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Oberhavel „Man lernt durch Zugucken“
Lokales Oberhavel „Man lernt durch Zugucken“
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00:27 12.08.2015
Haniyeh (r.) zeigt Talent beim Korbflechten. Quelle: Foto: Cindy Lüderitz
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Gransee

Haniyeh ist geschickt mit den Händen und schnell. Sie legt die biegsamen Hölzchen präzise übereinander und hat fix den Bodenraum ihres kleinen Körbchens geflochten. „Sie hat Talent“, sagt Ergotherapeutin Christiane Vogl, die beim ersten Frauencafé am Sonnabend im „Hospital Global“ in Gransee ein Handwerk zum Kennenlernen anbot. „Das geht auch, wenn man verschiedene Sprachen spricht. Man lernt durchs Zugucken“, erklärt Vogl und kreuzt das nächste Peddigrohr anschaulich um den Korbboden. Über den Gospelchor wurde die Neu-Granseerin auf die Willkommens-Initiative aufmerksam und überlegte, wie sie helfen kann. Jetzt ist sie Mitglied in der Arbeitsgruppe praktische Unterstützung. „Das ist auch für mich gut. Ich bin neu in der Stadt und lerne so Leute kennen“, erzählt die junge Frau. Das Frauencafé ist ein offenes Angebot. „Wir wollten einfach mal gucken, wie es angenommen wird und werden sehen, was sich daraus entwickelt“, sagte Vivian Zipperling, Mitglied der Initiative und des Arbeitskreises Frauen Oberhavel-Nord. Die Atmosphäre an diesem Samstag ist ungezwungen, die Frauen sitzen an der langen Kaffeetafel, schnell entwickeln sich lebhafte Gespräche zwischen Jüngeren und Älteren, zwischen den Einheimischen und den neuen Granseerinnen aus Syrien oder Pakistan. Mehrere Frauen sind mit ihren Kindern gekommen. Karin Kockel hat Ede und Herrmann mitgebracht, ein Kaninchen und ein Hund. Beide gleich beliebt bei den jüngsten Gästen.

Das Frauencafé ist auch ein geschützter Raum. Der bunte Abend, der immer freitags im Hospital stattfindet, werde vor allem von den Männern aus dem Asylbewerberheim angenommen, die dann gemeinsam Musik hören, kochen und im Internet surfen. „Wir dachten, ein Tag nur für Frauen ist eine gute Idee“, so Zipperling.

Anke Culemann hat ein Spinnrad und Schafswolle mitgebracht und erklärt, wie aus dem dichten Knäuel ein feiner Faden wird. „Drei Sachen muss man gleichzeitig machen: treten, ziehen und Faden geben“, erklärt sie. Die Mädchen haben das schnell raus. „Das funktioniert auch ohne Sprache“, sagt Culemann. „Das Schöne am Spinnen ist, dass man in sein inneres Fahrwasser kommt. Es hilft beim Abschalten.“ Anke Culemann könnte sich vorstellen, eine textile Arbeitsgruppe im Hospital anzubieten. Dort könnten Frauen gemeinsam stricken, spinnen, nähen und Körbe flechten. „Ich nutze das auch in der Ergotherapie“, erklärt Christiane Vogl. „Man hat etwas selbst geschaffen und das gibt ein gutes Gefühl“, sagt sie. Handarbeit gebe ein Stück Kontrolle zurück. Haniyeh ist mit ihrem Körbchen gut vorangekommen. Und nicht nur damit. Die gebürtige Syrerin lebt seit März mit ihrer Familie in einer Wohnung in Gransee und besucht seither die Siemens-Oberschule. Dort möchte sie demnächst auch den Zehnte-Klasse-Abschluss machen.

Von Cindy Lüderitz

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