und Verwaltung. Elsner glaubt, dass ein Bürgermeister für zufriedene Mitarbeiter zu sorgen habe. „Bürger spüren als erstes, ob gern gearbeitet wird.“ Vergleichbar mit dem Reinickendorfer Rathaus wünschte sich Elsner ein „offenes Rathaus“, in dem Anträge stets einsehbar seien. Ernst Günter Giessmann will, dass sich Bürgermeister und Verwaltung als Dienstleister der Bürger verstehen. „Sie müssen wissen, was auf Straßen und Gehwegen passiert und Sorgen und Wünsche aufnehmen.“

Wird, und wenn ja wann, der Jugendclub gebaut?

„Ich gehe davon aus, dass der Jugendclub 2018 fertig wird. Meine Bürotür steht stets offen, um nachzufragen, wie der derzeitige Stand ist“, lud Bürgermeister Oberlack den jungen Fragesteller ins Rathaus ein. Auch Steffi Elsner hofft, dass der Jugendclub gebaut wird. „Das Projekt muss offen gelegt werden. Die Informationspolitik ist ausbaufähig.“ Giessman geht ebenfalls davon aus, dass 2018 gebaut werde. „Die Entscheidung ist da. Aber nicht der Bürgermeister baut, die Entscheidung fällen die Gemeindevertreter.“ Er mahnte eine Informationspflicht für die Jugendlichen an. Uwe Klein hingegen zweifelte, dass der Jugendclub 2018 realisiert werde, da es einen Kostendeckel gebe, der „den Bau unmöglich“ machen werde. Klein: „Die Beschlüsse stehen, die Gemeindevertreter haben ihre Hausaufgaben gemacht und jetzt muss der Kostendeckel weg.“

Warum werden gemeindeeigene Häuser nicht renoviert?

„Es ist kommunale Aufgabe Wohnraum zu schaffen und zu erhalten. Ich schäme mich, dass man dort Leute wohnen lässt“, lautete Uwe Kleins klare Antwort auf eine Publikumsfrage. „Wir müssen wirtschaftlich arbeiten und Maßnahmen in Relation zur Miete sehen. Einige Mieter wollen keine Modernisierung“, argumentierte Oberlack, der sich dagegen verwehrte, dass man Immobilien zu Spottpreisen veräußert habe. „Es geht nach Höchstgebot.“ Elsner betonte, dass „Eigentum verpflichte“. Giessmann forderte, dass „Wohnungen der Gemeinde pfleglich behandelt und instand gesetzt“ werden. „Werden sie verkauft, verlieren wir Eigentum. Es muss unser Tafelsilber bleiben.“

Wann kommt ein Drogeriemarkt nach Glienicke?

„Denn hätte ich auch gerne“, antwortete Steffi Elsner auf die Frage aus dem Publikum. Doch sei es nicht einfach, diesen zu bekommen, weil die Forderungen nach dem Einzugsgebiet hoch seien. Klein stimmte ihr zu: „Es gibt keine geeigneten Flächen.“ Märkte bräuchten heute mindestens 800 Quadratmeter, die es nicht gebe. Klein: „Es ist schwierig, aber nicht ausgeschlossen.“ Oberlack warf ein, dass Handel nur wenig Gewerbesteuer hinterlasse.

Zum Abschluss gab es zehn Fragen, auf die jeder ausschließlich mit „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“ antworten durfte. Geteilt waren die Meinungen der Kandidaten zum Wohnungsbau, beim Thema Bürgernähe, dem Engagement für Senioren und Jugendliche und zum Thema Einkaufsmöglichkeiten, die Klein und Oberlack als nicht ausreichend empfanden. Einig war man sich, dass es eine bunte Vereinslandschaft im Ort gibt, dass man aber mehr Tempolimits und mehr Polizeikontrollen auf der Skateranlage benötige. Auf die abschließende Frage: Werden Sie die Wahl gewinnen? gingen erwartungsgemäß alle vier Daumen nach oben.

Von Ulrike Gawande

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