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Malzer Werft hat volle Auftragsbücher

Wenn Schlepper Willi zum Tüv muss Malzer Werft hat volle Auftragsbücher

Rund 200 Aufträge hatte die Malzer Werft im vergangenen Jahr und kommt auch gut über den Winter. Sechs große und kleine Schiffe liegen in der Halle auf dem Trockenen und sorgen für reichlich Arbeit für die 30 Mitarbeiter. Die Werft bewirbt sich vor allem um Aufträge der Öffentlichen Hand, hat aber auch viele Privatkunden. Der Jahresumsatz liegt bei vier Millionen Euro.

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Die die neue Schiffsschraube lief gestern schon im Probelauf.

Quelle: Enrico Kugler

Malz. Nicht nur Schlepper„Willi“ liegt derzeit auf dem Trockenen. Insgesamt sechs große und kleinere Schiffe haben die Mitarbeiter in die 50 mal 30 Meter große Halle der Malzer Werft gezogen. „Damit haben wir Arbeit für den ganzen Winter“, sagt Ralf Loerke. Der Geschäftsführer ist mit der Auftragslage zufrieden: „Sicher, manchmal überlege ich schon: Und was machen wir im nächsten Vierteljahr? Doch dann kommt wieder reichlich Arbeit rein. Der Ball ist immer am Rollen.“

Auftraggeber der Malzer sind zu 90 Prozent die öffentliche Hand, zehn Prozent private Schiffseigner. „Wir beteiligen uns viel an Ausschreibungen.“ So hat die Malzer Werft für das Wasser- und Schifffahrtsamt in Eberwalde gerade die gesamte Eisbrecherflotte von neun Schiffen aus den 1970er-Jahren generalüberholt, zu der auch der Lehnitzer „Eisfuchs“ gehört oder Schiffe der Wasserschutzpolizei. „Und wir betreuen auch 90 Prozent der Fahrgastschiffe von Mecklenburg-Vorpommern.“

Ralf Loerke hat wie so mancher seiner Kollegen schon auf der Werft gelernt: das Schlosserhandwerk. Später sattelte er ein Maschinenbaustudium drauf. Detlef Klockow kaufte im Februar 2000 die Werft, als viele Binnenwerften in die Insolvenz gingen. „Unser Vorteil war, dass die Werft gerade modernisiert war, die neue Halle 1989 fertig geworden ist“, erinnert sich Ralf Loerke, der seit drei Jahren nicht nur Geschäftsführer, sondern auch Eigentümer des Unternehmens ist. Er schwört auf seinen Mitarbeiterstamm, muss aber auch Nachwuchs ausbilden, „denn viele gehen bald in den Ruhestand“.

Auf der Malzer Werft können per Slipanlage Kähne bis zu 67 Metern Länge für Reparaturen an Land geholt werden. 200 bis 250 Aufträge hat die Firma jedes Jahr. Während neue Schiffe alle fünf Jahre zum „Tüv“ müssen, sind bei älteren meist aller drei bis vier Jahre Verschleißteile auszuwechseln. So wie bei Schlepper „Willi“, der eine neue Schraube und einen neuen Motor braucht. Viele Schiffe hätten etliche Jahre auf dem Buckel, „wenn die Schiffskörper gepflegt sind, lohnt sich aber der Neuaufbau, ist erheblich preiswerter als ein neues Schiff.“ Technisches Highlight fürs Malzer Team war der komplette Neuaufbau des Mehrzweckschiffes „WSP 1“, das Flaggschiff der Brandenburger Wasserschutzpolizei für rund eine Million Euro. Bei Einsätzen kann es sich mit der Hubschraubercrew und Einsatzkräften am Boden vernetzten, Daten und Bilder kommunizieren.

Auch am Kai und vor der Halle warten etliche Schiffe auf Reparaturen oder „Schönheitskorrekturen“, so eine alte Fähre für Lychen, eine altes Transportschiff, das zwei Berliner langfristig zu einem Event-Schiff umbauen lassen wollen, Fahrgastschiffe aus Berlin und Hennigsdorf kommen zum Tüv. Derzeit hat die Werft auch deshalb alle Hände voll zu tun, weil das Umrüsten von privaten Schiffen auf abgasreduzierte Motoren gefördert wird. „Da bekommt man 30 000 Euro für den neuen Motor. Das lohnt sich dann schon.“Während die Werft Motoren bestellt, werden die meisten anderen Teile selbst hergestellt und dank der eigenen Tischlerei auch neues, passgerechtes Mobiliar.

Zweites Standbein bleibt fürs Unternehmen das Drehen von Leitscheiben für Gasturbinen, die Siemens in alle Welt exportiert. Ralf Loerke ist um die Zukunft der Werft nicht Bange. Wohl auch, weil Sohn Martin (30) als Informatiker mit ins Unternehmen eingestiegen ist. Ein Schiff nenne Loerke nicht sein Eigen: „Nö, ich weiß, was das alles kostet“, sagt der 54-Jährige mit einem Schmunzeln. Trotzdem ist er viel auf Achse als bekennender Amerika-Fan. „New York ist eine Wahnsinnsstadt“, schwärmt er und „unvergleichlich die Landschaft des Westens“. Zu Hause bleibt er in Friedrichsthal.

Von Heike Bergt

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